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Im Russischen sagt man für "Boulevardpresse" "Glamour" - гламур - . Das heißt, man musste den Begriff für etwas, was es bis zu den politischen Umwälzungen des vergangenen Jahrhunderts nicht gab, weit herholen. Die Boulevardpresse der postsowjetischen Ära verdient ihren (schlechten) Ruf, beziehungsweise backt ihr Honigbrot eher mit Verbrechen, mit Außerirdischen und anderen Mystifikationen, als mit dem Liebesleben von Politikern oder Stars im Showbuisiness. Aber prompt hat jetzt ein Moskauer Wochenblatt mit den Tabus brechen wollen: der Moskowsky Korrespondent mit seinen oft populistischen, jedoch nicht allzu vulgären Schlagzeilen brachte vor vierzehn Tagen gleichzeitig die Nachricht von einer Scheidung, als auch von der Wiederverheiratung des demnächstigen Ex-präsidenten und baldigen Premierministers Wladimir Putin. Und nicht etwa im Conditionalis, als Möglichkeit. Die Nachricht ging um die Welt und stand sogar auf der Titelseite der sehr seriösen und konservativen kanadischen National Post.

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Was schrieb der Journalist Seguei Topol in seinem Artikel, im Einvernehmen mit seinem Chefredakteur? Man wisse aus sicherer Quelle, dass "mehrere Cateringunternehmen der Hauptstadt, auf eine geheime Angebotsanfrage hin, sich um die Organsation der Hochzeit von Wladimir Putin und der Duma-Abgeordneten der Präsidentenpartei Einiges Russland, Alina Kabajeva, streiten" (Die Abgeordnete, 25 Jahre alt, stammt aus Usbekistan und ist ehemalige Olympiasiegerin im Turnen). Der Zeitung zufolge sei "Präsident Putin, selbst ehemaliger Judochampion, dem Charm junger Sportlerinnen durchaus nicht abgeneigt". Das Sarkozysyndrom, meint der Autor zum Schluss. Am letzten Freitag beim Besuch seines Freundes Silvio Berlusconi, eines anderen liebenswürdigen Verführers für junge Frauen, musst Wladimir Putin der italienischen Presse Rede und Antwort stehen, und das Thema stieß auf größeres Interesse als die internationale Politik der russischen Föderation. Putin dementierte mit einem Lächeln und machte allen Spekulationen ein Ende indem er erklärte, er liebe alle russischen Frauen". Offensichtlich ist er nicht unzufrieden, dass er, genau wie seine Freunde Silvio und Nicolas, als Frauenheld erscheint.

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Abgesehen von Anekdoten, abgesehen von Bestätigungen und Dementis (siehe die berühmte SMS "wenn Du zurückkommst, mach ich alles wieder rückgängig"), ist der Vergleich mit Frankreich nicht ganz abwegig. Beide Präsidenten sagen, dass sie sich in Gegenwart von Frauen in der Politik wohlfühlen und das jeweilige Land von verstaubten Ansichten befreien wollen. Der französische Präsident hatte sich über eine oberste Berufungskammer lustig gemacht, die aus Männern in Grau, sich gleichend wie Erbsen, bestünde ("ich schaute in den Saal, ich sah 98% Männer (...) die sich alle ähneln, gleiche Herkunft, gleiche Ausbildung, alle aus der gleichen Form, die Tradition der Eliten Frankreichs, gewiss respektabel, aber nicht ausreichend vielfältig"). Der Russe ließ junge Frauen (in der Mehrzahl ehemalige Leistungssportlerinnen) auf die Listen der letzten Parlamentswahlen im Dezember 2007 setzen. Aber sind das noch politische Aktionen oder ästhetische Theaterspiele? Was den Moskowsky Korrespondent angeht: Er macht nächstens zu, nachdem er sich beim Kreml entschuldigt hat. Er beteuert aber, dass er allein aus finanziellen Gründen und auf gar keinen Fall aus politischen sein Erscheinen einstellt...