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Eine der führenden Tageszeitung Südkoreas, die sehr serieuse und moderate JoongAng Ilbo brachte auf ihrer Titelseite diese Woche den Bericht über einen Streit um Symbole, von der Art, wie er in den Demokratien die Wogen hoch gehen läßt. Die koreanische Nationalbank gab nach fünfmonatiger Diskussion ihre Entscheidung zu den neuen 50 000 und 100 000 Won-Scheinen (etwa 38 bzw. 75 Euro) bekannt, die ab 2009 in Umlauf kommen. Die Koreaner wurden zwar gefragt, dank Internet konnten sie ein paar Symbolfiguren des Landes auswählen, aber die endgültige Entscheidung traf die Bank. Die 50 000 Won - Scheine schmückt das Bild von Kim Koo, die 100 000 Won-Scheine dasjenige von Shin Saimdang.

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Gegen ersteren gab es keine Vorbehalte - er gehörte sogar zu den vier führenden Kandidaten der Volksabstimmung der Koreaner. Kim Koo war ein Unabhängigkeitskämpfer zu Beginn des 20ten Jahrhunderts, als Korea ein japanische Kolonie war. Nationalisten sind, scheint’s, auf Geldscheinen immer willkommen... Aber bei Shin Saimdang sträubten sich die Haare, vor allem der Feministen. Dabei hatte die Zentralbank durchaus die Absicht, mit der Wahl einer Frau auf einem großen Geldschein ein Zeichen für die Gleichberechtigung zu setzen (schon 1962 gab es eine Frau mit Kind - Symbol der Mütterlichkeit - auf 100 Wonscheinen, die jedoch schon einen Monat nach Ausgabe wieder eingezogen und eingestampft wurden). Die Wirkung war die gegenteilige, sosehr ist Shin Saimdang umstritten.

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Sie war eine begabte Malerin und Kalligrafin im 16ten Jahrhundert, zu Zeiten der Joseondynastie (auch Choson- oder Choseondynastie), die ab 1392 mehr als sechs Jahrhundert den Thron innehatte. Die Feministen wenden ein, dass sie vorallem als Gemahlin und treusorgende Mutter in die Geschichte eingegangen ist. Gattin eines hohen Beamten und Mutter eines Professors, Schriftstellers und Konfuzianers, dessen Konterfei schon die gegenwärtigen 5000 Wonscheine ziert - das Bild dieser Konfuzianerin ist, der Koreanischen Frauenunion zufolge, als Vorbild in unseren Zeiten ein Anachronismus. Was zählt, ist nicht das Geschlecht, sondern die Qualitäten der Persänlichkeit auf dem Geldschein.

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Die Zeitung meint, dass anderswo Frauen auf nationalen Geldscheinen figurieren, ohne dass es zu solchen Auseinandersetzungen kam: zum Beispiel in Japan, wo das Bildnis von Higuchi Ichiyo, der ersten Schriftstellerin des Landes, auf den 5000 Yenscheinen erscheint, und in Deutschland, wo die Pianistin und Komponistin Clara Schumann die 100 Markscheine schmückte. Aber wie lange liegt das nun schon hinter uns, ist ganz und gar Vergangenheit, beinahe Altertum, seit wir den Euro haben, seit man, um niemanden zu verärgern, sich für Brücken, Torbögen, Eingänge, Fenster entschieden hat - für Dinge, die die Geschlechterfrage garantiert nicht tangieren.