JPEG - 387.4 kB

Die europäischen (konstitutionellen) Monarchien werden regelmässig und in erster Linie in Europa von den Tageszeitungen aufs Korn genommen, ganz zu schweigen von den Schlagzeilen in den Blätter, die den glückbringenden Neuigkeiten aus den letzten grossen Dynastien gewidmet sind, den Hochzeiten, Scheidungen, Todesfällen und Geburten von mehr oder weniger gekrönten Häuptern.

Mit Ironie bedachte dieser Tage die britische Tageszeitung The Guardian (vor beinahe zwei Jahrhunderten in Manchester gegründet und seit fast hundert Jahren entschieden auf Seiten der Arbeiterschaft) die beeindruckende Militärlaufbahn von Prinz Charles, dessen erste Waffentaten (Küstenwache und eventuelle Minensuche) dreissig Jahre zurückliegen. Ohne jede kriegerische Handlung wurde dem Thronerben anlässlich seines 58sten Geburtstags der Rang eines Admirals, eines Generals und gar eines Feldmarschalls zuteil... Es scheint übrigens, dass seit über 250 Jahren kein englischer König mehr seine Truppen in die Schlacht geführt hat... Während des Malwinenkrieges war es Andrew, der jüngere Bruder von Charles, der auf der Queen Elizabeth II mit der Flotte seiner Majestät diesen Archipel verteidigte, den man doch auch "Charles’ Insel" nennt.

Charles verdankt seine gänzlich unvermeidliche Beförderung ohne Zweifel seinen häufigen "Patrouillengängen" an den langen Küsten Schottlands und Irlands. Auf jeden Fall ist die Nachfolge schon gesichert: sein zweiter Sohn Harry trat soeben (dem älteren Bruder folgend)ins Hofkavallerie-Regiment ein. Gewisse Leute haben sogar geäussert, dass man ihn nach Afghanistan schicken könnte, wo seine Einheit an der Aufrechterhaltung des "Friedens" beteiligt ist. .. Die Mail on Sunday hat unverzüglich dementiert: die Kämpfe dort seien viel zu gefährlich.

Auf der anderen Seite des Ärmelkanals kommt die grosse Brüsseler Tageszeitung Le Soir anlässlich des 15. November - Feiertag des Königshauses - auf ein ebenso bevorzugtes wie riskantes Thema der belgischen Bürger zurück: "Werden die Parteien Hand an den König legen?" Verstehen wir uns nicht falsch: es handelt sich nicht um die Monarchie, die ist immer noch der Garant der nationalen Einheit dieser Föderation. Das Blatt widmet zwei gründlich dokumentierte Seiten dem Gerücht, das sich derzeit ausbreite: Belgien könne, wie Schweden eine protokollarische Monarchie werden... Es scheint, dass die vergangenen zwei Jahre für König Albert II keine leichten waren.

Doch alles in allem scheint die Frage nach der Natur der belgischen Monarchie eher rhetorisch als reell. Kaum gestellt hat die Zeitung auch schon die Antwort: tatsächlich wolle wohl keine einzige Partei das Tabu brechen.

Wenn man etwas tiefer nachdenken möchte über die europäischen monarchischen Überreste, und das mit etwas weniger Ironie, bietet sich ein Besuch des Kinofilms "The Queen" an, des englischen Filmemachers Stephen Frears neuestes Werk. Der Streifen widmet sich dem Herumgestotter von Königin Elizabeth beim Tod ihrer Ex-Schwiegertochter Diana. Zum Schluss des Films bekennt eine völlig aufgelöste Königin ihrem Premierminister Tony Blair, dass sie den kollektiven Wahn in der Woche nach dem Tod von Diana Spencer überhaupt nicht verstanden hat. Die Verfasserin dieser Zeilen muss gestehen: ich auch nicht!


Der französische Titel "Point de vue. Images du monde" bezieht sich auf eine Zeitschrift dieses Namens, die ihr Publikum mit Berichten und Bildern aus den "Hohen Häusern" und der mondänen Welt versorgt.

Stephen Frears (geb.1941, Studium in Cambridge) begann seine Karriere bei der BBC. Nach einem ersten Kinofilm, Gumshoe 1972, wurde er in den 80er Jahren zum bekannten Film- und Fernsehregisseur. Er ist verheiratet mit der Malerin Anne Rothenstein, lebt in London und unterrichtet an der Film- und Fernsehhochschule in Beaconsfield. 2003 brachte Channel 4 "The Deal" eine Geschichte um Tony Blair und Gordon Brown, die sich vor den Wahlen 1994 (angeblich) abgesprochen, wer der Premier werde.