JPEG - 266.5 kB

Schwarzweißfotos versetzen uns unmittelbar in die Vergangenheit, vielleicht gar ins Mythische. Der Betrachter wird konditioniert, im vorliegenden Fall der australische Betrachter. Die sympathischen, lachenden Gesichter oder auch die Reihen fröhlicher Marinesoldaten, die da vor ihrem Schiff verewigt wurden, lassen reflexartig ein Gefühl des Stolzes aufkommen. Jeder ein Guy Môquet unserer Antipoden. Eine nationale Kommunion. Alle Tageszeitungen des Landes brachten Bilder zum berühmtesten australischen Kriegsschiff, das nach 70 Jahren mysteriöser Funkstille letzte Woche auf dem Meeresgrund entdeckt wurde. Die Sidney, zweite ihres Namens, war die Perle der königlich-australischen Marine. Ein Wunder der damaligen Technik, das bis zu 650 Matrosen mitführte, 1934 vom Stapel lief und auf den Meeren patroullierte oder in den ersten Jahren des zweiten rWeltkriegs andere Schiffe eskortierte.

JPEG - 307.4 kB

Bis zu jenem 19 November 1941, als es auf der Heimfahrt von der Begleitung eines Truppentransporters eine üble Begegnung mit der Kormoran hatte, einem deutschen Kriegsschiff, das als holländisches Paqueboot getarnt war. Beide gingen in der Schlacht mit Mann und Maus unter, und der genaue Ort des Schiffbruchs konnte nie gefunden werden (die gesamte australische Mannschaft, 645 Mann, ertrank, vom anderen Schiff überlebten 317 Personen). Manchen Stimmen zufolge hätten die australischen Behörden die Suche nach dem Wrack absichtlich behindert, um zu verheimlichen, das sich das Schiff auf einer falschen Route befand. Diese Annahme kann jetzt von den Entdeckern der Sidney, beziehungsweise der beiden Schiffe, die da ein paar Kilometer voneinander entfernt auf dem Meeresgrund liegen, widerlegt werden. "Ein historischer Tag" erklärte der Premierminister kurz und bündig. Für die Tageszeitungen bleiben nach wie vor noch Fragen offen.

JPEG - 169.8 kB

Alles nach Backbord! Jetzt sind wir in der Schweiz, einem Land ohne Küsten, aber nicht ohne Seekrankheit... Die neuesten Wellen schlug die Außenministerin, Mme Micheline Calmy-Rey, auf Reisen im Iran zur Unterzeichnung eines bedeutenden Gasliefervertrags zwischen einer schweizerischen Energiefirma, der EGL, und der NIGEC (National Iranian Gas Export Company). Anlass zur Polemik im In- und Ausland, sowohl inhaltlich, was den Zweck angeht, als auch betreffs der Form. Im Ausland, besonders in den Vereinigten Staaten oder in Israel, wo die Diplomatie über den Zeitpunkt der Reise - just nach den von Fälschungen versiebten Parlamentswahlen in Teheran - sehr verärgert war. Verärgert jedoch danach auch über den Zweck der Reise: ein Abkommen über Lieferung von 5,5 Milliarden Tonnen Gas in 25 Jahren, ab 2011, und dies mitten in der Auseinandersetzung um das iranische Atomprogramm...

JPEG - 162.9 kB

In der Schweiz gingen aus Gründen der Form die Wogen der Leidenschaft hoch: zunächst, weil eine Ministerin sich der Geschäfte eines Privatunternehmens annahm. Vorallem aber, weil besagte Ministerin bei ihrer Begegnung mit Präsident Achmadinedschad einen Schleier trug, einen langen, schönen weißen Schleier, der ihr übrigens sehr gut steht. Zum Prinzip ihres Besuchs erinnerte die Chefin der helvetischen Diplomatie daran, dass das "Ministerium seit einem Jahr an der Diskussion um den Vertrag teilnimmt und häufig bilaterale Gespräche zwischen der Schweiz und dem Iran stattfinden". Im Übrigen findet sie, dass es "zu ihren Pflichten gehört, mit der Unterstützung eines Privatunternehmens den Wohlstand des Landes zu verteidigen". Sie besteht darauf, dass "die Iraner ihr Kommen nicht zur Bedingung gemacht hätten, aber mit einer Ablehnung der Einladung ein Risiko verbunden gewesen wäre". Die Amerikaner haben angekündigt, dass sie die Gültigkeit des Vertrags prüfen würden... Angriffe von Seiten der Feministinnen in beiden Ländern tut Micheline Calmy-Rey mit einer Handbewegung ab: "Mir wurde immer gesagt, dass man als Gast die Sitten des Landes respektieren sollte."