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Im Prinzip vergeht immer eine Woche zwischen den Fortsetzungen meiner Chronik. Im Prinzip auch - und das war eigentlich eine mir unumstösslich erscheinende Bedingung - vermeide ich Themen, von denen alle Welt spricht. Aber die weltweite Übereinstimmung der Bilder, die mit dem Urteil im ersten Prozess gegen Saddam Hussein erschienen, kann einfach nicht ohne Reaktion bleiben. Warum einunddasselbe Foto zur Illustration der Gerichtsenscheidung "Tod durch den Strang"?

Man sieht einen mehr denn je dezidierten Saddam, der mit dem Finger zum Himmel zeigt, irgendetwas ausruft, aber niemand sagt uns was, noch nicht einmal, ob die Aufnahme entstanden ist, als die Richter das Urteil verkünden. Handelt es sich vielleicht um ein Archivbild?

Von Zeitung zu Zeitung, von Kontinent zu Kontinent die gleiche Aufnahme, höchstens ein etwas anderer Ausschnitt oder ein etwas anderer Blickwinkel. Allerdings zwei Kleinigkeiten, die von Bedeutung sein könnten: je nach Winkel beschreibt der Angeklagte in seiner Haltung nahezu
ein Kreuz und zweitens verschwindet von einem Bild zum anderen ein Arm, eine Hand, die den Gestus des Zeigefinger hebenden Rächers oder Anklägers verhindern oder abschwächen zu wollen scheinen.

Was will uns das Bild sagen? Dass der gestürzte Diktator nur den Moment abwartet, seine Herrschaft wieder anzutreten? Dass die Todesstrafe für den, der sich nicht in sein Schicksal fügt, umso mehr gerechtfertigt ist?

Und warum haben die Layouter der ganzen Welt eben dies Portrait gewählt, dass beinahe zu schön ist, um wahr zu sein? Die Ausnahmen sind rar: die Süddeutsche Zeitung und die portugiesische Publico zeigen Menschen im Moment der Urteilsverkündung vor dem Fernsehern in einem Bagdader Cafe, bzw. bei Tisch und eine andere portugiesische Tageszeitung symbolisiert die Geschichte mit einem Strang...