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"Freiheit ist besser als keine Freiheit" Also sowas! Dieser historische Satz kam in der letzen Woche in Davos aus dem Mund von Dmitri Medwedjew. Wer ist dieser Dmitri Medwedjew? fragten die Teilnehmer der jährlichen Großbegegnung von Industrie und Finanz mit der Politik. Dmitri Medwedjew - behalten Sie den Namen gut im Kopf - , Autor der verblüffenden Wahrheit, hat im Moment die etwas undurchsichtige Funktion eines "ersten stellvertretenden Premierministers" in Moskau, und ist der Dauphin von Wladimir Putin, der sich seinerseits so seine Freiheiten mit der Freiheit herausnimmt...

Der unter Umständen nächste starke Mann im Kreml entwickelte vor einem gebannten Kongresspublikum seine Vorstellung von Demokratie unter der nüchternen Überschrift "Wege der Entwicklung im gegenwärtigen Russland, Schwerpunkte, Wachstumsprobleme und -aussichten". Er weiß Worte zu finden, seine Zuhörer zu überzeugen: "Nach einem Jahrhundert der Revolution, des Bürgerkriegs, des Weltkriegs und der Wirtschaftskrise schaffen wir heute neue Einrichtungen nach ganz und gar demokratischen Prinzipien, die nichts zu wünschen übrig lassen". Man kann Dmitri Medwedjew nach dieser ersten Vorstellung in der großen weiten Welt eine glänzende Zukunft voraussagen: er beherrscht den Jargon erstklassig. Die Tageszeitung Iswestja, ein Flagschiff der Presse in sowjetischen Zeiten, die anschließend mit Sack und Pack an eine Bank ging, bringt die Rede ausführlich.

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Vielleicht hat dieser noch junge Mann einen der Symbolfilme der Perestroika gesehen: "Die Freiheit ist das Paradis" von Sergei Brodow. Auf russsich hört sich der Titel wie eine Drohung an: "swoboda eto rai". Der Film erzählt von den Wanderungen des 13jährigen Schurik auf ungangbaren Wegen: ein Junge, der aus einem Erziehungsheim entlaufen ist und seinen Vater in einem Gefängnis am anderen Ende des Landes sucht. Schurik entdeckt, dass die Freiheit draußen eine relative ist, aber das am Ende, trotz allem, Freiheit besser ist als Freiheitsentzug...

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Die deutschen Bergleute werden 2018 ganz frei sein. Die Luxemburger La Voix (Die Stimme) erklärt uns, dass die Regierungskoalition in Deutschland nun nach Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Portugal beschlossen hat, die Subventionen für den Bergbau (etwa 2,5 Milliarden Euro pro Jahr) zu stoppen. Es gibt ungefähr 30 000 Bergleute jenseits des Rheins, die noch Tag für Tag einfahren. Die Regierung hat also beschlossen sich dieser Menschen nach Gewinn- und Verlustrechnung abzustoßen, weil die Kohleförderung in Polen oder Südafrika viel rentabler ist.

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Kim Jong-nam, der Sohn des allseits geliebten Führers von Nordkorea, Kim Jong-il, ewige Sonne von Pyongyang, ist bereits ein freier Mann. Die South China Morning Post, Tageszeitung in Hongkong, meldet, dass der in Aussicht genommene Nachfolger des nordkoreanischen Diktators aus seinem Land geflohen sei(man fragt sich warum), um sich in Macao, dem Finanz- und Touristenparadies vor den Küsten Chinas, zugleich beliebte Spielhölle, niederzulassen. Seit drei Jahren kann man das Hätschelkind von 35 Jahren an den Spieltischen der Kasinos, in den besten Restaurants der Insel sehen. Er wohnt in einem fünf Sterne Hotel, während sich seine Familie in einem anderen Paradies versteckt. Die japanischen, chinesischen und koreanischen Kommentatoren stellen die entscheidende Frage: wird dieser geliebte Sohn, der auf die besten Schulen im Westen geschickt wurde bevor er im politischen Sicherheitsdienst seines Landes einen Posten bezog, wird er am 16. Februar zum 65. Geburtstag seines Vaters erscheinen? Das Problem: Freiheit ist besser als Freiheitsentzug.

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Freiheit war auch das Thema des 18ten internationalen Plaidoyer-Wettbewerbs im Memorial von Caen in Frankreich. Gedankenfreiheit in China (in China oder in Russland); Freiheit, leben zu können (für die Bedzang, ein Pygmäenvolk in Zentralafrika); Freiheit, über den eigenen Körper zu verfügen (für die Frauen in der ganzen Welt); oder auch einfach die Freiheit, zu kommen und zu gehen in Westeuropa, wo die sechsjährige, kleine Tumba aus Zaire mehr als zwei Monate zusammen mit ihrer Mutter in einem geschlossenen Zentrum am Stadtrand von Brüssel zubringen musste, bevor die beiden mit Gewalt nach Kinshasa abgeschoben wurden. Kann man Kinder einsperren? Diese Frage hat der belgische Rechtsanwalt Alexis Deswaef immer wieder dem bestürzten Publikum und der Jury gestellt. Freiheit ist ganz entschieden besser als der Freiheitsentzug.