Karawansereien

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Montag 8. März 2010

Frauen, zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem

Wenn der 8. März sich nähert, breiten sich in Oesterreich die Frauen spaltenlang und bildbeladen aus. Nackt oder verschleiert, verdreht oder gerade formieren sich ihre Körper auf den Titelseiten großer und kleiner Tageszeitungen zu einem leicht chaotischen Tanz. Fern vom traditionellen Dirndl, das mich in meiner Kindheit in den Familienferien in Oesterreich begeisterte. Nehmen wir den Kurier mit einem verwirrenden Mosaik aus nackten, verdrehten Leibern. "Wenn Kunst und Porno sich (...)

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Montag 1. März 2010

Nicht sehr passend...

Aus fast allen Titelseiten der Tageszeitungen jenseits des Rheines schaute am Mittwoch den 24. Februar das Gesicht einer jungen Frau, offen aber traurig und in Israel gleichzeitig das eines jungen Mannes, eher düster und verschlossen, zunächst in Haaretz, dann in allen Medien des Landes. Den Deutschen ist die Dame bekannt, sie ist fast eine Ikone, die entgegengesetzte von der eines Benedikt des sechszehnten. Margot Käßmann ist die Ratsvorsitzende der mächtigen protestantischen Kirchen (...)

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Freitag 19. Februar 2010

Ansichten, Weltbilder, Träume

1. Sintflut Der Mann scheint ärgerlich. Es mag zwar Sommer sein, und man kann bei zwanzig Grad spazieren gehen, während Leute auf der anderen Hemissphäre frieren. Aber mitten auf der Straße zu tauchen, scheint doch ziemlich unbequem. Der Mann schaut uns fast drohend an, als sei es unsere Schuld, dass er in einer Hauptverkehrsader schwimmen bzw. dieselbe schwimmend überqueren muss. Und doch: wer hat nicht davon geträumt, dass seine Stadt ein Venedig werde? Sind die Bilder von Paris in der (...)

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Freitag 12. Februar 2010

Diskriminierung auf allen Ebenen...

In dieser ersten Februarwoche 2010 waren Inder die Leidtragenden, bei sich zu Hause und im Ausland. Oder vielmehr bestimmte Gruppen von Indern, die hier wie dort schlecht behandelt wurden. Im Staat Andhra Pradesh, im Südosten des Subkontinent verwarf das Höchste Gericht die Einrichtung von Quota, die Menschen aus islamischen Unterschichten 4% der Arbeits- und Ausbildungsplätze einräumen sollten. Ein entsprechendes Gesetz war vom Parlament dieses Staates - Indien ist eine föderative (...)

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Sonnabend 30. Januar 2010

Leibliche Genüsse

Anscheinend häufen sich um die Mitte Januar die großen Depressionen auf der nördlichen Halbkugel: der Winter dauert an, die Sonne macht sich rar und die Bewohner dieser Erdhälfte hören auf, sich um unseren Planeten Sorgen zu machen und hoffen auf die Klimaerwärmung. Bestimmt hat das Syndrom auch Ferran Adrià erwischt: hat doch der katalonische Gastwirt und der Welt berühmtester Küchenchef soeben verkündet, dass er für zwei Jahre, 2012 und 2013, seine Kochtöpfe an den Nagel hängt. Für 2010 (...)

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Donnerstag 21. Januar 2010

Trink oder stirb: Du hast die Wahl!

Am letzten Sonntag, dem 17 Januar 2010, äußerte sich mein begnadeter Kollege Wadim Glusker, Leiter des NTV-Büros in Paris, in der Sendung Kiosque von TV5Monde zum 90jährigen Jubiläum eines generellen Alkoholverbots in den Vereinigten Staaten. Er fragte sich, was die Konsequenzen eines solchen Gesetzes in Russland wären und meinte, eine solche Maßnahme wäre vollkommen unrealisierbar. Der Beweis: "wenn Michail Gorbatschow nicht 1985 eine Kampagne gegen den Alkoholismus im Land gestartet (...)

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Donnerstag 14. Januar 2010

Weg mit dem großen Lenin und der kleinen Mao, ich will sie nicht sehen...

Die Bewohner der entzückenden Stadt Richmond am Pazifik, in der Provinz British Columbia, haben einen großen Kummer. Die Stadt zählt zum Einzugsbereich von Vancouver, liegt quasi als Vorstadt in der weiteren Umgebung im Süden. Richmond ist eine zwar sehr ausgedehnte aber lebendige Stadt mit der reichen Geschichte einer Wohlhabenheit, die bis auf die Pioniere zurückgeht. Doch wie die große Nachbarstadt ist sie heute fast ebenso chinesisch wie kanadisch: von jenseits des Meeres kamen (...)

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Freitag 8. Januar 2010

Kopfstand...

Die Neuseeländer haben verdammt viel Sinn für Humor und fürs Feiern und sind stolz darauf, wennn man den versammelten Titelseiten ihrer großen Tageszeitungen Glauben schenkt. Da erscheint Kyle Gear, sechs Jahre alt und womöglich mit allen seinen Zähnen in einer ziemlich spektakulären Neuauflage von "Halt durch, Jeannot" (Film-Sketch, Sophie Daumier, Guy Bedos, La Drague (die Verführung), 1972 d. Ü.). Also Kyle war einer der Konkurrenten in der Junior-Serie (sehr Junior) aller möglichen (...)

