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Fast 15 Jahre nach seinem berühmten "Es war einmal die Bronx" steht der amerikanische Schauspieler wieder einmal hinter der Kamera. Diesmal für einen Film, der in Moskau nur Schlagzeilen machen kann. Der russische Titel steht der Originalfassung diametral gegenüber: englisch "The good shepherd" (der gute Hirte)wird zu "Die schlimmme Versuchung" in der Sprache Tolstois oder besser Berijas, denn es handelt sich um eine Geheimdienstgeschichte, genauer um die Geburt der CIA (1947)und die ersten Jahre des kalten Krieges. Zwei große russische Tageszeitungen, deren Titelseiten gewöhnlich von politischen Themen bestimmt sind, widmen diesem Film mehrere Seiten. Ein Film aus Hollywood, ein Blick auf quasi vorgeschichtliche Jahre, jedenfalls was die Lebensgeschichte des Regisseurs angeht. Die Zeitungen berichten von einem Interview mit ihm, das sehr überrascht. Wir erfahren da, dass Fantasien von der zweigeteilten Stadt (Berlin), von einer Mauer hinter der sich das sowjetische Imperium abzeichnete, seit langem jenen faszinieren, den man gewöhnlich mit Mafiageschichten in Verbindung bringt. In seinem eigenen Film spielt er die Rolle eines CIA-Generals und kommentiert: "ein Geheimagent muss verdammt schwer zu findende Eigenschaften haben; er muss dasein ohne dazusein, und das zugleich in Gestalt von zwei oder mehr Personen. Aber trotz Allem gibt es Berührungspunkte zwischen der Mafia und den Geheimdiensten: wenn Sie dazugehören, sind Sie Mitglied in einem Männerklub."

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Für seinen Film hat Robert de Niro sich mit früheren Spionen beider Seiten getroffen: in Moskau hat er Stunden mit ehemaligen Mitgliedern des KGB verbracht und gesteht seine Begeisterung: "ich bin faszinierenden Menschen begegnet, keinem Mythos, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die aufgrund der Situation in der sie sich befanden, zu Kämpfern wurden. Das Unglaublichste aber ist, dass die Ehemaligen beider Lager heute Zuschauer in einem Chaos sind, das sie sich nie hätten vorstellen können.

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Der Londoner Daily Telegraph beschäftigt sich mit einem anderen Film: ein etwas unscharfes Videoband aus einer der über das ganze Land verstreuten Überwachungskameras. Man erkennt eine Silhouette, von hinten, ein wenig links, schwarz, ganz in eine Burka gehüllt. Das Blatt schreibt dazu: die Burkabombe, als sei es in Anlehnung zur menschlichen Bombe. Die Maskerade wurde anlässlich einer Anhörung zur Untersuchung jener zweiten Attentatswelle in London am 21 Juli 2005 entschleiert, die glücklicherweise nicht stattgefunden hat: am folgenden Tag war ein 1,85 Meter großer Mann festgenommen worden, der von oben bis unten, einschließlich der Hände und der Arme, in das traditionell-moslemische Kleid gehüllt war. Zu seiner Verteidigung äußerte er, er habe "einfach wie eine Frau aussehen, sich wie eine Frau kleiden wollen und nichts weiter". Und dann sei, berichtet die Zeitung, Omar Yassin plötzlich vor denen, die ihn verhörten, in Tränen ausgebrochen: "was wird bloß meine Freundin dazu sagen, es wird ihr das Herz brechen". Darauf einer der Polizeibeamten : "die Opfer der Attentate vom 7 Juli haben in der Tat gebrochene Herzen".

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Auch der letzte Film, der diese Woche Schlagzeilen machte, ist ein wenig verwirrend, obwohl von erstaunlicher Präzision. Da sieht man einen Mann, eine Frau, beide jung, schön, lächelnd, das Leben noch vor sich, in einem schönen Kabriolet bei strahlender Sonne, sogar dem Objektiv, das sie verewigt, zugewandt. Doch wenige Sekunden später, im gleichen Amateurfilm, sind die beiden auf immer auseinander gerissen, der Mann auf dem Sitz zusammengebrochen, die Frau nach einem nicht vorhandenen Schutz suchend. Es handelt sich natürlich um das Attentat auf John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas (Texas). Gefilmt von einem Passanten, dessen Nachkommen den Streifen in Kopie dem Sixth Floor Museum in Dallas überlassen haben. Aber nicht nur die Bewunderer des toten Präsidenten "freuen" sich. Es scheint, dass alle CIA und FBI Agenten das Video immer wieder ansehen. Sie versuchen Schusswinkel zu bestimmen und suchen nach Spuren der Mafia oder des KGB, dieser Inkarnation des kalten Krieges. Für das Szenario des nächsten Films von Robert de Niro?