Die britische Tageszeitung The Independent sieht rot an diesem Tag. Rot über die ganze Titelseite. Im Balken drei Wörter, Großbuchstaben, weiß: NO NEWS TODAY (Heute keine Nachrichten). In der Fußleiste, in winzigen Buchstaben, kaum lesbar, der Hinweis: "Ausgenommen, daß 6500 Afrikaner sterben, obwohl die Krankheit erstens heilbar und zweitens vermeidbar". Die Zeitung trägt zu Recht ihren Namen, die Zornesröte auf der Titelseite steht ihr - nicht zum erstenmal - gut an. Laute Wutausbrüche gegen Hungersnot, globale Verschmutzung, drohende Überfettung der westlichen Bevölkerungen. Die verstellte, verschwiegene Nachricht, die nicht mehr zu verkaufen ist, weil sie niederschmettert. The Independent nimmt die Herausforderung an: die Tageseinnahmen kommen ohne Abstriche dem Kampf gegen AIDS zugute.

Unterdessen erörtern die Iswestija vom selben Tag einen Krieg um den Wein, der in Russland und in Georgien (obendrein auch in Moldavien) die Gemüter zur Weißglut bringt. Ein fürchterlicher Streit, hinter dem sich ein anderer verbirgt, der Krieg um Energie, der Krieg der Ideologien. Ein gnadenloses Gemetzel zwischen zwei ehemals eng Verbündeten. Rußland verbietet die Einfuhr von georgischem Wein aus Gesundheitsgründen: der berühmte Rote und Weisse, ja selbst die Schaumweine seien voller Pestizide.

Russland mit seinen frostigen Temperaturen, seinen Hitzewellen, produziert so gut wie keinen Wein. Seit über einem Jahrhundert hat der georgische Nektar die Kehlen befeuchtet. Zar Nikolas II liebte ihn besonders und Joseph Stalin, Väterchen der Völker, kam, wie es heißt, nicht ohne seinen herben Kindsmarauli aus und auch nicht ohne den süßen Chwantschara. Weine aus verschiednen Regionen nicht allzu weit von Stalins Geburtsort Gori. Die Russen nehmen Saakaschwili das Liebäugeln mit der Nato übel. Suchen ihn zu bestrafen und bestrafen sich selbst. Umsomehr als die Georgier im Gegenzug gerade den Import von russischem Bier gesperrt haben.


"36 000 Russen starben im vergangenen Jahr an Alkoholvergiftung. Die überwiegende Zahl dieser beklagenswerten Opfer fiel nicht etwa dem Genuss von Wein, sondern dem in Russland illegal gebrannten Wodka zum Opfer. Die gepanschten Weine, die es bis dato in Russland zu kaufen gab, waren wiederum in der Mehrzahl gefälschte, sprich falsch etikettierte Produkte. Georgische Herkunftsbezeichnungen sind international nicht geschützt." erdkunde.de

"Das saftiggrüne Kachetien in den Tälern des Alasani und Iori im Südosten ist die bedeutendste Anbauregion...In Kachetien wachsen 70% der Trauben für die Weinbereitung und Brennweine für Destillate. Man unterscheidet drei Anbaugebiete und über 25 Unterbereiche, das sind zum Beispiel Achmeta, Kwarelo-Kindsmarauli, Manawi, Napareuli und Zinandali. In dieser Region entsteht der charakteristische kachetische Wein, der durch Vergären in besonderen Tonkrügen (georgisch Kwewri), gefolgt von einer ausgedehnten drei- bis viermonatigen Maischelagerung, so wie seit jahrtausenden praktiziert, eine eigentümlich tanninherbe Art erlangt...

Nördlich von Imeretien liegt an den Ufern der Flüsse Rioni und Zcheniszkali die Region Ratscha-Letschchumi... Der Unterbereich Chwantschkara ist berühmt für seine lieblichen Ehwantschkara-Wein, u.a. aus den Traubensorten Alexandrouli und Mujurtuli." wikipedia