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Freitag 8. Januar 2010

Das Recht der Herren und Meister, Blutsauger der Verdammten dieser Erde...

In dieser Nachweihnachtszeit betet die Tageszeitung Pagina12 eine Art Litanei herunter, eine besondere Art von Gebet in diesem, sehr katholischen Argentinien. Das Blatt ist bekannt für seine Stellungnahmen in sozialen Dingen und setzt sich diesmal für die Kleinbauern ein, die gewaltsam von Ländereien vertrieben werden, die sie oder ihre Familien über Jahrzehnte hin bewirtschaftet haben. Das geschieht auf Geheiß von Mulitmillionären der Agro- und Nahrungsmittelindustrie, die unter totaler (...)

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Freitag 18. Dezember 2009

Meer, Sex und Sonne

Wer sich entrüstet weiß warum. Montag, der 14.Dezember 2009. Silvio Berlusconi kuriert seine Verwundungen, Europa erstarrt in der Kälte, die Moskovskaya Pravda, die Mospravda, wie sie liebevoll genannt wird (wörtlich auch "Moskauer Wahrheit"), widmet einen langen Artikel einem ganz wesentlichen Lebensaspekt der Russen im Ausland: den sexuellen Annehmlichkeiten in den Badeorten des Roten Meeres. Die Mospravda wurde in der Revolution (1918) geboren, in einer Zeit, in der extreme Verschämtheit (...)

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Mittwoch 9. Dezember 2009

Mein Leben lang hab ich davon geträumt, Stewardess zu sein...

... mein Leben lang habe ich geträumt, den Hintern in die Luft zu heben ("les fesses en l’air": ein lustiger Ausdruck für den Geschlechtsakt d.Ü) sang Jaques Dutronc. Und nun ist daran bald nicht mehr zu denken: aus dem Miami Herald erfahren wir, dass das amerikanische Innenministerium immer mehr Drohnen einzusetzen gedenkt, diese Flieger mit den langen Flügeln, die keine Piloten haben und weder Bord- noch Backbord-service ... Die neuen Raubvögel sollen vorallem entlang der Grenzen (...)

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Sonntag 29. November 2009

Schafft mir den Penis weg, ich will ihn nicht sehen: die Stunde der perversen deutschen Opas

In dieser Woche Polemik auf allen Ebenen der deutschen Presse, Polemik um Bilder, Kult- oder gar Kunstbilder, falls es sich nicht doch um "Schinken" handelt... Über dem zwanzigsten Jahrestag des Berliner Mauerfalls hat man den sechzigsten Jahrestag der Bundesrepublik Deutschland fast vergessen. Im allgemeinen und wohl inszenierten Herumtrampeln auf dem dahingegangenen sozialistischen Deutschland bildete allerdings eine kleine Figur die Ausnahme: das Sandmännchen hat 50 Jahre auf dem Buckel (...)

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Mittwoch 28. Oktober 2009

Von oben nach unten und umgekehrt...

Über zwei schlechten Nachrichten trennten sich letzte Woche die Berliner (aufs neue) und die Petersburger (so heftig, dass der Winterpalast wackelte) in zwei Lager. In Berlin scheint eine weit über die Stadt hinaus verbreitete Einrichtung aufs schlimmste bedroht: die Schrebergärten. Seit dem 19ten Jahrhundert erstrecken sie sich entlang der Spree, an Waldrändern, an Bahndämmen oder auch an den Ufern der Seen in der Umgebung der Stadt. Gegen Ende des 19ten Jahrhunderts hatten Arbeiter (...)

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Donnerstag 1. Oktober 2009

Der Chor der Klagemänner

"Stirbt der Sozialismus?" Mich gruselte, als ich am Tag nach der Niederlage der Sozialdemokraten in Deutschland und am Tag bevor Gordon Brown der englischen Arbeiterpartei den Todeskuss verpasste, diesen Aufmacher der Herald Tribune entdeckte... Dann gruselte es mich noch stärker, als ich den ersten Satz des Artikels las: "Ein Gespenst geht um in Europa..." Also, die International Herald Tribune kennt ihre Klassiker, nimmt die gute alte Formulierung, mit der Genosse Marx das Kommunistische (...)

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Freitag 25. September 2009

Nur zu, meine Herren Engländer...

Im Land des perfiden Albion macht man sich dieser Tage aus vollem Herzen über Frankreich lustig, schadenfroh und leichtfertig... Zunächst ging der Schuss gegen unseren ehemaligen Präsidenten Valery Giscard d’Estaing los und gegen sein neuestes Opus, in dem in verschleierter Form von einer zurückliegenden Idylle mit Prinzessin Diana die Rede ist. Die Britten haben laut gelacht, wie es scheint, und von der Fantasie eines "alten Lüstlings" gesprochen. Über das literarische Talent des (...)

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