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Sind sie nicht niedlich anzusehen, diese Babuschki? - Kurz nachdem er gewählt worden war, hat der neue russische Präsident Medwedjew eine technologische Revolution angekündigt: die Nation Juri Gagarins, des ersten Mannes im All, das ganze Volk im größten Land der Welt, würde Zugang zum Internet haben. Jedermann, von Sibirien bis zur Krim, von Murmansk bis Wolgograd, würde ins numerische und Webzeitalter eintreten. Über schnelle Zugänge würde man, mir nichts dir nichts, Videofilme angucken, Texte lesen und Ton hören können. Das "Medwedjew-Zeitalter der Modernisierung" heißt es. Und davon schreibt auch noch, nach allem was man schon gesehen hat, die Tageszeitung Moskowskaja Prawda.

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Die Schwierigkeit liegt nicht allein in der Weite des Territoriums, in seinen Homerischen Entfernungen, seinen Ecken am Rand der Welt, abseits von aller Modernität: auch die Preise der Telekommunikationsfirmen im ehemals kommunistischen Mutterland werden immer mehr zum Hindernis. Also greift der Präsident, angesichts der hinhaltenden Attitude dieser Gesellschaften, jetzt zum Zwang. "Sie werden ja sehen" hat er ihnen bedeutet und ein paar Dekrete unterzeichnet. Im Sommer 2009 hatte er einen ersten Ukas erlassen, demzufolge bis ins letzte Dorf allen russischen Bürgern ein freier, kostenloser Internetzugang zugesichert wird und damit ein ebensolcher zu numerischen audiovisuellen Medien.

Im vergangenen Februar war dann die Reihe am Informationsminister mit dem Versuch, den Willen des Präsidenten umzusetzen und die staatliche Firma Swiasinwest dazu zu bewegen, das "Sozialweb" zu entwickeln, das Internet für die größtmögliche Nutzerzahl. Aber mit einer Vorgabe: zuerst müssen die Webseiten von Regierung und Verwaltung zugänglich sein. Im wesentlichen also Texte, für die man keinen schnellen Zugang braucht. Das ist alles sehr schön, aber vollkommen nutzlos: das langsame Internet hat in Wirklichkeit nämlich schon das ganze Land.

Russland steht sogar an der Spitze der Internetsurfer. Dort zählt man zur Zeit mehr Internetbenutzer als in Frankreich oder Italien. Wer verstreut in so einem weiten Land lebt, hat die Vorteile der Internetverbindung längst begriffen, und die Regionen haben nicht auf den Staat gewartet, sagt uns die Webseite von France-Russie-Chine-vox.

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Russland nimmt weltweit den neunten Platz ein, gleich hinter Brasilien und England. Das Jahr 2006 war sogar das Jahr mit einer der höchsten Steigerungsraten der Welt (+20%), zusammen mit China (+21%) und Indien (+33%). Es wird vorausgesagt, dass Russland in weniger als zwei Jahren die europäischen Anführer der Liste einholen wird, nämlich Deutschland (42 Millionen) und England (30 Millionen).

Schon weisen die Wolgaregion, der Süden (Kaukasus) und die Zentralregion mehr Internauten auf als die Moskauer und Sankt Petersburger Regionen zusammen (30% Internetnutzer). Der Beweis, dass die Entfernung von der Hauptstadt kein Handikap mehr ist. Und die fernöstliche Region (Wladiwostock) ist die drittstärkste in Sachen Internetnutzung (25%).

Ist das "Sozialweb" also vorallem fürs Schaufenster gedacht?