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Es ist nicht das erste Mal, dass die Australier uns in Erstaunen versetzen. Im Guten, wie im Bösen. Während Wasser einen Teil des Landes überschwemmt, wird die größte Stadt des Landes, Sidney, weitab von der Wasserkatastrophe von einer Polemik überflutet, die dem viktorianischen England alle Ehre hätte machen können. Ein einziges Foto einer anerkannten Artistin, Trägerin des hochgeschätzten Archibald Prize und übrigens Mutter zweier Kinder, sollte bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung ein paar hundert tausend Dollar zugunsten einer Kinderklinik in Sidney einbringen. Stattdessen entstanden Verluste in Höhe von 200 000 Dollar. Ein schöner Erfolg...

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Die Leitung der Klinik hatte mehrere australische Künstler, Maler, Fotografen, Bildhauer, um ein Kunstwerk gebeten. Der Erlös einer Ausstellung in der Klinik zwecks Spenden sollte dem Haus zugute kommen. Kaum jedoch hatte die Klinikstiftung die ersten Arbeiten in ihren Händen, da hatte einer der Organisatoren, der in mondänen Kreisen Sidneys sich bewegende und sehr medienbewusste Patrick Joyce, schon verstanden, dass gewisse Kunstwerke "nicht dem strengen Reglement der Klinik entsprechen" - allerdings konnten wir diese Regeln nirgends finden.

Die Ablehnung spitzte sich zu, als Del Kathryn Bartons Foto eintraf. Die Werke der Künstlerin hatten bereits zuvor weit über die pazifischen Meere hinaus Wellen geschlagen. Diese Arbeit entsprach entschieden nicht den Ansichten der Organisatoren. Die Ausstellung wurde kurzer Hand ohne Erklärung abgesagt. Australische Zeitungen und Webseiten schreiben nur dass die Klinik das Foto "ungeeignet" gefunden habe.

Was ist auf dem Foto zu sehen? im Vordergrund ein Knabe mit nacktem Oberkörper, herabhängenden Armen. Die Hände berühren sich fast, das Gesicht und die Brust sind von Blasen übersäht. Den Hintergrund bildet ein riesiger Rosenstrauß. Nebenbei gesagt ist das Kind der sechsjährige Sohn der Künstlerin. Die Direktorin der Australischen Gesellschaft für die Visuellen Künste, Tamara Winikoff, kommentiert in aller Nüchternheit das regressive Verhalten der Aussteller: "unser Eifer für den Kinderschutz bringt uns noch dahin, Kinder gar nicht mehr wahrzunehmen".

Im Juni 2008 war die Polizei bei Bill Henson erschienen und hatte seine Kinderporträts wegen angeblicher Obzönität beschlagnahmt.

Man weiß nie, ob es nicht noch schlimmer kommen kann. Umgehend hatte ein anderer Verein angeboten, die Werke zu übernehmen. Nämlich der "Midnight Basketball", der Werkstätten und Wettbewerbe für gefährdete Jugendliche organisiert. Titel der geplanten Ausstellung: "Außerhalb der Ruhezone"...

Hier ein anderes Werk von Del Kathryn Barton, das ich persönlich reizend finde...