Karawansereien

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Donnerstag 17. Juni 2010

Bip bip bip ...

Sind sie nicht niedlich anzusehen, diese Babuschki? - Kurz nachdem er gewählt worden war, hat der neue russische Präsident Medwedjew eine technologische Revolution angekündigt: die Nation Juri Gagarins, des ersten Mannes im All, das ganze Volk im größten Land der Welt, würde Zugang zum Internet haben. Jedermann, von Sibirien bis zur Krim, von Murmansk bis Wolgograd, würde ins numerische und Webzeitalter eintreten. Über schnelle Zugänge würde man, mir nichts dir nichts, Videofilme angucken, (...)

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Sonntag 6. Juni 2010

Unsere kleinen Häuschen auf dem Rasen

Wisconsin liegt am äussersten Rand. Wer weiter geht, fällt in den Michigansee und wenn er zufällig schwimmt und nicht untergeht, kommt er nach Kanada. Dorothea Hahn, die Washingtoner Korrespondentin der Tageszeitung ist als Krisenbeobachterin an diese amerikanische Grenze gereist. Sie hat sich in einem Viertel von Milwaukee, der größten Stadt des Staates, umgesehen. Nicht zufällig: Milwaukee verdankt seine Entwicklung in hohem Maß deutschen Immigranten, Menschen die der Hunger in der Mitte (...)

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Sonntag 30. Mai 2010

Gorilla, illa illa, iii -hihi...

Ich sah die Titelseite des Kurier vom Sonntag, den 24 Mai, und freute mich sehr. Die Sonntagsausgabe der Tageszeitung schlug mir ein "Rendezvous mit den Gorillas" vor. Und um meine Neugier noch mehr anzustacheln, lud mich der Untertitel zum Kennenlernen der Gorillaberge ein, der märchenhaft schönen Gegend, dort wo Uganda, Ruanda und Kongo aneinander grenzen. Ich mag diese Primaten, seit ich vor ein paar Jahren erfuhr, dass uns unser naher Verwandter (98% gemeinsamer Gene) deutlich überlegen (...)

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Mittwoch 19. Mai 2010

Matschbirne

Etienne Koechlin geht nicht gerade freundlich mit Napoleon um. Dieser hervorragende, dem großen Publikum allerdings wenig bekannte, französische Forscher schmälert den Ruhm des Genies ohne auch nur einen Augenblick zu zögern: "Wenn Napoleon den Eindruck vermittelte, dass er mehrere Dinge zugleich tun konnte, dann nicht, weil er dessen fähig war. Er besaß einfach nur ein sehr gutes Gedächtnis. Er konnte übergangslos von einer Sache zur anderen wechseln." Auf seine Art ein toller Zauberer, (...)

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Donnerstag 13. Mai 2010

Ade Garzon, guten Morgen Kagan!

Die Fortsetzung der Verdrießlichkeiten um den berühmten spanischen Richter. Konnte er bisher schon stolz sein, als Draufgänger zu gelten, ab jetzt könnte er sich gar als erster politischer Flüchtling aus Juan Carlos’ und Zapateros Spanien bezeichnen! Nach der Anordnung der Richter am obersten spanischen Gericht, ihm wegen Untreue im Amt, Einflussnahme und Machtmissbrauch den Prozess zu machen, hat der Richter um seine Beurlaubung beim Internationalen Strafgerichtshof gebeten, wo der (...)

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Montag 3. Mai 2010

Guten Morgen Lenin...

Eine dieser Häufungen von Neuigkeiten, bei denen man sich fragt, ob sie sich dem reinen Zufall verdanken, oder ob eine höhere Macht im Spiel ist: vier Ereignisse in Spanien und in Russland, über die in Madrid, in Moskau und anderswo geredet wurde. Am 22. April feierte (oder beweinte) man die Geburt Lenins, beweinte (oder feierte) man den Tod von Juan Antonio Samaranch, verdrängte man die Erinnerung an die Francodiktatur, öffnete man die Archive der Stalinzeit... Am 22. April 1870, also (...)

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Donnerstag 22. April 2010

Baikal-Amur-Rio de la Plata, Direktverbindung ohne Zwischenstop

Es ist fünf Jahre her: man hatte mir "Siberienne" (deutscher Titel: "Die Dolmetscherin" d.Ü.) geschenkt, einen Roman des Kubaners Jesus Diaz. Eine entzückende Geschichte vom Anfang der 70er Jahre, ein kubanischer Journalist, 25 Jahre alt, schwarz und jungfräulich, terrorisiert von Flugangst, wird zum großen Bruder, der Sowjetunion, geschickt, zwecks Reportage vom Bau der Eisenbahnlinie, die den Baikalsee mit dem Amurstrom verbindet. Aber wie alle Liebesgeschichten (Wortspiel: im (...)

