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Manchmal hält das Leben kleine Enttäuschungen für uns bereit. Für unsere Sendung Kiosque stand in der letzten Woche der Besuch des russsischen Präsidenten Wladimir Putin in Italien und beim Vatikan auf dem Programm. Ein Besuch beim Premierminister Romano Prodi und beim Papst Benedikt XVI. Ich war ganz stolz, dass ich eine russische Titelseite, nämlich die der Wochenzeitung Tribuna, gefunden hatte, die das Ereignis unter einer Überschrift brachte, die mir ganz ausgezeichnet schien: "Das dritte Rom, eingeladen beim ersten". Meine Kolleginnen und Kollegen bei TV5 betrachteten den Titelbalken mit dem stumpfen Blick freundlich - unbeteiligter Grasfresser. Weder das erste, noch das zweite noch gar das dritte Rom ließ auch nur eine Spur des Erinnerns an Geschichte in ihnen aufkommen. Dabei hat das römische Dreieck Europa geformt.

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Das erste Rom ist sozusagen das wahre, das Rom des Reiches, das von den Aposteln Peter und Paul, den Säulen der Kirche gebaut wurde. Das zweite ist Konstantinopel, früher Byzanz, die Hauptstadt Kaiser Konstantins und nach der Teilung in ost- und weströmisches Reich zur Führung der orthodoxen Christenheit aufgerufen. Das dritte ist Moskau zu Zeiten Iwans des Schrecklichen, nach seiner Heirat, 1472, mit Sophie, der Nichte des letzten byzantinischen Kaisers Konstantin XI. Damals übernahm Moskau die Rolle des Bollwerks der Orthodoxie und widersetzte sich entschieden allen päpstlichen Herrschaftsansprüchen. Das römische Rom, das byzantinische, das russische - drei Allianzen von Thron und Altar, von politischer und religieuser Tyrannei; eine Einheit und ein Gang der Geschichte von langer Dauer. Jahrhunderte später stellt ein Papst zum ersten Mal eine Reise nach Russland in Aussicht und die Türkei klopft vergebens an die Pforte Europas...

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Im ersten Wien in Österreich war man in dieser Woche den europäischen Kollegen um einiges voraus. Die Regierung beschloss das Wahlberechtigungsalter für die Bundeswahlen auf 16 Jahre zu senken. "Ist man mit 16 reif für die Politik?" Die Kleine Zeitung fragte 22 Jugendliche, 14 Mädchen und 8 Knaben, was sie von der Reform hielten. Die Hälfte zeigt sich zufrieden, wollten wählen, wenn man ihnen etwas mehr Politik beibringen würde, warum nicht auch in der Schule. Die andere Hälfte wird nicht zu den Urnen gehen und meint, mit 16 sei man viel zu jung, um sich für Geschichte zu interessieren und die politische Parteienlandschaft zu verstehen... Ist denn die Saga von den drei Rom nicht spannender als alle Krimis?