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Dieser Tage sehen sowohl Russen wie Portorikaner rot. Beide kauen an ihrem Ärger, die einen gegen die Japaner, gegen die "Kontinentalamerikaner" die anderen. Es geht um Geschichte und Geographie, besser gesagt, um die Auslegung von beiden.

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Zunächst der Ferne Osten. Die Iswestja, die Tageszeitung mit dem legendären Namen, wobei dien Besitzer allerdings seit Sowjetzeiten wechselte (heute ist es eine Bank), schlägt am heutigen Mittwoch Alarm mit ihrer Titelseite und der Überschrift: die Landkarte lügt! Alexander Latyschew, Journalist des Moskauer Blattes, hat - vielleicht in Vorbereitung von Beiträgen zum baldigen G8-Gipfel in Hokkaido - die Webseite der japanischen Regierung besucht. Da blieb ihm einfach die Spucke weg. Die Karte Japans, die offizielle also, die die Haupttreffpunkte der Großen dieser Welt und ihrer Berater darstellen soll, umschließt in den Grenzen Japans die Kurilen. Ups! Nichts gehört und nichts gesehen. Die Inseln, die die Russen Südkurilen nennen und die bei den Bewohnern Nippons Khopporiodo, "nördliche Territorien", heißen und die der Kreml eifersüchtig bewacht, gehen bei Gelegenheit einer kleinen, grauen und kaum lesbaren Karte über ins Reich der aufgehenden Sonne.

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Seit über einem Jahrhundert werden diese kleinen, unwirtlichen Landstückchen von beiden Seiten umworben und der Konflikt drohte mehrere Male auszuarten. Die Lebensbedingungen auf diesem vulkanischen Archipel von mehr als 1200 km Länge, an der Grenze zum Pazifik, sind sehr hart. Einige 17000 Russen oder Bewohner ehemals des Sowjetimperiums überleben hier, hauptsächlich dank der Fischerei. Und das ist der Streitpunkt: 1200 km, das bedeutet eine lange Küste und damit eine sehr ausgedehnte nationale Fischereizone für den, der Anspruch auf diese Territorien erhebt.

Doch nur Staaten schlagen sich wirklich: an Ort und Stelle haben beide Seiten sich zu einer Art Entent cordiale zusammengefunden, so dass sogar manche Russen sich als Japaner verstehen und manche Japaner die Inseln definitif nicht mehr beanspruchen. Erstere wünschen sich nichts als den Lebensstandard, den ihnen Tokio bietet. Die anderen fürchten, dass Fischereimultis ihre lokale Wirtschaft zerstören.

Die Iswestja hat dennoch, angesichts dieses internationalen Versteckspiels (das in japanischen Geschichtsbüchern und auf japanischen Globen ohnehin längst beendet ist), Präsident Medwedew eingeschaltet. Was wird der beim G8-Gipfel machen? Soll er überhaupt teilnehmen? Die Asahi Shimbun glättet die Wogen, wenn sie bemerkt, dass Dmitri Medwedew sich sehr viel versöhnlicher zu geben scheint als sein Vorgänger. Die Zeitung geht gewissermaßen auf Distanz zur Streitsucht.

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Kehrtwende backbord: wir befinden uns in Porto Rico, im Herzen der Karibik. In diesem, mit den Vereinigten Staaten frei verbundenen Staat - man bezeichnet ihn gern als den 51 Bundesstaat und die USA als Vormundsmacht - brennt die Hütte wegen neuerdings entdeckten Altertümern. Selbst der Miami Herald findet, dass dringend etwas getan werden muss. Der Fund war zufällig: die amerikanische Armee hatte ihre Ingenieure geschickt, um einen Deich zu bauen, der die Insel vor den immer wiederkehrenden Überschwemmungskatastrophen an ihrer Südflanke schützen soll. Die Bagger brachten Begräbnisplätze, Knochen, Reste von Mauern, Gegenstände des täglichen Lebens in unerwartet gutem Zustand ans Licht.

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Die stammen von den indianischen Taino- und Vor-Tainozivilisationen, die vor mehr als 500 Jahren endgültig untergingen. Bei den Taino handelt es sich um Untergruppen der Arawak aus Südamerika, die lange vor den europäischen Kolonisatoren herüberkamen. Weil die Armee die Reliquien gefunden hat, beansprucht Washington Grabung und Auswertung. Aber die portorikanischen Archeologen denken ganz anders. Die lokale Presse hat sich in Anschuldigungen geradezu überschlagen: die Wissenschaftler vom Kontinent würden ihnen ihre Geschichte rauben. In der Tat wurden die Funde unter dem Vorwand, dass die lokalen Infrastrukturen zu einer Analyse nicht in der Lage seien, nach Georgia geschickt. Auf beiden Seiten fürchtet man jetzt, dass der Streit zur Einstellung der Grabungen und Forschungen führe, vorallem aber, dass man die Grabungsstelle den Dieben überlässt. Bis dato, meint einer, "haben wir bei Ebay noch nichts gefunden!"

Das wärs, diese Streitereien überlasse ich jetzt Ihnen, in der Hoffnung, dass sie bis September, bis zu meiner Rückkehr aus den Ferien eine Lösung gefunden haben. Bis dahin muss die Welt ganz ohne meine Aufmerksamkeit auskommen. Einen schönen Sommer allen Bewohnern der Nordhalbkugel!