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Ich sah die Titelseite des Kurier vom Sonntag, den 24 Mai, und freute mich sehr. Die Sonntagsausgabe der Tageszeitung schlug mir ein "Rendezvous mit den Gorillas" vor. Und um meine Neugier noch mehr anzustacheln, lud mich der Untertitel zum Kennenlernen der Gorillaberge ein, der märchenhaft schönen Gegend, dort wo Uganda, Ruanda und Kongo aneinander grenzen. Ich mag diese Primaten, seit ich vor ein paar Jahren erfuhr, dass uns unser naher Verwandter (98% gemeinsamer Gene) deutlich überlegen ist. Gorillas sind viel zivilisierter als wir und erreichen sogar das Ziel jeder Zivilisation: ein friedliches Zusammenleben.

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Ein Dokumentarfilm hat mir die rührende Anmut in den schweren, schwarz-silbernen, behaarten Körpern vermittelt. Zwei Australier, Naturforscher, Ethnologen der wilden Tierwelt und speziell der Menschenaffen, hatten den Film gedreht. Drei Jahre lang hatten die beiden jungen Männer ein paar Meter von einer Gruppe aschfarbener Gorillas entfernt gelebt. Ein männlicher und fünf weibliche Gorillas und ein paar Junge, und die Forscher taten nichts weiter, als sie zu beobachten und Tag für Tag Notizen zu machen. Ihre hartnäckige und geduldige Arbeit brachte sie zu bedenkenswerten Schlussfolgerungen.

1. - Gorillas sind nie frustriert noch neidisch auf ihre Nachbarn. Den größten Teil ihrer Zeit sitzen sie ganz bequem und kauen Gräser. Ab und zu machen sie ein kleines Nickerchen, hin und wieder gibt es ein paar Streicheleinheiten, dann wieder ist einfach nur nachdenkliches Betrachten an der Tagesordnung, kurzum, ihre Zeitablauf könnte kaum liebenswürdiger sein. Gelegentlich und mit Abstand wirft der Familienvater einen Blick auf seine Nachkommenschaft und vergewissert sich, dass alles in Ordnung ist.

2. Gorillas leben in vollkommener Harmonie mit der Natur. Sie sind Vegetarier. Ihre Hinterlassenschaften sind ausschließlich biologisch abbaubar und sie übergeben ihre zeitweilige Bleibe genau in dem Zustand, in dem sie sie vorgefunden.

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3. Gorillas sind polygam, aber sie behandeln alle ihre Frauen absolut gleich, verweigern sich keiner Hausarbeit und legen auch außer der Reihe des öfteren die Kinder trocken.

4. Gorillas schlagen sich nie. Ja, wundern Sie sich nur, diese großen Kerle da heben nie die Hand, weder bei ihren Gemahlinnen noch bei ihresgleichen, den stolzen Backenbartträgern, noch bei den Kleinen! Aber, aber, wie soll das den gehen und wieso überhaupt? Die beiden Forscher sind sich einig: der Gorilla schlägt nicht, weil er Schmerz nicht mag... Daran hätten wir denken sollen. Wie gesagt, der Gipfel der Zivilisation.

Trotzdem: die großen Affen wissen sich Achtung zu verschaffen. Denken Sie nicht, das seien einfach nur freundliche Weichnudeln, um nicht zu sagen Matschbirnen. Allein ihre Ausmaße und ihre Erscheinung schrecken so manchen davon ab, sich mit ihnen anzulegen, aber vorallem verfügen sie über ein ganzes Register von Signalen, um sich verständlich zu machen. Die beiden Korea wären augenblicklich gut beraten, wenn sie sich inspirieren ließen.

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Zu erst kommt das Runzeln der Augenbrauen: im Allgemeinen kommt das Runzeln von Papa Gorillas Augenbrauen einer schweren Abschreckungswaffe gleich, wenn sich zwei Gorillakinder um ein Hölzchen streiten. Nur wenn die beiden wirkliche Nichtsnutze sind, folgt die nächste Phase: mit beiden Händen heftige Schläge ins Wasser (im Allgemeinen leben Gorillas in greifbarer Nähe zu Wasser...). Wenn dann unsere beiden Dummköpfe noch immer nicht aufhören wollen, sind sie wirklich sehr schlecht erzogen. Dann bringt Meister Gorilla das ganz große Ding zum Einsatz: Stehend trommelt er mit den Fäusten auf den Brustkorb und stößt dabei klangvolle Laute aus. Dem konnte bisher noch niemand widerstehen. Auch nicht Timm in Tibet. Würden Sie sich nicht auch davonschleichen, wenn jemand aufsteht, mit beiden Fäusten auf den Brustkorb trommelt und tiefe, laute Töne von sich gibt?

Warum also sind Gorillas eine derart bedrohte Art, dass die UNESCO das Jahr 2009 zum Gorillajahr erklärt hat? Weil der Gorilla sich in einer Welt des gesunden Vertandes und der Vernunft aufgehoben fühlt und nicht daran gedacht hat, dass es auf der Erde auch Menschen gibt, das größte Raubtier auf unserem Planeten, der doch manchmal so schön ist.

Mit New York und seinen Geheimnissen,
und auch mit den Geheimnissen von Paris...