Seit einigen Wochen hat die deutsche Presse ihr gefundenes Fressen mit einem Skandal um die Geheimdienste. Clearstream jenseits des Rheins, anders gewürzt, weniger geräuschvoll. Zuletzt noch aus der Küche des Spiegel. Gelegentlich mag das Wochenblatt sich nicht entscheiden: Sensationsmache oder investigativer Journalismus? Die Schlagzeile hebt ab auf Artikel 5 der deutschen Verfassung, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit von Kunst und Wissenschaft. Aber es geht gar nicht um offene oder verdeckte Zensur. Die Affäre, die der Bericht eines ehemaligen Richters des Bundesgerichtshofs ans Licht gebracht hat, ist eher ein Fall von Unklarheit der Zuständigkeiten. Alles andere als nie dagewesen. Wenn man den Bock zum Gärtner macht....

Bis 2005 hat der Bundesnachrichtendienst Journalisten von anderen Journalisten aushorchen lassen. Von Schnüfflern, schreibt der Spiegel in seiner letzten Ausgabe. Eine etwas eigenartige Sorte von Geheimagenten. Eine besonders eifrige, betont die täglich in München erscheinende Süddeutsche Zeitung, die in Berlin ebenso wie in Bayern ihre Leser hat. Eine Untersuchungskommission steht in Aussicht. Die Leitung der Dienste (schon angeschlagen vom Vorwurf der Komplizenschaft mit der CIA in Sachen der Phantomflüge mit Terror-verdächtigen Gefangenen) ergehen sich in müden Entschuldigungen. Die deutsche Regierung verbietet feierlich den Spionen, die Journalisten auszuhorchen oder sie für Informationen zu bezahlen.

Aber was sollen die Dienste machen, wenn sie die, die für das Sammeln von Informationen zuständig sind, nicht mehr auspionieren können? Was machen die Journalisten, wenn sie für die, die ihnen oft Auskünfte geben können, kein Wechselgeld mehr haben? Ist die Entrüstung fürs erste überstanden, wird es nicht verboten sein, auf Gemeinsamkeiten der beiden Berufe hinzuweisen. In beiden spitzt man sich auf Neuigkeiten. Für die einen, um die Demokratie, für die anderen um den Staat zu festigen, den eventuellen Garanten eben dieser Demokratie.

Eine Professorin für Kurdisch in einer europäischen Universität beschrieb ihr kleines Dutzend Studenten so: "ich habe zwei "richtige" Studenten, die übrigen sind zur Hälfte Journalisten und zur Hälfte Geheimdienstangestellte." In anderen Zeitläufen schrieb Graham Green "Der stille Amerikaner". Ein reizvoller Roman vor dem Indochina-Hintergrund im kalten Krieg der fünfziger Jahre. Er beschreibt ein Milieu von illusionslosen Journalisten, von ehrenhaften Korrespondenten nicht nur für die Presse...


Graham Green (1904-1991) kam aus einer Lehrersfamilie mit sechs Kindern. Sein jüngerer Bruder Hugh wurde BBC-Generaldirektor. Graham studierte im Baliol College in Oxford, arbeitete als Journalist zunächst in Nottingham, dann bei der Times in London. 1927 heirateten er und Vivien Darell-Browning. Sie war Katholikin geworden und er konvertierte ebenfalls. Sie hatten zwei Kinder. Ab 1929 erschien "Man whithin" (Zwiespalt der Seele) und Green konnte fortan als freier Schriftsteller leben, erst recht nach dem Erfolg von "Stambul train" (Orientexpress) 1932. Das Reisen, die Abwesenheit aus England war ihm untentbehrlich. Kim Philby gewann ihn zur Mitarbeit im MI6. Im zweiten Weltkrieg war Green in Sierra Leone. Ab 1948 lebte er mit Catherine Walstone, später, ab 1966 in Antibes mit Yvonne Cloetta. Fünf Jahre vor seinem Tod zog er mit ihr nach Vevey am Genfer See, wo er auch begraben ist. "A quiet American" (Der stille Amerikaner) enstand 1953-55 und erwies sich im Hinblick auf spätere amerikanische Ambitionen in Vietnam als weitsichtig. Green zeigte Sympathie für Fidel Castro.