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"Es ist etwas faul im im Königreich ... Japan." Dieser persiflierte Hamlet-Spruch drängt sich auf, wenn man die japanischen Tageszeitungen zu den neuesten Entwicklungen in einer Regierung liest, die in den letzten Wochen besonders schlecht funktionierte. Der Minister für die Verwaltungsreform wurde wegen Fehlfinanzierungen entlassen. Der Landwirtschaftsminister hatte im Mai Selbstmord begangen, wegen Unterschlagungen. Jetzt ist die Reihe seinen Hut zu nehmen am Verteidigungsminister. Fumio Kyuma war in Japan der erste Minister auf diesem Posten mit Amtsantritt der Regierung Shinzo Abe (Liberaldemokratische Partei, grosso modo rechtes Zentrum) zu Anfang des Jahres.

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Bis dato koordinierte in dem von den Gespenstern des Zweiten Weltkriegs heimgesuchten Land der aufgehenden Sonne ein "Amt für Verteidigung" die militärischen Überlegungen. Premierminister Shinzo Abe, der einer langen Geschlechterfolge japanischer Politiker angehört, von denen der ein oder andere an den Schrecken des letzten Krieges beteiligt war, fand es an der Zeit, auch institutionell einen Schlußstrich zu ziehen. Das Amt wurde zum Ministerium und er mockierte sich über die im Einsatz befindlichen Soldaten Nippons, sprach gar von "Bequemlichkeit chinesischer Frauen".

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Der erste Verteidigungsminister musste gehen, weil er gegen die Tabus des Zweiten Weltkriegs verstieß. Fumio Kyuma hatte schon bevor er sein Amt antrat von sich reden gemacht. Insbesondere hatte er die Entsendung amerikanischer Truppen in den Irak kritisert. Jetzt ist die gegen den Strom schwimmende Persönlichkeit rückfällig geworden und hat sich an dem japanischen Tabu aller Tabus, den Atombomben auf Nagasaki und Hiroshima verbrannt. "Ich bin seither zu dem Schluss gekommen, dass es keine andere Möglichkeit gab, diesen Krieg zu beenden, trotz der unberechenbaren Zahl der Opfer." Teufel auch! Das ist stark für den Anfang eines Ministers. Es stehen für die herrschende Koalition entscheidende Wahlen zum Senat an (am Ende des Monats) und bevor die Opposition ihren Vorteil wahrnehmen würde, mußte gehandelt werden. Manche Japaner fanden, dass die Bemerkung Fumio Kyumas schlimmer war als die des Gesundheitsministers, der gesagt hatte "Frauen sind Gebärmaschinen". Wie sagte (angeblich) mal jemand und streckte uns die Zunge raus: "Alles ist relativ".

Eine Frau, also eine Gebärmaschine im Jargon japanischer Politik, wird Amtsnachfolgerin des scheidenden Ministers. Yuriko Koike ist kein Neuling. Sie war Sonderberaterin des Premierministers in Verteidigungsfragen. Als erstes hat sie jeden Kommentar zu den Aussprüchen ihres Vorgängers abgelehnt. Eine weise Entscheidung!

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Weiter westlich verändern die Helden des Zweiten Weltkries auch weiterhin in diplomatischen Scharmützeln ihren Standort. Nach dem jungen sowjetischen Bronzesoldaten, der aus dem Zentrum der estnischen Hauptstadt an die Peripherie versetzt wurde, ist die Reihe an den Überresten einer sehr jungen Frau, einer Sanitäterin, die an gleicher Stelle begraben wurde wie der schöne Krieger. Lenotschka Warschawskaja wurde aus Tallin abtransportiert nach ... Jerusalem. Die Moskauer Iswestja berichtet von dieser Geschichte und gibt einen Brief der jungen Frau an ihre Familie wieder. Da schreibt sie am Anfang: "ich bin klein, deshalb trifft mich keine Kugel."