JPEG - 46.3 kB

In der Schweiz geschehen dieser Tage schreckliche Dinge. Die (sozialistische) Bundespräsidentin hat einen Apell an ihre Mitbürger gerichtet: "Es geht um unsere Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Zahlreich da oben zu erscheinen ist die beste Art und Weise, sich zu diesen Werten zu bekennen. Kommt zahlreich mit mir zum Rütli!"

Der Rütli ist eine Gegend, wie man sie sich nicht bukolischer und friedlicher vorstellen kann, eine sanft zum Vierwaldstätter See hin abfallende Wiese.

JPEG - 20.5 kB

Dort war der Schauplatz eines der Gründungsmythen des Bundes, wie der des Wilhelm Tell von Winkelried, dem Helden der Schlacht bei Sempach: die Vertreter der drei Täler (grosso modo die graubündener, die deutschen und die tessiner gemeinden) schworen, dass sie dem österreichischen Eroberer Widerstand leisten würden. Heute ist der 1. August der einzige gemeinsame Feiertag in allen schweizer Kantonen, der auf ein politisches Ereignis Bezug nimmt (allen gemeinsam sind sonst nur noch Himmelfahrt und der Neujahrstag). Und inzwischen ist er quasi alljährlich zum Gegenstand einer Polemik geworden.

JPEG - 10.6 kB

Man kann fast sicher sein, dass die schweizer Presse sich mit diesem neuen Feuilleton bis zum August beschäftigen wird. Schon jagen sich die Schlagzeilen in immer schnellerem Rythmus: "Micheline Calmy-Rey wehrt sich dagegen, dass ihr der Rütli am 1. August genommen wird." Berichtet uns Le Temps. "Den Rütli, nichts als den Rütli, den ganzen Rütli" will die Tribune de Genève. "Die Armee muss das Rütlifest retten" fordert Le Matin. Während die Sonntagszeitung sich damit begnügt, den Apell der Präsidentin zu verbreiten.

JPEG - 64.1 kB

Was ist dieses Jahr geschehen, dass die Ankündigung des Festes zum Streit gerät? Die Präsidentin wollte die diesjährige "Auflage" den Frauen widmen. Daraufhin haben schweizer Neonazis angekündigt, dass sie eine derartige Verunglimpfung der nationalen Legende verhindern würden in dem sie den Platz vorher besetzen würden (sie hatten bereits 2000 und 2500 für Unruhe gesorgt).

Und, schau an, die politische Klasse, die Linke an der Spitze, "bildet einen Schutzwall
patriotischer Anhänglichkeit gegen die kleinmütigen Gründerkantone", schreibt Jacques Roth, der Editorialist der Tribune.

Die populistische Rechte macht sich lustig über das allgemeine Tohuwabohu im "Tauziehen um eine Wiese mit lauter Kuhfladen". Ein richtiges Volksschauspiel, bekräftigt der Chefredakteur der Tribune: "Die kleine Geschichte um dies Stück mythische Wiese symbolisiert herrlich den Patriotismus in seinen Facetten. Er wird stärker, wo man gegen etwas ist und gefährlich, wenn er in die Kotzbrühe der extremen Rechten eintunkt. Und vorallem hat er seine Grenzen da, wo es ihn zu finanzieren gilt."

JPEG - 306.8 kB

Weiter östlich ist ein anderer Streit in vollem Gang in der politischen Klasse. Im türkischen Parlament

JPEG - 323.5 kB

kam es in dieser Woche zum Handgemenge. Im Halbrund des Hauses traktierten sich die Abgeordneten mit Fäusten für oder gegen eine Wahl des Präsidenten der Republik in allgemeinen Wahlen. Die Kämpfer für das laizistische Staatswesen wollen diesen Zusatz zur Verfassung, und die Islamisten der herrschenden Partei, der AKP, wollen dagegen beim Status quo des parlamentarischen Votums bleiben, seit ihnen die Wahl von Abdullah Gül, der dem Premierminister Erdogan nahesteht, nicht gelang. Das Foto von den "Boxkämpfen" ziert die Titelseiten in der Türkei, aber auch in Österreich, mit für die Politiker wenig schmeichelhaften Überschriften
: "Erste Runde" oder "Türkischer Boxkampf um einen Präsidenten
". Am Ende jedoch ist das Chaos vorbei, alle sind ko und die Abgeordneten haben sich für die direkte Wahl ihres nächsten Präsidenten entschieden.

JPEG - 397.1 kB

Wie man so sagt, "läuft es einem heiß und kalt über den Rücken". Und genau diesbezüglich wird man entschieden nicht müde, vom Wetter zu sprechen, diesem Lieblingsthema seit es Menschen auf der Erde gibt(siehe "Der Temperaturrekord..."). Also, es ist zu kalt in Brasilien und in Westeuropa und gleichzeitig brät man in Moskau in der Sonne. Das bescheert uns Kapuzenmenschen auf der Titelseite des Daily Telegraph, "zu Eis erstarrt, völlig durchnässt, doch letztendlich sooo britisch".

JPEG - 286.2 kB

Während sich in der russischen Hauptstadt ein neuer Erwerbszweig auftut: Besprühen von aufgelösten und völlig durcheinander geratenen BürgerInnen... "Rette sich, wer kann!" schreit die Moskauer Prawda, während die Iswestia sich Sorgen machen:"Dieser heiße Mai kann nur den Orkan im Juni bedeuten." Ein patriotisches Gedicht des Zweiten Weltkriegs beginnt so: "Warte auf mich, ich komme wieder./ Warte auf mich, wenn die traurigen Tage vorüber./ Warte auch mich wenn die heiße Zeit ein Ende nimmt, ich komme wieder." Doch wie erkennen wir die Hitzewelle noch, wenn uns der Himmel auf den Kopf gefallen ist, und wie, ob es im Winter schneit...