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Dienstag 20. April 2010

Sternenregen

Schweizerische und schottische Astronomen haben etwas beruhigendes entdeckt. Auch manche Sterne wollen sich nicht in die gleiche Richtung bewegen, wie die große Masse! Doch die Mitteilung der Europäischen Südsternwarte bleibt ein wenig mysteriös und die Erklärungen der Temps helfen uns auch nicht weiter... "Heute wurde die Entdeckung von neun neuen Planetendurchgängen bekanntgegeben. In Verbindung mit früheren Beobachtungen von Exoplaneten (Planeten in anderen Sonnensystemen d.Ü.) kamen die (...)

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Freitag 9. April 2010

Weist du, du hast schöne Augen...

... aber soo traurige. Zweifellos weil du mit kaum 30 Jahren, in der Blüte der Jahre, aber zermürbt von harter Arbeit, gestorben bist. Obwohl du eine gesellschaftlich privilegierte Stellung inne hattest, meinen jedenfalls die, die dich gefunden haben. Sie stützen sich auf die Halskette aus Waalzähnen, die du im Tod trugst, die Kette einer Frau, die natürlich zur Elite zählte. Sie haben dich "Aunty" (Tantchen) genannt... Schon vor 70 Jahren haben sie Dein Skelett gefunden. Zunächst haben (...)

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Mittwoch 24. März 2010

Die Rächer sind in der Stadt...

"Baradero City brennt! Zwei Jugendliche sterben bei einem Motoradunfall. Die Folgen: nächtliche Unruhen, Brändstiftung, Zerstörung." - Man denkt an Frankreich, an eine Neuauflage von Clichy sous Bois oder Villiers le Bel, aber der Ort des Geschehens liegt diesmal in Argentinien, nicht weit von Buenos Aires. In einer reizenden, wegen ihrer Grünanlagen und ihres Wasserreichtumg gern von Touristen besuchten, Stadt, 150 km nordwestlich der Metropole, die bisher keine Gewaltausbrüche kannte, (...)

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Donnerstag 18. März 2010

Mata Hari zurück ... sagen die Polen

Die Gazeta Wyborcza, die ihre Leser einfachheitshalber nur "Gazeta" nennen, nimmt in dieser Woche eine reizende Spionageaffaire wieder auf und titelt: "Olga, eine weißrussische Mata Hari". Die Geschichte hat den zweifelhaften Reiz derer, die in Zeiten des kalten Krieges im Schwang waren, als Bundestagsabgeordnete und deutsche Kanzler dem Charme von Sekretair/inne/en erlagen, die als Stasi- und KGBagenten geführt wurden. Die (von Aktiven der Solidarnosc gegründete) Zeitung meint allerdings, (...)

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Donnerstag 11. März 2010

Frauen, Québecische Ansichten

Der 8te März verpflichtet. Die Zeitungen veranstalteten ein Feuerwerk von Titelseiten, die den Frauen in ihren Staaten, Ständen und Zuständen gewidmet waren. Gewiss die spektakulärste Seite präsentierte The Economist mit "Gendercide": zwei rote Söckchen auf schwarzem Grund, Symbol für die 100 Millionen Mädchenbabys, die in Ländern mit Einkindpolitik ins schwarze Loch der Geschlechterpräferenz fallen. Allerdings lässt die britische Wochenzeitung die Herkunft der Zahl einigermaßen im (...)

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Montag 8. März 2010

Frauen, Sichtbares und Unsichtbares

Wenn der 8. März sich nähert, breiten sich in Oesterreich die Frauen spaltenlang und bildbeladen aus. Nackt oder verschleiert, verdreht oder gerade formieren sich ihre Körper auf den Titelseiten großer und kleiner Tageszeitungen zu einem leicht chaotischen Tanz. Fern vom traditionellen Dirndl, das mich in meiner Kindheit in den Familienferien in Oesterreich begeisterte. Nehmen wir den Kurier mit einem verwirrenden Mosaik aus nackten, verdrehten Leibern. "Wenn Kunst und Porno sich (...)

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Montag 1. März 2010

Nicht sehr passend...

Aus fast allen Titelseiten der Tageszeitungen jenseits des Rheines schaute am Mittwoch den 24. Februar das Gesicht einer jungen Frau, offen aber traurig und in Israel gleichzeitig das eines jungen Mannes, eher düster und verschlossen, zunächst in Haaretz, dann in allen Medien des Landes. Den Deutschen ist die Dame bekannt, sie ist fast eine Ikone, die entgegengesetzte von der eines Benedikt des sechszehnten. Margot Käßmann ist die Ratsvorsitzende der mächtigen protestantischen Kirchen (...)

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Freitag 19. Februar 2010

Ansichten, Weltbilder, Träume

1. Sintflut Der Mann scheint ärgerlich. Es mag zwar Sommer sein, und man kann bei zwanzig Grad spazieren gehen, während Leute auf der anderen Hemissphäre frieren. Aber mitten auf der Straße zu tauchen, scheint doch ziemlich unbequem. Der Mann schaut uns fast drohend an, als sei es unsere Schuld, dass er in einer Hauptverkehrsader schwimmen bzw. dieselbe schwimmend überqueren muss. Und doch: wer hat nicht davon geträumt, dass seine Stadt ein Venedig werde? Sind die Bilder von Paris in der (...)

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