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Also: überall sieht man dem Tag der Entscheidung entgegen, dem D-day in den Vereinigten Staaten, dem ден-Д in Russland. Trotz der Inlandnachrichten, von der Finanz- zur georgischen Krise, die meist die Titelseiten füllen, hat sich die russische Presse doch auch nach Amerika aufgemacht und widmet mehr oder weniger anekdotische Reportagen dem sich ankündigenden planetaren Event. Die Iswestija erklären zum Beispiel die Herkunft der Embleme aus dem Tierreich bei den Demokraten wie bei den Republikanern: der Elefant auf der einen, der Esel auf der anderen Seite. Die Tageszeitung bringt nicht nur lustige Geschichten von einfallsreichen Karikaturisten, sie benutzt das tierische Alfabet zu ironischen Wortspielen, spart nicht mit Spott, weder bei Obama noch bei McCain. Vielleicht eine kleine Wiederaufnahme des kalten Krieges ...

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Eine andere Tageszeitung, die Vremia (die Zeit), gibt sich ernsthafter und befasst sich mit zwei großen Themen: mit dem Gewicht der Neuwähler bei den kommenden Wahlen und mit dem der Frauen nach Maßgabe von Sarah Palin... Das Blatt erklärt seinen Lesern, dass Wahlenthaltung eine Konstante amerikanischer Kampagnen ist, dass man aber diesmal einen Anstieg bei den Einschreibungen für die Wahlen beobachtet, was ein Plus für Obama bedeuten könnte. Oder auch nicht... Dann kommt die Zeitung auf dies "nichtidentifizierte Objekt" zu sprechen, auf die Listenzweite des republikanischen Kandidaten. Im Land, das so viele Kämpferinnen hervorbrachte, auch eine Alexandra Kollontai, Erfinderin der sukzessiven Monogamie, fragt man sich: ist das eine Feministin oder nicht? Als Antwort heißt es, sie verliere immer mehr die Unterstützung der amerikanischen Frauen, was nicht unbedingt die Frage beantwortet.

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Schließlich hat noch die Wochenzeitschrift Tribuna die Reden der Kandidaten unter die Lupe genommen, sie will auf ihrer Titelseite den "exponentiellen Anstieg der Wählerzahlen für Barak Obama" verstehen. Die sprachlichen Entgleisungen von Frau Palin schaden ihrem Lager: wenn sie von einer ganz außergewöhnlichen Nation schwärmt, von einer einzigartigen, überlegenen oder heiligen, dann entspricht das in einer globalisierten Welt, die sich mitten in einer Krise befindet, offensichtlich nicht dem Verlangen nach Öffnung von vielen Amerikanern heutzutage. "Es ist vorbei mit der amerikanischen Außergewöhnlichkeit" sagt uns der Autor des Artikels, Alexei Puschkow, Medienpersönlichkeit und Moskauer Universitätslehrer.

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Also, wenn Allewelt sich auf den Tag der Entscheidung vorbereitet, dann auch wir bei TV5Monde, im Sender und im Internet. Wir werden in der amerikanischen Nacht (Nacht für uns kleine Europäer) ein "weltweites" Blog veranstalten, mit schreibenden Fingern an allen Ecken und Enden des Planeten... Wenn Sie mitmachen wollen, wir nehmen ihre Kandidatur gerne entgegen, schreiben sie einfach an kiosque@tv5.org .