Es ist mittlerweile zur Gewohnheit geworden: Frauen füllen auf der ganzen Welt die Titelseiten, und nicht nur Frauen wie Angela, Ségolène oder Condoleeza. Die vergangene Woche hat das wieder einmal gezeigt.

Die indischen Tageszeiten, vorallem - aber nicht nur - die englischsprachigen haben ein freudiges Lächeln auf die Titelseiten gesetzt: das Lächeln von Kiran Desai, einer jungen Schriftstellerin (geb. 1971), die soeben einen der kostbarsten Preise der Welt, den Booker Prize gewonnen hat. Sie ist die jüngste Frau, die je mit dieser Auszeichnung bedacht wurde und die zweite Inderin nach Arundhati Roy (1997: "Der Gott der kleinen Dinge"). Ihr Buch "The Inheritance of Loss" (Die Erbschaft des Verlustes, deutscher Titel:"Erbin des verlorenen Landes") brachte den Telegraph (Kalkutta) auf ein Wortspiel: "The Inheritance of Lost Booker" (Die Erbschaft des verlorenen Booker). Kiran ist nämlich die Tochter von Anita Desai, einer anderen grossen indischen Schriftstellerin, die dreimal für den berühmten Preis vorgeschlagen und leider dreimal abgelehnt wurde.

Letzten Februar hatte die New York Times den Roman begrüsst als "ausserordentlich in seiner Erörterung aller Fragen unserer Welt: Globalisation, Multikulturelles Leben, Ungleichheit, Fundamentalismus, Terrorismus. Ihm schiene (meinte der Kritiker Viktor Koen) die Erzählung sogar die beste seit dem 11. September". Die Autorin ihrerseits gesteht - als gewissermassen selbst ein Produkt der Globalisierung - "Ich habe einen indischen Pass, ich lebe in den Vereinigten Staaten, aber das Klima, das da zurzeit herrscht, macht, dass ich mich immer mehr als Inderin fühle." Einer der Juroren des Booker Preises kommentierte: "der Roman von Desai spiegelt die multikulturellen Resonanzen des neuen Jahrtausends, das ist ein Weltbürgerroman für
eine globalisierte Welt."

Wird die nach der Kaiserin Sissi berühmteste Österreicherin eines Tages auch zu den gekrönten Häuptern zählen? Für ihre Schriften? In einem neuen Interview, das sie den "ernstzunehmenden" Zeitungen Die Presse und Der Standard gewährte, vertraut uns Natascha Kampusch an, dass sie "keine schnüffelnden Journalisten mehr sehen und Journalistin oder Romanciere werden will." Sie gestand auch, dass sie sich noch immer nicht frei fühle: "Frei bin ich noch immer nicht, ganz im Gegenteil: ich habe vielerlei Verantwortung (...) Nichts zu tun zu haben, ist mir eine schreckliche Vorstellung." Man mag in den Äusserungen kleine Widersprüche konstatieren, aber seien wir nicht kleinlich, nach acht Jahren Gefangenschaft ist wohlwollende Rücksichtnahme am Platz, auch gegenüber einer zukünftigen Preisträgerin des Wiener Booker Preises.

Die Sängerin Madonna erfährt in diesen Tagen mehr Behinderung als Belohnung. Ihr neuester Coup: in ihrem Privatjet - "gesagt - getan" - hat sie David Banda mitgenommen, ein Baby von 18 Monaten, das in Malawi geboren wurde und seine Mutter verloren hat. Der Star setzt sich über alle Formalitäten hinweg (wie Johnny Halliday mit der kleinen Jade aus Vietnam?), und behauptet einfach, das Kind adoptiert zu haben. Bei den Menschenrechtsorganisationen vor Ort ist die absolutistische Anmassung dieser "Prinzessin", "einer der reichsten Personen der westlichen Welt", natürlich nicht auf Wohlwollen gestossen. Der Independent, die britische Tageszeitung, fragt, ob da wieder ein Auswuchs der "Macht des Geldes" vorliegt, oder ein seltener Glücksfall für eins dieser Million Waisenkinder in dem Land, in dem die weltweit angebetete Ikone den Kampf gegen Aids finanziert. Ein Thema zum Nachdenken...

Wenn Madonna in Russland leben würde, stünden ihr ab Januar, weil sie schon zwei Kinder hat, 9000 Dollar zu, was für sie wohl nur ein paar weitere Kleingeldmünzen wären... Russland versucht mit allen Mitteln der fallenden Geburtenrate Herr zu werden. Daher dieser Bonus für Mütter eines zweiten Kindes. Aber aufgepasst: die 250 000 Rubel sind an Bedingungen gebunden: sie werden erst nach drei Jahren ausgezahlt (die Ämter wollen zweifellos sicher gehen, dass die Frauen nicht nach Zahlung der Summe ihr Baby ersticken, was nach drei Jahren gewiss grössere Schwierigkeiten macht, als nach drei Monaten) und die Summe ist ausschliesslich bestimmt für "Wohnung, Erziehung oder Altersversorgung (sic)". Russland hat heute 6 Millionen Einwohner weniger als 1993.

Für die junge Frau auf der Titelseite des Journal de Montréal am Mittwoch, den 11. Oktober wäre es zweifellos ziemlich schwer, Mutter zu sein. Mit ihren 18 Jahren wog sie ganze 54 Pfund, das sind kaum 25 Kilo. Sie träumte davon, auszusehen wie das berühmte Mannequin Kate Moss, das seine Schlankheit durch Drogenmissbrauch erreicht hat. Sie starb an ihrem Traum. Diese Meldung unter "Verschiedenes" gibt Wasser auf die Mühlen der spanischen Gesetzgeber, die, um die Magersucht unter modesüchtigen Jugendlichen einzudämmen, allzu magere Mannequins aus den Modenschauen verbannt haben. In England dagegen, defilieren nach wie vor die jungen Skelette, trotz Intervention der Kulturministerin, Frau Jowell.


Kiran Desai auf die Frage eines Journalisten anlässlich ihres ersten Romans("Hullabaloo in the Guava Orchard", 1998):
"Es fing wirklich an mit dem Funken einer Idee: Ich hatte in der Times of India eine Geschichte gelesen und von vielen Leuten von der Figur gehört: ein Mann, ein in Indien berühmter Einsiedler, der tatsächlich auf einen Baum gestiegen war und viele, viele Jahre in dem Baum lebte, bis er starb. Er starb, glaube ich, im letzten Jahr. Das bewegte mich. Was ging in jemandem vor, der so etwas extremes tat wie sein Leben in einem Baum zu verbringen? Damit fing es an..."

Anita Desai (geb. 1937 in Neu Delhi, Mutter Deutsche, Vater Inder) begann ihre Laufbahn als Schriftstellerin mit "Voices in the City" 1965. Unter ihren zahlreichen Publikationen das "Jugendbuch": "The Village By the Sea" 1982 (deutsch: Das Dorf am Meer, Hamburg, 1987, Übersetzung Dorothee Asendorf)