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Es war an einem der letzten Tage des Jahres 2007, eines nur mäßig sympathischen Jahres, könnte man sagen... Auf zwei Kontinenten in zwei kleinen Ländern, Israel und Schweiz, - jedes auf seine Weise umklammert - : zwei bedeutende Tageszeitungen brachten eine in vielen Punkten bedauerlich ähnliche Geschichte. Haaretz widmete seine Titelseite den in den Straßen von Tel Aviv immer häufiger zu sehenden Flüchtlingen aus Afrika, während Le Temps den langen Weg von Ibrahim Zili beschrieb, eines typischen Einwanderers aus Makedonien, der nach fünfzehn Jahren unter oft unwürdigen Umständen im Untergrund endlich auftauchen konnte.

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In Sachen Asyl oder illegale Einwanderung haben die beiden Länder sicherlich nicht die gleiche Vorgeschichte. Die Eidgenossenschaft, ein altes Staatswesen und seit langem Asyl für viele Einwanderer aus aller Herren Länder betreibt eine Art Sägezahnpolitik gegenüber ihren politischen oder ökononmischen Asylbewerbern. Unter dem Druck fremdenfeindlicher Populisten, die zur ersten Kraft im Land geworden sind, stehen die Zeichen gegenwärtig auf Abweisung. Man schätzt die Zahl der Illegalen (die meisten aus den Balkanländern), die im Hotel- und Gaststättengewerbe, sowie in der Bauindustrie und in der Gebäudereinigung Arbeit finden, auf 100 000.

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Das junge Land Israel hat sich zweifellos nicht vorstellen können, ein Eldorado für Afrikaner zu werden. Die beiden Zentren in denen die illegalen Einwanderer untergebracht werden, reichen nicht mehr aus. Ein drittes wurde gerade eröffnet. Es sollen etwa tausend sein, darunter Frauen und Jugendliche, die aus Eritrea, aus Darfur oder von der Elfenbeinküste über die israelisch-ägyptische Grenze ins Land gekommen sind und ohne Alles in den Straßen der Städte herumirren. Als "Slaven der Hoffnung", bezeichnet sie einer von ihnen selbst. Der Zustrom wächst beständig, obwohl der Staat Israel sich weigert, das Problem anzugehen, - es nicht einmal wahrhaben will, entrüstet sich Haaretz. Die Illegalen überleben mehr schlecht als recht dank privater Fürsorge.

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Fünfzehn Jahre lang hat auch Ibrahim Zili sich dank eines privaten Netzwerks über Wasser gehalten. In Makedonien konnte er als Muslim keine Stelle finden; in der Schweiz wanderte er von einer Arbeiterunterkunft zur anderen, von den Baustellen bis zum Luxusrestaurant. Obwohl stets illegal, hat er doch die Größen der schweizer Politik bedient, bis hin zum Nationalrat Christoph Blocher selbst, der Symbolfigur für die gegenwärtige abweisende Haltung der Schweiz. Er gesteht, dass er mit Angstgefühlen im Bauch diesem persönlichen Gegner serviert habe. Der hat ihm am Ende der Mahlzeit die Hand geschüttelt, nicht ahnend dass sie einem Aussätzigen des 21ten Jahrhunderts gehörte.

Ibrahim Zili wurde von Gesetzesänderungen quasi geschüttelt. Jedesmal wenn er das Bleiberecht beantragte, schlossen ihn neue Regellungen von der Zulassung aus. 2006 begann er, von einem Freund unterstützt, Referenzen zu sammeln, von denen, denen er den Champagner servierte. Seiner beruflichen Integration verdankt er vielfältige Unterstützung und die Behörde des Ministers Blocher erklärt sich bereit, den Artikel 13, Absatz f des Fremdengesetzes anzuwenden: sein Not findet endlich Beachtung. Gerade ist er mit seiner Familie in eine kleine aber normale Wohnung eingezogen, in die erste die er seine eigene nennen kann.