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Also, die Geschichte wiederholt sich... Genau wie im Januar vorigen Jahres droht die heilige Tortilla wieder einen Sturm in der Bevölkerung Mexikos auszulösen. Lorenzo Meija Morales, der mächtige Präsident der Union der Mühlen und Tortillerias (Tortillafabriken) kündigt an, dass das Kilo des unserem Brot entsprechenden Nahrungsmittels bis zu 15 Pesos, also ungefähr einen Euro, kosten wird. Obwohl sich der Preis seit einem Jahr bereits um 25 % erhöht hat. Klar, dass diese Neuigkeit auf allen Titelseiten der mexikanischen Presse erscheint, denn über die Tortilla, die es schon zu Zeiten der Azteken gab, definieren die Mexikaner nicht nur ihre Identität, sie ist vorallem auch das Grundnahrungsmittel der 107 Millionen Bewohner des Landes.

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Zur Herstellung der Tortilla wird Mais gemahlen, mit Wasser versetzt, der Teig dann geformt und gebacken. Der erneute, sehr beträchtliche Preisanstieg ist auf die unsägliche Verteuerung des Öls zurückzuführen. Sonstwo ist der Anstieg auf über 100 Dollar pro Fass fast unbemerkt passiert, so sehr hat man sich an den Lauf der Dinge gewöhnt. So unwahrscheinlich das für ein Land mit täglich 70 Millionen Menschen, die Tortillas verzehren, klingen mag: 75% des Bedarfs an - übrigens durchaus genmanipuliertem - Mais werden aus den Vereinigten Staaten und Kanada importiert. Da schlägt der Rohölpreis unmittelbar durch.

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Dabei produzieren die mexikanischen Bauern weißen Mais von entschieden besserer Qualität als der übermächtige Nachbar liefert. Aber an den eingespielten Verhältnissen lässt sich so leicht nichts ändern. Das Freihandelsabkommen zwischen den drei nordamerikanischen Staaten ist nicht für jeden gleich vorteilhaft. Weit gefehlt. In den Vereinigten Staaten ist der Preis für Mais mit der wachsenden Nachfrage für die Äthanolproduktion gestiegen, für den Biokraftstoff (der wegen des unverhältnismäßigen Energieverbrauchs bei der Herstellung gar nicht so "bio" ist...). Gegenwärtig fürchtet mancher, dass es wieder zu einem ähnlichen Aufstand wie dem der Zapatisten von 1994 kommt.

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Eine ganz andere Angelegenheit: in einem Gespräch unter Freunden am Sylvesterabend ging es um Pakistan und den Mord an Frau Bhutto. Jemand erkundigte sich nach einer anderen Frau aus einer Dynastie (allerdings einer nur angeheirateten) des großen Nachbarn Indien. Es stellte sich heraus, dass Sonia Gandhi, den um die handelte es sich - die Überlebende einer ebenfalls langen Reihe von Morden und mit ihrer politischen Tätigkeit Garantin einer Kontinuität - den Jahreswechsel im Krankenhaus erleben musste, weil die verheerende Lufverschmutzung in Neu-Dheli ihr einen schweren Asthmaanfall eingetragen hatte. Einen Tag lang verdrängte in Indien diese Neuigkeit fast die Ereignisse in Pakistan.

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Doch das Nebeneinander der beiden Meldungen auf den Titelseiten, die Einlieferung in die Klinik von Sonia Ghandi und die Folgen des Todes von Benazir Bhutto: der 19jährige Sohn, der an die Spitze ihrer Partei gestellt wird erscheint wie ein Symbol für Politik in diesem Teil der Welt: für jene merkwürdige Praxis auf dem Subkontinent: in Indien (die Ghandis), in Pakistan (die Bhutto), in Sri Lanka (die Bandaranaike) und in Bangladesh (die Rahman oder Jia) regieren politische Dynastien, deren Mitglieder im Rythmus der Morde jeweils die Nachfolge antreten.