Die Autorin über sich:

Als ich am 29 November 1956 auf die Welt kam, wurde gerade der Suezkanal nationalisiert, die französisch-ägyptische Krise erreichte ihren Höhepunkt. Mein Vater wurde in Ägypten geboren, meine Mutter in Warschau. Also kam mir die Idee, Journalistin für internationale Politik zu werden, spätestens bei der Geburt. Mein Ideal: eine Art weiblicher Tintin auf kleinen Füßen.

Unterwegs zu meinem Ziel ein Jurastudium (Licence), desgleichen Publizistik (CFJ), Geschichte (DEA, Niederschrift zu den revolutionären Frauen in Rußland im 19ten Jahrhundert). Zehn Jahre bin ich bei TF1 geblieben. Dann kamen Wege querfeldein, ein Buch (Elisabeth Dmitrieff, eine Biographie), das Szenario eines Filmprojekts zur Pariser Kommune und am Ende die Rückkehr zum Fernsehen. In die Redaktion von TV5. Regelmäßige Beiträge auch in Le Monde Diplomatique.

Als ich mit der Idee zu Kiosque umging, kam mir eine Reise nach Algerien wieder in den Sinn. Und Jahre später noch einmal zu Beginn dieser Webglossen für Nomaden der internationalen Presse (wie hier unter dem 14.Mai 2006 nachzulesen).


Anmerkung des Übersetzers:

George Remi (1907-1983), genannt Hergé, kam aus einem Milieu der militanten katholischen Rechten Walloniens. Boyscout (erste Zeichnungen für die Pfadfinderzeitschrift), Militärdienst, ab 1928 Comics für die Jugend (Redakteur beim "Vingtième Siècle), 1932 Heirat mit Germaine Kiekens 1934 (Trennung 1960, Heirat mit Fanny Vlamynck 1977) Begegnung mit Tschang Tschon-Jen, der ihn zu "Der blaue Lotus" inspiriert. Hergés produktivste Zeit fällt in die Jahre der deutschen Besatzung Belgiens 1940-44. Seine Comics waren zwar im Konzept "unpolitisch", aber in "Der geheimnisvolle Stern" 1942 werden Antiamerikanismen und Antisemitismen ganz ungeniert aufgenommen, während belgische Juden verfolgt und in Auschwitz ermordet wurden. In seinem Selbstverständnis war Hergé immer nur "ein einfacher Arbeiter", der seinen Lebensunterhalt verdienen mußte. Ab 1946 mit dem Jugendmagazin "Tintin".

Der Historiker Alain Colignon 2001 im Gespräch mit Manuel Abramovicz:

"Wen wunderts, daß die extreme Rechte versucht hat, den "Mythos Tintin" für ihre Zwecke auszubeuten? Wer ist dafür verantwortlich? In der Tat hat Hergé seine rechtsextremen politischen Freundschaften aus der Zeit vor und während des zweiten Weltkriegs nie verurteilt. Sein Engagement für das prodeutsche Blatt "Le Soir" (Der Abend, Auflage zeitweilig 300000 d.Übs.) wurde nie in Zweifel gezogen. Ganz einfach weil er aus seiner Sicht mit den Nazi-Besatzern nichts zu tun hatte."

1929 erschien "Tintin au pays des Soviets" (Auflage 5000, Neuauflage aus guten und aus schlechten politischen Gründen Jahrzehnte später). Die Figuren des weltweit arbeitenden Reporters Tim (Tintin im französischen Original) und seines Hundes (Struppi in der deutschen Fassung) waren geschaffen.

Die obige Illustration zum Fernsehen wurde in der Übersetzung eingeführt - Autor leider nicht notiert.