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Den Aufmacher der größten portugiesischen Tageszeitung Público konnte ich nicht auslassen, den Spaß lasse ich mir nicht entgehen: da ist der Köder einmal nicht die Frau, sondern der Mann. Man kann sich nicht genug wundern, und am Ende liest man gar den Text, den das Foto illustriert, und man fragt sich, wieso man da nicht schon früher drauf gekommen ist: Ein Gen liefert den Grund für männliche Untreue. Die ubiquitäre Genetik in all ihren Schattierungen ist wirklich wunderbar. Ein schwedisches Forscherteam des Karolinska Institutet (Europas größte medizinische Universität...) versucht dem sprunghaften Verhalten eines Teils des männlichen Geschlechts auf die Spur zu kommen. Rund vier Jahre, nachdem ein nicht weniger wissenschaftliches englisches Team verkündete, das Gen weiblicher Flatterhaftigkeit sei gefunden. Man macht sich seine Gedanken zur Motivation sowohl der Schweden wie der Engländer: arbeiten sie vielleicht für Anwaltskanzleien, die auf Scheidungsrecht spezialisiert sind? Man könnte meinen, das Plädoyer zu hören: Herr Richter, mein Mandant konnte nicht anders, sein Gen hat ihn übermannt... Oder handelt es sich bei den Forschern um Freigeister, die gegen herkömmliche jüdisch-christliche Moralvorsellungen kämpfen? Leider macht der Artikel keine Angaben zu den Personen.

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Dagegen lässt er sich ausführlich über die experimentellen Daten aus: bevor man sich den Menschen widmete, wurden ausführliche Untersuchugnen an Feldmäusen durchgeführt, (die meine Katzen ganz besonders schätzen). Der kleine Racker, der sich vom Stroh und von den Ähren auf den Feldern nährt, ist exemplarisch treu. Er bleibt lebenslang (das heißt nicht mehr als 16 Monate, die schließlich noch auszuhalten sind) bei seiner Partnerin. Sein Vetter, der Präriemäuserich dagegen, der von grünen Gräsern lebt, hüpft mit Vergnügen und ganz spontan von einer Mäusedame zur anderen. Dieser lustige Vogel ist eine Plage in Nordamerika (endlich hat Bill Clinton für Monika Lewinsky und ähnliche Betätigungsfelder seine Entschuldigung), Europa dagegen, wird von dem entsetzlichen Moralapostel bevölkert.

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Das dergestalt bei den Nagern isolierte Gen wurde nun auch bei Menschen gesucht. Tausend schwedische Paare leisteten ihren Beitrag: abgesehen von der Genetik hat man sie auch befragt, wie es bei ihnen zugeht (man weiß ja, mit welchem Wahrheitsbewußtsein solche Fragebögen ausgefüllt werden!). 60% der einen genetischen Variante würden sich gerne anderswo umsehen, lassen es jedoch, wenn sie mit ihrer Partnerin glücklich sind, das betonen sie ausdrücklich, nicht zur Tat kommen. Diese Schlussfolgerung würde nun wirklich eine Exklusivmeldung in Público und in der Washington Post verdienen...

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Auch die russische Iswestja hatte in dieser Woche ihre Schlagzeile: Indien und China seien dabei, haufenweise Landwirtschaftsflächen und selbst Flüsse zu kaufen. Das erfahren wir von Alexej Aronow und Pawel Arabow. Die beiden Länder-Kontinente mit ihren Milliarden zu ernährender Menschen wollten in der ganzen Welt jungfräuliches Land (es scheint, dass es das noch gibt) oder nicht voll genutztes Acker- und Weideland bewirtschaften. Sie hätten sich zunächst in Lateinamerika, Australien und Afrika umgesehen, aber schließlich ihr Auge auf Russland geworfen, für sie eine Art zu erobernder wilder Osten oder wilder Westen (je nach Blickrichtung). Siberien hat Millionen Hektar ungenutztes Land, umso vielversprechender, als Klimatologen vorhersagen, dass diese Ödländer in Bälde fruchtbar sein werden, dank des globalen Klimawandels... Das wäre ja mal eine positive Aussicht auf das kommende Chaos.

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Aber die Russen lehnen sich dagegen auf: ihre in letzter Zeit ein wenig abwegige nationalistische Ader bringt sie dazu, gegen den in Aussicht genommenen Verkauf der Ländereien zu rebellieren. Um so mehr, als ein Gesetz von 2002 die Abgabe von landwirtschaftlichen Nutzflächen an Ausländer untersagt: es erlaubt nur die langfristige Bewirtschaftung durch Nichtrussen. Doch hätten die ebenfalls anstehenden Norweger bereits 300 000 Hektar an der Westflanke des Lands bekommen. Der Direktor des russischen Instituts für landwirtschaftliche Konjunkturforschung schätzt, dass schon 1% des Landes, den fernen Osten nicht gerechnet, dem großen Vaterland nicht mehr gehört. Wie sang doch Léo Ferré: "Tout fout le camp..." (Alles geht den Bach runter...)