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In dieser Nachweihnachtszeit betet die Tageszeitung Pagina12 eine Art Litanei herunter, eine besondere Art von Gebet in diesem, sehr katholischen Argentinien. Das Blatt ist bekannt für seine Stellungnahmen in sozialen Dingen und setzt sich diesmal für die Kleinbauern ein, die gewaltsam von Ländereien vertrieben werden, die sie oder ihre Familien über Jahrzehnte hin bewirtschaftet haben. Das geschieht auf Geheiß von Mulitmillionären der Agro- und Nahrungsmittelindustrie, die unter totaler Missachtung der Gesetze und des Schutzes der Artenvielfalt den Anbau von Soja ausdehnen wollen.

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Tatsächlich gibt es in Argentinien ein Gesetz, das diejenigen schützt, die seit mehreren Jahrzehnten das Land bewirtschaften auf dem sie leben. Aber die für die Einhaltung dieses Gesetzes zuständige Behörde wendet sich verschämt ab wo Ordnungskräfte im Verein mit Gouverneuren, lokalen Potentaten und deren Großgrundbesitzer-Freunden den Vorschriften zuwider handeln.

Pagina 12 ist entschlossen, das Schweigen zu brechen, kaschiertes Unrecht offen zu legen und eine Folge von Namen und Geschichten liest sich wie eine Litanei. Hier eine Auswahl:

Im Departement Rivadavia, in der Provinz Salta will Gianfranco Macri, ein Bruder des Regierungschefs von Buenos Aires (das hilft) mehrere Familien vertreiben und beschuldigt sie, "sein" Land zu besetzen. Die Garica und die Cardozo versuchen sich vor Gericht gegen diesen arroganten Herrn zu wehren, der behauptet, er habe mit den 15 000 Hektar, die er gekauft, auch die weniger als hundert Hektar der Kleinbauern erworben.

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Anderswo sind es die autochtonen Wichi in der Provinz Formosa, die seit vier Jahren darauf warten, dass ihr Recht auf das Land, das sie seit Jahrhunderten bewohnen und bewirtschaften, auf Grund eines Gesetzes vom Frühjahr 2006 endlich anerkannt wird. Bis dahin leben sie in Slams an den Rändern ihrer ehemaligen Wirtschaftsflächen... Bisher habe keiner von ihnen sich vor Gericht durchsetzen können, erklärt mit düsterer Miene Benigno Lopez, Sprecher von Mocafor, ihrer Bürgerbewegung.

Ramon Bustamonte wohnt im Norden von Cordoba, im Weiler Maravilloso (Herrlich), den man, meint der 83 jährige alte Mann, in Burg der Hoffnungslosikeit umbenennen sollte. Vor über 10 Jahren haben ihn die Brüder Scaramua vom seinem angestammten Land vertrieben. Sie hätten mit List und Tücke die Unterschriften seiner Schwestern zum Verkauf ihrer Anteile erschwindelt.

Noch einmal woanders werden Jose Luis Godoy und seine Schwester Alcira wegen ihres Besitzes von 26 Hektar in der Nähe von Cordoba von einer Gesellschaft verklagt, die bereits über 150 000 Hektar verfügt. "2003 haben wir einen Prozess wegen Landdiebstahls verloren. Wir haben im Februar 2009 Berufung eingelegt. Jetzt sieht es so aus, als würden wir ins Gefängnis gehen..." sagt Jose Luis lakonisch. Er kann sich einfach nicht gegen den skrupellosen Industriellen Gomez Ling durchsezen, der plötzlich in der Gegend auftauchte und behauptete, er sei der Besitzer des ganzen Landes.

Usw., usw... Euch allen schöne Feiertage im Namen der Betrüger in Argentinien und anderwo...!