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In dieser ersten Februarwoche 2010 waren Inder die Leidtragenden, bei sich zu Hause und im Ausland. Oder vielmehr bestimmte Gruppen von Indern, die hier wie dort schlecht behandelt wurden. Im Staat Andhra Pradesh, im Südosten des Subkontinent verwarf das Höchste Gericht die Einrichtung von Quota, die Menschen aus islamischen Unterschichten 4% der Arbeits- und Ausbildungsplätze einräumen sollten. Ein entsprechendes Gesetz war vom Parlament dieses Staates - Indien ist eine föderative Demokratie und jeder Staat hat eine autonome Regierung - verabschiedet worden. Die Islamanhänger Indiens werden, obwohl sie mit 250 Millionen Seelen die beeindruckende Minderheit von 20% der Bevölkerung ausmachen, überall in der größten Demokratie der Welt reichlich oft diskriminiert. Seit den mörderischen Attentaten junger Islamisten im November 2008 in Bombay drängen die Autoritäten auf den verschiedenen Ebenen zu mehr Gleichberechtigung für diesen nicht zu umgehenden Bevölkerungsteil. Von daher der Vorschlag zur Quotierung.

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Doch das Hohe Gericht will davon nichts wissen, einmal, sagen die Richter, weil eine solche Maßnahme die Diskrimierung in gewisser Weise noch vergrößere, weil sie die Mohammedaner als besondere Bevölkerungsgruppe einstufe; zum Anderen würde sie Gruppen, die noch stärker diskriminiert werden, zur Konversion veranlassen, damit auch sie Zugang zu den reservierten Arbeits- und Ausbildungsplätzen erreichen... Doch hat eine Politik der positiven Diskrimierung bereits einmal für 170 Millionen Menschen erfolgreich gewirkt. Seit 24,5% der Posten in Behörden, Schulen und Universitäten den Unberührbaren zustehen konnten Leute aus diesen, früher in die Hinterhöfe der Gesellschaft verbannten Schichten zu den höchsten Ämtern aufsteigen. Wird in der größten Demokratie der Welt für Hindus und für Nichthindus mit zweierlei Maß gemessen? Das marxistische Bengalen, im äußersten Osten des Subkontinents, hat gerade die Quoten für Islamanhänger auf 10% hochgesetzt. Der Decan Chronicle unterstreicht, dass ja binnen Kurzem Wahlen bevorstünden...

Gewiss finden die Inder anderswo auch nicht leicht gute Beispiele, vieler Orts wird mit zweierlei Maß und Gewicht gemessen und gewogen. Die große indische Zeitschrift Outlook hat ihr vorletztes Heft den ungeliebten indischen Studenten und Arbeitern in Australien gewidmet. Die Wochenzeitung aus New Delhi (neuerschienen, kritisch und sehr populär in Indien) spult eingangs eine ganze Litanei ordinärer Fremdenfeindlichkeit ab: 130 Inder wurden tätlich angegriffen; 2007-2008 kamen 1447 Straftaten gegen Inder zur Anzeige; 40 Inder kamen von 2004 und 2010 bei Angriffen ums Leben; von Juli bis Oktober 2009 wurden 33,2 % der Visaanträge von Indern abgelehnt, im gleichen Zeitraum 2008 waren es nur 6,5%.

Die Zeitung präsentiert also diese Bilanz und konstatiert "Es besteht in Australien, was man einen verdrängten Rassismus nennen könnte, eine Fremdenfeindlichkeit, die bei der geringsten Provokation oder unter Alkoholeinfluss oder auch nur wenn ein Inder zu Gesicht kommt, explodieren kann." Dann aber macht die Zeitung auf wenig banale Weise kurzen Prozess mit aller Opfer-Rührseeligkeit. Die bodenständigen Australier seien nicht allein für die mise Lage der indischen Einwanderer verantwortlich. Denn deren Unwillen zur Integration, ihre Naivität, ihr Mangel an Solidarität mit dem Gemeinwesen mache sie leicht zur Zielscheibe für gewalttätige, nicht unbedingt nur rassistische Banden.

Zur Erläuterung, warum Inder besonders Angriffen ausgesetzt sind, zitiert Pranay Sharma, der Sonderkorrespondent des Outlook im Land der Kängurus, einen landläufigen Witz: "Was haben ein Bankautomat und ein Inder Gemeinsames? Antwort: Von beiden bekommst Du auf Druck was Du willst."

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Dem Journalisten zufolge (dessen Enquete in australischen Tageszeitungen ausführlich zitiert wurde) würden die Inder auch, weil sie sich nicht wehrten, zur leichten Beute der Gewalt. "Anders als die Chinesen, die einem Landsmann in Not gleich zu Hilfe eilen. Der Inder dagegen , sagt man, eilt gleich zu den Medien. Auch ist die indische Gemeinde eine gespaltene. In Melbourne, wo 150 000 Inder leben, waren sie die Einzigen, die sich am 26 Januar, dem Nationalfeiertag Australiens, unter vier verschiedenen Flaggen am Umzug beteiligten."

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Ich bin an eine kleine Geschichte erinnert, die mir meine Mutter immer wieder erzählt: Sie kam mit ihren Eltern 1926 nach Paris und ging in eine Schule der Rotschild-Stiftung für jüdische Immigrantenkinder. Das Essen für die Mädchen war unsäglich schlecht und die Kinder lehnten sich auf. Es erschien der Herr Baron persönlich um dem Aufstand Einhalt zu gebieten. Aber er wurde ausgebuht. Rot anlaufend vor Zorn schrie er: "Jiddenbande, seid ihr nicht zufrieden hier, dann haut doch wieder ab in die Hinterhöfe eurer Stetl!"

Wer zuletzt kommt, zieht die Gangway ein!