Ein Meeresarm trennt Florida von Kuba, ein stürmischer, eine Grenze, an der sich hüben und drüben die Klischees, die vorgefaßten Meinungen, brechen... Fidel Castro ist krank; Der älteste Revolutionär der Welt oder der älteste Diktator - je nachdem, wo man von ihm spricht - erschüttert noch einmal den Planeten, jedenfalls den der Presse... Berichte auf beiden Seiten der Meerenge, Fotografien mit ganz verschiedenen Legenden. Der Miami Herald zeigt in großer Aufmachung ein Bild von Demonstranten und erklärt, daß die Menschen bei der Nachricht vom baldigen Tod in Freudenschreie ausbrechen. Die gleiche Aufnahme (anderer Ausschnitt) in Granma oder Trabajadores, zwei kubanischen Tageszeitungen: Solidaritätskundgebungen in der ganzen Welt für den unsterblichen Máximo Líder...

Noch ein anderes Bild muß sehr häufig veranschaulichen, was ein nahes Ende sein könnte: die gebeugte Gestalt Fidel Castros, beinah gebrochen, teilweise verdeckt von einer Fahne (schon auf Halbmast?), den Ellenbogen auf etwas gestützt, was ein Stuhl sein könnte, den Kopf auf der Hand: Rodins erschöpfter Denker oder ein Betender (was für den "alten Genossen" der Gipfel wäre...). Auch diese Aufnahme geht um die Welt, Symbol mangelnder Phantasie...

So kommen einem lauter literarische oder sprichwörtliche Sätze in den Sinn: "Jeder sieht den Süden vor seiner Haustür", oder "Jedem seine Wahrheit..." oder auch "Wahrheit auf dieser Seite der Pyrenäen, Irrtum auf der anderen". Die Frage nach dem Autor dieses letzten Diktums bringt uns zum Anfang zurück: die Ansichten sind geteilt: war Montaigne der erste? Oder war es Blaise Pascal? Oder hat gar letzterer für seine "Gedanken" den Vorgänger plagiiert? Montaigne hätte übrigens "Falschheit auf der anderen" geschrieben - Nüance! Andere neigen eher zu Richelieu oder Voltaire - sei dem, wie es wolle...

Erinnern wir uns an jene "Wahrheit" auf einer Reklame für polnische Wodka: "von den Polen erfundenes und von den Russen kommerzialisiertes Getränk"! Eins ist sicher: Wodka sagt man auf russisch für "Wässerchen"...


Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592), Vater Pierre Jurist, Kaufmann, Amtsadel; Mutter Antoinette de Louppes de Villanueva wahrscheinlich aus sephardischer Familie. Sohn erbt das Richteramt, wird auch Bürgermeister von Bordeaux. Gibt, als der Vater 1570 gestorben war, alle Ämter auf und zieht sich auf Schloß Montaigne im Périgord zurück. Verfasser der berühmten "Essais" (Versuche) und des Tagebuchs einer Reise nach Italien über Deutschland und die Schweiz:
"Die Sprache, die ich liebe, ist einfach und natürlich: auf dem Papier nicht anders als aus dem Mund; eine Sprache voller Saft und Kraft, kurz und bündig, weniger geschniegelt und gebügelt als unverblümt und ungestüm;...fern aller Geziertheit, gewagt, ...nicht schulmeisterlich, nicht pfäffisch, nicht advokatisch, sondern soldatisch..."
War mit Marie de Gournay befreundet, übertrug ihr seinen literarischen Nachlass.

Blaise Pascal (1623-1663), Vater Jurist, Amtsadel in der Auvergne, später in Rouen und Paris, Mutter Antoinette Begon aus einer Kaufmannsfamilie. Blaise und seine Schwester Jacqueline leben seit 1647 in Paris, dort im Kreis um Port Royal, dem Zentrum der jansenistischen ((rationalistisch?-)orthodoxen katholischen) Theologie. Pascal konstruiert in mehreren Exemplaren eine Rechenmaschine, die "Pascaline", publiziert ab 1647 zu physikalischen (Vakuum und Luftdruck), dann zu mathematischen (Wahrscheinlichkeitsrechnung, Zahlenordnungen) Themen. Nach einem Erweckungserlebnis 1654 vorallem auch theologisch motivierte Schriften. Mit 18 fiktiven, satyrisch-polemischen "Briefen aus der Provinz" mischt er sich in den Streit der Jansenisten mit den Jesuiten ein. Notizen und Fragmente für eine großes Werk über Religion und Leben werden (erstmals) von Freunden nach seinem Tod als "Gedanken über die Religion und andere Themen" publiziert.

"Wodka sagt man auf russisch für ’Wässerchen’": nicht anders natürlich auf polnisch (wódka). Schnaps is Schnaps? Aus Getreide, aus Melasse, aus Kartoffeln, gefährlich selbstgebrannt, russisch Samogon, schwarz gebrannt oder offiziell versteuert, 20 prozentig mindestens seit dem 15ten Jahrhundert. Später, mit besseren Distillen, der heutige Standard von 40 Prozent. Seit Dmitri Mendelejeff (1834-1907) die Stopka: das Glas (oder den Becher) für die Einheitsmenge 100g, russisch sto gram...