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Es sei eine Tragikomödie, sagt Kim, der unglückliche südkoreanische Held der abenteuerlichen Geschichte von der die Joong Ang Daily berichtet. Kim Myung-soo hat gerade 14 Tage in Seoul hinter Gittern verbracht, weil er im Internet Bücher verkauft hat. Keine pornographischen und schon gar keine Heftchen für Pädophile, wie man sie so leicht finden kann und ohne dass die Verkäufer immer verfolgt werden, sondern Bücher über den Kommunismus! Genauer, Bücher zur Geschichte Russlands und der Sowjetunion, die man im Übrigen in allen guten Buchhandlungen des Landes finden kann. Etwa die Geschichte der Russischen Revolution des südkoreanischen Professors Kim Hak-jun oder ein Werk von Leon Trotzki.

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Deswegen wurde Kim aufgrund von Artikel 7 des Gesetzes zur nationalen Sicherheit angeklagt, er habe den Erbfeind, das heißt Nordkorea, unterstützt. In Zeiten, wo zwei Züge, der eine von Süden, der andere von Norden über die Grenze fahren können und die beiden Feinde einander näher bringen, wird das Gesetz von zahlreichen Liberalen als wahrer Anachronismus beklagt, als ein Erbstück des Kalten Krieges. Aber jedes Jahr fallen ihm ein paar Bürger wie Kim zum Opfer. Im April wurde Lee Siwoo, Fotograf und Friedenskämpfer aufgrund des gleichen Gesetzestextes verhaftet, weil er militärische Einrichtungen fotografiert hatte. Er ist noch immer inhaftiert und Kim, dessen Bibliothek von nahezu 500 Büchern von der Polizei konfisziert wurde, wartet auf seinen bevorstehenden Prozess.

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Etwas weiter westlich und auf der anderen Seite des Meeres berichtet eine große japanische Tageszeitung, die Asahi Shimbun, vom bedauerlichen Ende eines ganz besonderen Buches: "der Who’s who von Japan" (der Nihon Shinshiroku auf japanisch im sonst englischen Text) hört auf zu existieren, nachdem er jahrzehntelang das Loblied der Notablen gesungen, und sie schließlich zu Zielpersonen von Betrügern machte..." Die 80ste Ausgabe dieser Bibel der Elite Nippons, die 1889 vom Kojunsha Social Club (gegründet von Professor Fukuzawa Yukichi, der auch der Gründer der berühmten Keio Univerität war)lanciert wurde,wird also die letzte sein, weil die Kandidaten für Einträge ausbleiben.

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Die erste Ausgabe zählte 23000 große Namen Japans, Industrielle, Reiche, Künstler und Intellektuelle; Drei Jahre später waren es 3000 mehr und so ging es weiter bis zum Jahr 2000 mit 140 000 Einträgen. Gesellschaftlicher Erfolg wurde im Land der Sonne wie anderswo auch am Heiligenschein der kleinen Notiz gemessen, die übrigens ziemlich teuer kam... Im April 2007 jedoch waren es nur noch hundert tausend, mehr als 40000 waren "desertiert" und immer mehr "Getreue" lehnten es ab, ihre persönlichen Daten (und besonders die ihrer Familie) preiszugeben. Zuviele Mitglieder dieses Gotha waren Opfer von Betrügern geworden, die mit den Einträgen ihr Süppchen kochten. Auch brachte das Jahr 2005 eine Verschärfung des Datenschutzgesetzes für die Privatsphäre.

Die Herausgeber bedauern, "feststellen zu müssen, dass sie mit ihrer Aufgabe am Ende seien." Auch weniger alte japanische "Who’s who" verlieren ihre Anwärter und seien dabei, zu verschwinden. Es kann aber auch sein, dass abgesehen von den Betrügereien die Internetrevolution ihre Spuren hinterlassen hat: ihren Liebhabern scheinen die Daten, die man im Web findet, auszureichen. Bleibt nur noch die Frage: wie erkennen sich die Reichen in Zukunft untereinander?

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Zum Schluß gehen wir nach Zentralasien. Die Tageszeitung Gulf News teilt mit, das eine Sprecherin des afghanischen Parlamentes (genauer des Unterhauses, das die Gesetze verabschiedet)von ihren Kollegen ihres Amtes enthoben wurde, weil sie die Kammer als "Zoo" bezeichnet hatte. Vor laufenden Kameras der privaten Fernsehanstalt Tolo TV sagte die Abgeordnete Malalai Joya, 29 Jahre, was ihr durch den Kopf ging: "Unser Parlament ist wie ein Stall voller Tiere. Man kann da eine Kuh beobachten, die Milch gibt, einen Esel, der etwas heranschafft und einen Hund, der zu brav ist um es zu apportieren."

Die Versammlung hat die vor Zorn kochende Parlamentarierin nach Artikel 70 der Parlamentsordnung bestraft und es waren im wesentlichen die ehemaligen Mudschahedin des Kommandanten Massoud, der am 9. September 2001 ermordet wurde, die gegen sie stimmten.

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Malalai Joya beschuldigt sie, diesen Artikel 70 nur geschaffen zu haben, um sie in ihrem Kampf für die Würde und die Rechte der Afhganinnen zu behindern. Wenn es zu ihrem Ausschluss käme, würde sie nicht aufhören, gegen diese "Verbrecher" zu kämpfen. Und betont ernst fügt sie hinzu: "Wenn mir etwas zustößt, wird alle Welt wissen, wer die Verantwortlichen sind..."