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Die Statistik kann einem den Kopf verdrehen. Sie bestimmte die Titelseite des New Zeeland Herald, des tonangebenden Blattes von Auckland, der größten Stadt dieses Landes am Ende der Welt, wo die Einwohner, bezogen auf die Europäer, kopfunten herumlaufen (eine Million Einwohner, ein Drittel der neuseeländischen Bevölkerung). Die jungen Maori-Mädchen weisen die höchste Rate aller Art sexuellen Missbrauchs von allen neuseeländischen Bevölkerungsgruppen auf, ja von den Mädchen aller Ländern in denen die Weltgesundheitsorganisation Erhebungen gemacht hat. Die Frage, die ihnen gestellt wurde, war: "Erinnern Sie sich an Berührungen oder irgendeine andere sexuelle Handlung gegen ihren Willen, als sie noch keine 15 Jahre alt waren?" 35% der befragten Maorie-Frauen antworten mit ja, zu vergleichen mit 17% der jungen Europäerinnen. Das mittlere Alter der Missbrauchten liegt bei 9 Jahren, das der Täter bei 30 Jahren. Meistens sind die Onkel die Schuldigen derartiger Attentate auf die frühe und die aus ihr erwachsende Person.

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Die Untersuchung bringt eine verblüffend hohe Zahl von Opfern in Neuseeland an den Tag (25% im Mittel über das ganze Land), jedenfalls die höchste von allen Ländern, die die WHO untersucht hat. Am geringsten war die Zahl im ländlichen Bangladesh, dort waren es nur 1% - vielleicht weil das gesetzliche Heiratsalter für Mädchen dort 9 Jahre beträgt! Die Befunde lassen sich nicht leicht erklären. Die Neuseeländischen Behörden halten jenachdem die sozialen Lebensumstände der Maori, ihre Akkulturation, ihr Gemeinschaftsleben, besonders ihre Schlafhäuser für den Grund. Die Maori-Kultur wurde über Jahrhunderte vom Abendland geplündert. Die Stadt Rouen in Frankreich hat soeben für die Rückgabe eines tätowierten Maori-Kopfes an Neuseeland gestimmt. Sie beruft sich dabei auf das Gesetz zur "Bioethik" vom 29. Juli 1994, das den Besitz von menschlichen Körperteilen untersagt. Zwischen Folklore und sozialer Realität gibt es so etwas wie eine Mauer...

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Noch andere Frauen machten in dieser Woche Schlagzeilen: zwei Amerikanerinnen, posierend auf irgendwie anrührenden Fotografien, auf die die eine allerdings wohl gern verzichtet hätte. Die erste sitzt brav und aufrecht auf der Titelseite der Washington Times oder der Gulf News, neben einer schwarzen Gestalt, von der man nichts sieht, nicht einmal ein Auge. Bemerkenswert jedoch das "Anti-Aids-Bändchen" das die Burka schmückt. Laura Bush, die Gattin des amerikanischen Präsidenten, lächelt in ihrem enganliegenden, beigen Kostüm auf dem rosa Kanapee. Sie scheint sich über die Nachbarschaft zu freuen. Sie hält sich im Rahmen einer Aufklärungskampagne gegen Brustkrebs in dieser Gegend der Welt auf.

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Als Aufmacher von mehreren kanadischen Tageszeitungen hält die andere, Condoleeza Rice, in dieser Woche ihren Kopf hin. Man sieht, wie sie versucht, keine Miene zu verziehen, einer Frau mit blutigen Händen gegenüber, die sie beinahe anfasst. Es handelt sich um eine kalifornische Pazifistin, als die Außenministerin vor der Außenkommission des Senats als Zeugin auftrat, im Besonderen in der Sache eines kanadischen Gefangenen, der im Rahmen des Antiterrorkampfes gefoltert wurde. In diesem Foto ist die ganze Komplexität der USA gegenwärtig: zwei Frauen stehen sich gegenüber, die eine perfekt frisiert, Perlenkette und untadeliges Schneiderkostüm, die andere mit wirren, langen Locken, Pullover und Jeans. Nüchtern bemerken der Toronto Star und die National Post, dass das für Condie kein guter Tag war...