6. Mai, von Sylvie Braibant
Die Pelzkapuze lässt nur zwei schwarze Augen frei und die schauen traurig drein. Kinderaugen auf der Titelseite von La Presse, der sehr populären Tageszeitung in Quebec. Das Blatt hat sich die tristen Lebensbedingungen der indianischen Kinder der Provinz vorgenommen: für 12% von ihnen beschließt die DPJ (Direktion Jugendschutz) jedes Jahr, sie von ihren Familien zu trennen, ein drittel ist weniger als fünf Jahre alt. Die meisten werden weit weg von ihrem Zuhause bei "Weißen" untergebracht, (...)
29. April, von Sylvie Braibant
Fassen wir zusammen: rechts von mir ein Spion der modernen Art, der, wenn nicht für die ganze Menschheit, wenigstens für einen Teil derselben zu arbeiten glaubt. Zu meiner Linken ein fanatischer Apokalyptiker, mutmaßlicher Täter mörderischer Anschläge. Ersterer riskiert lebenslanges Gefängnis, letzterer schiebt weiter seinen Karren.
Schauen wir uns im Licht der israelischen Presse den ersten Fall genauer an. Vom Aussenminister über den Mossad bis zum Premierminiter beteuert alles was in (...)
22. April, von Sylvie Braibant
Im Russischen sagt man für "Boulevardpresse" "Glamour" - гламур - . Das heißt, man musste den Begriff für etwas, was es bis zu den politischen Umwälzungen des vergangenen Jahrhunderts nicht gab, weit herholen. Die Boulevardpresse der postsowjetischen Ära verdient ihren (schlechten) Ruf, beziehungsweise backt ihr Honigbrot eher mit Verbrechen, mit Außerirdischen und anderen Mystifikationen, als mit dem Liebesleben von Politikern oder Stars im (...)
16. April, von Sylvie Braibant
In Australien war für die Frauen diese Woche fruchtbar. Am Samstag beglückwünschte sich die Presse wegen der Nominierung von Kay Goldworthy zur Bischöfin, was eine Premiere ist. Und am Montag applaudierte das ganze Land Mme Quentin Bryce anlässlich ihrer Wahl zur zukünftigen Generalgouverneurin von Australien, in das höchste Amt dieses Staates, ebenfalls ein kühner Streich.
Eine 51jährige Frau, Mutter von Zwillingen, räumt die letzte patriarchalische Hürde der australischen (...)
9. April, von Sylvie Braibant
Die Gemeinschaft der Geheimdienste steht am Scheideweg. Das meldet USA Today anläßlich einer umfassenden Untersuchung der amerikanischen Dienste. Papas Spione im grauen Regenmantel, grau wie der Regen, ausgerüstet mit Gadgets aller Art für Angriff und Selbstversteidigung, sind bald nur noch auf den Regalen der Bibliotheken zu finden (Unbedingt Graham Greene’s phantastischen Roman Unser Mann in Havanna wieder lesen!). Schluss auch mit den aufregenden Spionageaufträgen am anderen Ende der (...)