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"Die Ureinwohner". So definiert das Lexikon das Wort "Aborigines" und gibt gleichzeitig an, dass auch die ersten Italiener, die direkt von den Latinern abstammten, so bezeichnet wurden. Heute wird die Bezeichnung fast ausschließlich für die vor der Kolonisation dort lebenden Ureinwohner Australiens und ihre Nachkommen verwendet und sie beschwört ein schweres Schicksal: Not, Ausbeutung und Krankheit. Zwei Meldungen dieser Woche bestätigen wieder einmal den zeitlichen Ablauf eines Aussterbens mit Vorankündigung, die erste auf der Titelseite des australischen Referenzblattes The Age, die andere unter "Verschiedenes" (!)in der französischen Libération.

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In der australische Presse zeigt der "Vater der Versöhnung", Patrick Dodson ein ernstes Gesicht. Er möchte einen Schrei des Ensetzens ausstoßen angesichts der exponentiell steigende Selbstmordrate in den Ureinwohnergemeinden des Landes und Kontinentes. Und obendrein sind die Jungen besonders betroffen, unter Umständen gar Kinder im Alter von 11 und 12 Jahren... Patrik Dodson hat in seiner Umgebung erlebt, dass sich drei Menschen erhängten, darunter ein "Sohn" (ein Neffe nach unserer Genealogie) von 11 Jahren an einem frühen Morgen im vergangenen Jahr. Das hat ihn dazu gebracht zu handeln. Eine Untersuchungskommission ist zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen: von 1981 bis 2002 ist die Selbstmordrate unter den Männern der Ureinwohner um 800% gestiegen und die der Frauen um 28% pro Jahr! In einigen Gegenden ist sie besonders hoch.

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Die Behörden haben versucht, die Gründe für die vielen Suizide zu verstehen und nennen den Alkoholmissbrauch als Hauptgrund. Allein, dieser Überkonsum ist nur das Symptom einer tiefergehenden, sowohl endogenen wie exogenen Depression. Endogen vielleicht in einem Fall,in dem die Großmutter von 21 Enkelkindern auf innerfamiliäre Gewalt verweist, gar auf sexuellen Missbrauch von Kindern und auf eine Art zur Schau getragener Risiko-"Kultur". Als exogene Ursache kann man sich leicht die Gewalt der Kolonialherrschaft vorstellen und die "Ghettoisierung" dieser Bevölkerung über Jahrhunderte. Die Nachrichten, die uns Libération und Agence France Presse dieser Tage liefern, sind eine erneute Illustration.

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Seit Monaten erreichen die Preise für Kunstwerke der Aborigines Rekordhöhen: im letzten Monat erzielte eine Leinwand bei einer Versteigerung in Sidney die astronomische Summe von einer Million australische Dollar, das entspricht etwa 625 000 Euro. Die Kunstindustrie dieser Sparte bringt in guten wie in schlechten Jahren um die 500 Millionen Dollar ein. Den Künstlern kommt davon sehr wenig zugute. Kürzlich wurde in Italien ein Kunstwerk für 11000 Euro verkauft, 100 Euro gingen an den Künstler... Einer Meldung zufolge "hocken in einem Stacheldraht umzäumten Lagerraum unweit von Alice Springs in der Wüste die Künstler über ihren großen Leinwänden. Ein Weißer steht und überwacht die Arbeit (...) die Händler locken die Künstler mit alten Autos, mit Alkohol, selbst mit Viagra, und die finden sich weit entfernt von ihren Heimatgemeinden wieder." Ein schwerwiegender Bruch mit einer Kultur und Gesellschaft, in der das Miteinander-Reden eine zentrale Rolle spielt...