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Es passierte im Herzen Westeuropas und die Täter waren weder ein paar armseelige Hooligans aus dem Osten, noch militante Gruppen aus vergessenen Gegenden der ehemaligen DDR. Es passierte in Köln, der Kulturstadt am Rhein mit höflichen Umgangsformen, der katholischen Stadt, die jedes Jahr ihren Karneval feiert, in dem sich alles mischt und Herrschafts- wie Geschlechterverhältnisse auf den Kopf gestellt werden. Fast 2000 Menschen hatten vor, hier in aller Legalität eine anti-Islam Versammlung abzuhalten. Sie haben richtig gelesen: keine Demo gegen christlichen Fundamentalismus, sondern in einem Land, indem noch das Echo des Zweiten Weltkriegs und der Shoa nachhallt, ein Meeting gegen den Bau von Moscheen im Besonderen und für die Säuberung der heiligen deutschen Erde von Mohamedaner/inne/n im Allgemeinen. Bis zum letzten Augenblick vor ihrem Beginn hatte diese europäische Zusammenkunft der Hasserfüllten die Genehmigung der Behörden. Soweit die dunkle Seite des Ganzen...

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Aber dann kam ganz schnell Klarheit in die Angelegenheit: die ganze Stadt Köln, versichert uns die berliner Taz, CDU-Bürgermeister an der Spitze, Sozialdemokraten und Linke, selbst die Autonomen, alle waren sich einig, die obszöne Veranstaltung zu verhindern. Alle Kaufleute der Stadt machten mit, Hotels kassierten Reservierungen von Persönlichkeiten der extremen Rechten Europas, die die Vereinigung Pro Köln eingeladen hatte. Gastwirtschaften brachten in Spruchbändern zum Ausdruck, dass sie den "Nazis" kein Kölsch servieren würden; Taxifahrer und Busfahrer vertrieben Teilnehmer des "Kongresses" aus ihren Fahrzeugen, während Demonstranten die Bahnstrecken blockierten. Angesichts dieses einmütigen Aufstands der Bürger untersagte die Polizei schließlich das rassistische Forum. Also zogen sich die Eindringlinge in einen obskuren Saal in Brüssel zurück...

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Währenddessen nahm sich auf der anderen Seite der Alpen, in Italien, die Mafia die Ausländer vor. Sechs Afrikaner aus verschiedenen Ländern, Ghana, Togo und Liberia wurden dort, wo sie arbeiteten, in einer Textilwerkstatt in Neapel, von bis an die Zähne bewaffneten Mördern kaltblütig umgebracht. Eine Schießerei ohne Gleichen in neuerer Zeit. Die Untersuchungsbeamten erkannten unmittelbar die Handschrift der Camorra, der lokalen Mafia, aber die Meinungen der Leitartikler und Politiker gehen auseinander, je nach politischer Orientierung. So machten die Posaunen der Alleanza Nationale, der extrem rechten politischen Gruppierung, die zur Zeit unter Silvio Berlusconi mitregiert, aus den Opfern Schuldige mit dem Hinweis, das Einwanderer oft in Drogengeschäfte verwickelt seien. Die Mailänder Tageszeitung Il Giornale nimmt diesen "Gedanken" in einem Leitartikel von Maria Giovanna Maglie auf: "Die Linke bläst in die schwelende Glut der schwarzen Revolte". Ihr zufolge würden linke Intellektuelle und Politiker, indem sie Einwanderer als Opfer darstellten, in Italien, aber auch in Frankreich (insbesondere betätige sich Ségolène Royal als Brandstifterin) derartige Gewalttaten provozieren. Dagegen klagt die Unita, ehemals die Zeitung der kommunistischen Partei Italiens, die unfassbare Gewalt gegen Ausländer an und wundert sich nicht über bürgerkriegsartige Vorkommnisse nach den barbarischen Morden.

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Die Ausländergemeinde in Castelvolturno, Ort des Dramas, hat in der Tat sofort mit einer Pressekonferenz reagiert und ist auf die Straße gegangen, um ihre Wut kund zu tun. Dabei ist es gelegentlich zu Auswüchsen gekommen. Die Ereignisse bringen uns auf einen der letzten Kriminalromane von Donna Leon, "Blutige Steine", in dem die amerikano-italienische Krimiautorin ihren rührenden Commissario Brunetti auf die Suche nach Mördern schickt, die die "ragazzi" umbringen, jene Straßenverkäufer von allem möglichen Krimskrams für Touristen, die meistens aus Afrika kommen. Leon macht ganz und gar nicht in Miserabilismus, sondern zeigt mit Humor und Sensibilität, welche Klippen in unseren reichen Ländern unter einer Oberfläche von Selbstgerechtigkeit liegen.