GIF - 358.6 kB

Ist das die ewige Wiederkehr? Die Ereignisse in Russland und in Deutschland in dieser Woche bezeugen leider, dass die Drachenbrut wieder da ist. Drei Tageszeitungen schlagen Alarm: Wremja in Moskau, Die Tageszeitung in Berlin und der Kurier in Wien. In Bayern wurde der Polizeichef von Passau Opfer eines Mordversuchs mit einem Messer. Der Mörder mit rasiertem Schädel schrie, als er weglief: "Grüße vom nationalen Widerstand, linkes Bullenschwein!" Alois Mannichl ist bekannt für sein Vorgehen gegen die extreme Rechte, eine seit dem Fall der Mauer an Virulenz gewinnende Strömung jenseits des Rheins. Im Osten des Landes hat sie Vertreter in zwei Länderparlamenten und sie rekrutiert zunehmend Anhänger im Westen, aber auch in Österreich, und sie ist stark im Internet vertreten.

GIF - 349.9 kB

Nach dem schwerwiegenden Attentat, dreht sich die politische Debatte um ein Verbot der NPD, der nationaldemokratischen Partei Deutschlands, eines offen rassistischen Vereins, der sich antisemitisch gibt und den Völkermord leugnet. Seine Anhänger oder Mitstreiter waren in mörderische Brandanschläge auf Immigrantenwohnheime verwickelt, und sie sind besonders zahlreich in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit. In Österreich, dem Nachbarland Bayerns, von wo die Mörder vermutlich kamen, hat man noch mehr Grund zur Beunruhigung. Hier ist die Wiederkehr der extremen Rechten bereits ein festes politisches Faktum. Aber der Kurier geht noch weiter und fragt nach der Entwicklung in ganz Europa: weckt die galoppierende Krise das Gespenst?

GIF - 137.5 kB

In Russland haben sich die fremdenfeinlichen Angriffe in den letzten Jahren vervielfacht. Meistens sind kaukasische und asiatische Bürger der EX-Sowjetunion die Opfer. Das Menschenrechtsbüro, eine verdienstvolle Moskauer NGO, bestätigt, dass in den letzten drei Jahren 300 Menschen umgebracht und 1300 weitere durch wutentbrannte Anhänger diverser Zweige des russischen Nationalismus verletzt wurden. Die jungen Skinheads kommen keineswegs aus von der Perestroika und der wirtschaftlichen Erneuerung vernachlässigten Ecken. Oft sind es Kinder aus Familien der Nomenklatura, denen es schon in Zeiten der Sowjetunion nicht schlecht ging. Die Wremja glaubte aus zweifachem aktuellen Anlass, ihre Titelseite dem Thema widmen zu sollen: da ist zum einen eine neue Mordtat an tadschikischen Obst- und Gemüsehändlern (Enthauptung inbegriffen) in der Moskauer Umgebung, zu der sich Ultranationalisten bekennen; zum andern standen sieben junge Leute vor Gericht, die des rassistischen Mordes in 20 Fällen beschuldigt wurden, und die gerade zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Die Zeitung schließt daraus und zeigt sich in gewisser Weise erfreut, dass die Behörden endlich das Ausmaß der braunen Bedrohung zu begreifen scheinen.

Wremja zufolge, auch wenn die Sache noch etwas myteriös bleibt, wurde eine Spezialeinheit der Miliz geschaffen, die solche Strömungen, die sich auch dort über das Internet verbreiten, bekämpfen soll.

GIF - 92.1 kB

Aus Moskau kommt in dieser Woche ein um einiges weniger aufgeregtes Echo auf die Krise: "Vielleicht hilft sie uns, besser zu leben und aufzubauen" heißt es. Die Iswestja kündigt eine 180 Grad Kehrtwende in der Moskauer Stadtplanung an. Adieu den höchsten Wolkenkratzern Europas, willkommen Grünflächen! Rezession verpflichtet: die Abgeordneten haben das Budget für die Errichtung von Wolkenkratzern im Stadtzentrum von 7 auf 2 Milliarden Rubel reduziert (von 200 auf 55 Millionen Euro). Das an allererster Stelle betroffene Projekt ist der Riesenkrater unter offenem Himmel, unterhalb des Kreml, da wo das Hotel Rossia abgebrochen wurde. Anstelle des vorgesehenen pharaonischen Hotel- und Kaufhauskomplexes wird nun ein Parkentstehen: Bäume und Rasen, Luft zum Atmen - schreibt die Zeitung amüsiert. Aber die Autoren bemerken auch, dass, wenn jener Tempel des sowjetischen Turismus noch stünde, die Devisen heute nur so strömen würden. Oh Heimweh, wenn Du über uns kommst...