JPEG - 64.5 kB

In diesem Blog ging es schon einmal um eine schreckliche Geschichte von zwei jungen Sumoringern, jenen von Jacques Chirac so geschätzten japanischen Halbgöttern. Ältere, "bewährte" Sumotori hatten einen der beiden gar zu Tode "gezüchtigt". Das war im Frühjahr 2008 bekannt geworden und ganz Japan geriet in eine Krise von Verzweiflung und Selbstgeissellung. Man hätte gedacht, dass mit den getroffenen Maßnahmen und dem nationalen mea culpa die Ordnung und die Ehre wiederhergestellt seien. Aber nein! Zwar kam diesmal, jedenfalls bisher, glücklicherweise niemand zu Tode, vielmehr handelt es sich um einen Riesenskandal von Wetten zu Baseballspielen, die eine Minimafia von Sumotori organisiert hat. Die Affaire ist so schwerwiegend, dass die japanische Sumoföderation das große Frühjahrsturnier abgesagt hat, und es ist nicht einmal sicher, dass das womöglich noch größere Sommerturnier stattfinden wird. Eine Untersuchung wurde eingeleitet, betroffen sind 14 Personen, darunter 12 aktive Sumoringer, und abgehörte Telefongespräche und aufgezeichnete SMS versetzen die Funktionäre dieses Kultsports derart in Schrecken, dass sie auf allen Ebenen wie erstarrt den endgültigen Ergebnissen der polizeilichen Ermittlungen entgegensehen. Das Wichtigste scheint derzeit das Abwarten zu sein. Erst einmal alle Turniere stoppen, damit freie Bahn schaffen für Disziplinarmaßnahmen und wenn dann das Fallbeil gefallen ist, sehen wir weiter: entweder wir begehen alle hara-kiri oder wir überstehen den abgrundtiefen Fall.

JPEG - 301.9 kB

Ausgelöst wurde der Skandal von einem verbitterten zweitrangigen Sumotori der nur eins wollte: dem ganzen Sumoplaneten Schaden zufügen... Und der gleichzeitig zweifellos sein Einkommen um ein Geringes aufzurunden gedachte. Der junge Quertreiber heißt Enatsukasa und spielt in der vierten Liga. Und damit, schreibt der Journalist der Asahi Shimbun (Auflage täglich 2 Millionen!), der den Artikel verfasst hat, sei es dem Täter möglich gewesen Sumotori, die in weit höheren Kreisen verkehrten, für seine Geschäfte zu gewinnen. Tatsächlich trug er selbst nur wenige Ringkämpfe aus, diente vorallem weit ruhmreicheren Sumotori als Trainingspartner. In dieser Funktion konnte er überall in den individuellen Trainings- und Vorbereitungsräumen kommen und gehen und mit fast allen Halbgöttern des Rings Kontakte knüpfen, was nur ganz selten möglich ist. Vor Allem aber verdiente Enatsukasa in Yen den Gegenwert von 1200 Dollar für zwei Monate, während Ringer von hohem Niveau im gleichen Zeitraum 12000 einstreichen. Enatsukasa fristete so sein Leben seit 16 Jahren, neidvoll auf die Stars fixiert. Wer könnte ihm vorwerfen, dass er ein bisschen "Butter bei die Fische tun" wollte und wer, dass er dies morbide Kampfritual entweiht hat, in dem sich übermäßig dicke junge Menschen gegenüberstehen, den ein früher Tod gewiss ist? Nicht Strafe und Gefängnis hat der Junge verdient, einen Lorbeerkranz sollte man ihm winden!