JPEG - 105.6 kB

1. Sintflut

Der Mann scheint ärgerlich. Es mag zwar Sommer sein, und man kann bei zwanzig Grad spazieren gehen, während Leute auf der anderen Hemissphäre frieren. Aber mitten auf der Straße zu tauchen, scheint doch ziemlich unbequem.

Der Mann schaut uns fast drohend an, als sei es unsere Schuld, dass er in einer Hauptverkehrsader schwimmen bzw. dieselbe schwimmend überqueren muss.

Und doch: wer hat nicht davon geträumt, dass seine Stadt ein Venedig werde? Sind die Bilder von Paris in der großen Überschwemmung von 1910 nicht wunderschön und geradezu eine Einladung, in die durchsichtigen, silbernen Fluten zu gleiten ... Nur ist das Bild hier natürlich eine Montage.

Die Zeitung Pagina 12 will damit den Zorn der Einwohner von Buenos Aires zum Ausdruck bringen. Nach intensiven Regenfällen stehen ganze Viertel unter wasser.

Das veraltete Netz der Abwasserkanäle verkraftet die Fluten nicht...

JPEG - 144.6 kB

2. Lamento

Ein Finger hat die Stirn berührt, der eigene oder der eines anderen?
Und wem wendet sich der Blick zu? Was drückt er aus?
Angst, Unterwerfung, Frage, Liebe?
Ist es ein Mann, eine Frau?
Und was soll das Zeichen auf der Stirn?
Ein Kreuz, ein Pluszeichen, ein christliches Symbol, das Zeichen einer Sekte?

Eine genierende Geste, auch wenn man die Legende noch nicht gelesen hat: "Bedenke, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst".

Die Fastenzeit hat begonnen, sagt uns die Kleine Zeitung.

Und in diesem Jahr scheinen viele Österreicher/innen sie zu beherzigen.

3. Exodus

JPEG - 345.4 kB

Kein Weinlaub verbirgt ihre Scham. Nackt sind sie im Weinberg, unschuldig wie am ersten Tag der Schöpfung. Die Hände an den hochgestreckten Armen halten umgedrehte Flaschen.

Sie lachen nicht, sie schreien nicht, sie weinen nicht. Sie stehen einfach da, wie ein römischer Kaiser beim Gladiatorenkampf.

Und wen sieht man in der Bildmitte, einen unanständig bekleideten, fast abstoßend in seinen weißen KLeidern, mit seinem starren Lächeln? Auch er hebt die Hand, aber während die anderen der Choreographie folgen, scheint er mit ihr zu geizen, sie aufzuhalten...

Die Gegenüberstellung schockiert, und die Äusserung des neuen Direktors von Greenpeace, Kumi Naidoo, des ersten Afrikaners an der Spitze der Umweltorganisation, klingt provokant: "Ja, in der Frage des Klimawandels ist der Papst unserer Meinung..."

JPEG - 269.8 kB

4. Buch der Lieder

Die eine will nach links, der andere nach rechts.
Es scheint, als wollten sie sich voneinander trennen und können es nicht. Er schiebt sie am Hinterteil, sie versucht, sich mit einer abstoßenden Hand loszumachen. Sie leiden unter ihrem Dasein als siamesische Zwillinge.

Sie hat sich für ein Fest zurechtgemacht, "in Nantes auf der Brücke, da gibt man einen Bal". Nein, Schwester, du gehst mir nicht zum Tanz, sagt er, sich seiner männlichen Macht bewusst und weil er weiss, dass die Brücke brechen wird.

Und da will der Miami Herald International uns weis machen, dass dies Paar sich wunderbar versteht und gerade in Vancouver eine Goldmedaille gewonnen hat, zu den Klängen von "Der unmögliche Traum" (Jacques Brel d.Ü)

Ich glaub, ich träume!