Es war in dieser Woche, just davor und just danach... Just nach jenem Ausbruch planetarischer Gewalt, verkörpert in Zidane, der seinem italienischen Gegner den Kopf in den Magen rammt, und just vor der Brandung im Vorderen Orient.

Beide Male die stichelende Frage: Wer ist schuld? Der Provokateur oder der Provozierte der zuschlägt? Man möchte sagen, es hängt davon ab, nämlich von der Provokation, kurzum, alles ist relativ...

An diesem Dienstag, den 11 Juli, zwischen den beiden Kataklysmen, die ihr Echo in der gesamten Weltpresse finden, bringen es drei Tageszeitungen in Kanada, in den USA und in Israel tatsächlich fertig, ihre Schlagzeilen 1400 Briefen zu widmen, die Albert Einstein- geschrieben hat (man stelle sich nur seine Logorrhöe vor, hätte er im Zeitalter der Emails gelebt...). Die Jerusalemer hebräische Universität - dort liegen die Briefe im Archiv - hat sie nun endlich der Öffentlichkeit zugänglich machen können.

Sie waren an die Frauen des Physikers gerichtet, diese Briefe, - an die legitimen und an die anderen - oder auch an seine Kinder. Albert Einstein entpuppt sich hier als ein eher liebeshungriger Liebhaber, als ein eher zuvorkommender Ehemann und als ein relativ aufmerksamer Vater. Man wußte ja bereits, daß er sich in Gesellschaft von Frauen wohl fühlte, besonders in Gegenwart von Wissenschaftlerinnen wie er. Was ihm gelegentlich geholfen hat, seine wissenschaftlichen Arbeiten voranzubringen, wobei die Musen leicht ein wenig vergessen wurden.

A propos seine Entdeckungen, da lamentiert er: "es wird bald damit enden, daß ich der Relativität müde sein werde. Wenn man sich derart intensiv mit etwas beschäftigt, selbst mit diesen Dingen, stellt sich am Ende immer der Überdruss ein." (Brief an seine zweite Frau Elsa 1921 - genauer
Wortlaut s.dort )

Gleichfalls in dieser Woche entdecke ich eine schweizerdeutsche Sartyrezeitschrift, den Nebelspalter- , das Äquivalent des französischen Charlie Hebdo. Die Zeitschrift hat 12 Zeichner gebeten, sich die Deutschen in der Sicht der Schweizer vorzustellen. Man muß wissen, daß die Debatte um die Immigration wie in Frankreich und anderswo in Europa so auch bei den Helveten hohe Wellen schlägt. Allerdings, die meisten Immigranten hier - das mag zu denken geben - bleiben nicht. Mit einer Ausnahme: die Deutschen, sei es aus Gründen der Arbeit, der Lebensqualität, vielleicht auch der Landschaft, lassen sich endgültig nieder. Zwölf Bilder also, zwölf Diapositive sozusagen, lassen die invasiven Nachbarn im weißen Kreuz der Bundesflagge erscheinen. Die Karrikaturen nehmen aufs Korn, was immer da lächerlich oder auch gefährlich scheint: eine deutsche Dogge, einen Flieger
der Lufthansa, ein Schwein mit Pickelhaube usw., aber auch einen Edmund Stoiber, den glücklosen Kanzlerkandidaten, im Konterfei der Deutsch-Argentinierin Marlene Pohle. Hat er nicht in seinem Bayern, da wo Bruno, der Bär, kürzlich erschossen wurde, vorgeschlagen, Gotteslästerung mit drei Jahren Gefängnis zu bestrafen?

Kurzum, alles ist relativ und dieser Blog auch, zumal wenn’s, wie jetzt in unserer nördlichen Hemisphäre, auf die großen Ferien zugeht... Ich bitte die Reisenden der Karawansereien zu verzeihen, wenn ich in den kommenden Wochen noch gemütlicher daherkomme, noch mehr abseits der Straßen und womöglich mit längeren Ruhepausen.


Marlene Pohle- ist zur Zeit auch "Commandante" der FECO- (Federation of Cartoonist’s Organisations, Sitz London, Motto: "Make humor, not war!")

Das deutsche Strafgesetzbuch, §166, stellt "Gotteslästerung" unter Geld- oder Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren, wenn "der öffentliche Friede gefährdet ist". Seit langem wird immer wieder, wie jetzt wieder in Bayern- , gänzlich aussichtslos versucht, den wenn-Zusatz zu streichen und damit die Trennung von Kirche und Staat in Deutschland (wie unvollkommen sie auch sein mag s. Präambel zum Grundgesetz) sehr weitgehend einzuschränken.

S.a. Zu Edmund Stoibers Bären-Politik-