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"Baradero City brennt! Zwei Jugendliche sterben bei einem Motoradunfall. Die Folgen: nächtliche Unruhen, Brändstiftung, Zerstörung." - Man denkt an Frankreich, an eine Neuauflage von Clichy sous Bois oder Villiers le Bel, aber der Ort des Geschehens liegt diesmal in Argentinien, nicht weit von Buenos Aires. In einer reizenden, wegen ihrer Grünanlagen und ihres Wasserreichtumg gern von Touristen besuchten, Stadt, 150 km nordwestlich der Metropole, die bisher keine Gewaltausbrüche kannte, fahren zwei sechzehnjährige Jugendliche auf dem Motorroller. Der Junge und das Mädchen kamen aus einem Nachtklub, waren bei einem Freund vorbeigefahren und hatten sich wieder auf den Weg gemacht. Bestimmt waren sie verliebt, berauscht von ihrer beider Nacht und sie trugen keine Helme. Lebenslust im argentinischen Morgengrauen.

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Man kann sich einen Zusammenstoß mit einer Polizeistreife nicht vorstellen, es sei denn, die hätte die beiden verfolgt, was mehrere Zeugen behaupten. Guiliana war auf der Stelle tot und Miguel starb auf dem Weg in die Klinik. Die Reaktion ließ nicht auf sich warten. Dass Nachbarn, Freunde und die Familien der beiden von einem nicht zufälligen Zusammenstoß überzeugt sind, bringt genau wie in Villiers le Bel im NOvember 2007 das Pulverfass zur Explosion. Das beteiligte städtische Fahrzeug wird angesteckt, dann zieht man zum Rathaus, wirft Steine und legt schließlich Feuer. Weiter gehts zur Polizeistation, zum Gerichtsgebäude, zum Standesamt, die auch in Brand gesteckt werden. Keine Polizei schreitet ein. Ein Ausbruch innerstädtischer Gewalt von zweitausend Personen, darunter auch Erwachsene, die Gerechtigkeit fordern. Die Beiden Polizisten, die in dem Patrouillenfahrzeug saßen, bleiben von der öffenlichen Rache verschont, werden eingesperrt, mehr zu ihrem Schutz, als zur Strafe.

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Der städtische Polizeichef wird angegriffen und von der Menge mit Steinen beworfen, er muss seine Beamten zu Hilfe holen. Die Menschen ziehen daraufhin zum Haus des Polizeidirektors, Pablo Scarfoni, der auch im fraglichen Auto gesessen habe. Die überfoderte Polizei schießt mit Gumnmigeschossen um die Menge zu vertreiben. Da zieht die empörte Nachbarschaft zu FM Tiempo, einem Hauptsender der Stadt und attackiert das Gebäude. Man drischt auf die Fernsehjounalisten ein, die ziehen sich zurück.

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Drei Tage später ist wieder Ruhe eingekehrt, der Wiederaufbau der Gebäude ist in die Wege geleitet. Aber die Leidtragenden der Gewalt auf offener Straße, Familien, Nachbarn und Freunde, versammeln sich, wie die leidtragenden Mütter und Großmütter der Plaza del Majo unter der Diktatur, jeden Tag mit der Forderung nach Gerechtigkeit. Die Angelegenheit kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus und die Fernsehdiskussionen hören nicht auf, aber man versteht eigentlich nicht wirklich, was Kinder und Eltern, mehr als 2000 Menschen, zu einem solchen Gewaltausbruch getrieben hat...