Während die Götter der Stadien in Deutschland ihre Muskeln zeigen, steht auch anderswo, mehr oder weniger überall, der menschliche Leib im Mittelpunkt der Handlung (oder Mißhandlung?). In Israel kann man Haaretz lesen und konstatieren, daß höchstentwickelte Spitzentechnologie in den Dienst der ältesten der althergebrachten Praktiken gestellt werden kann. Die Ultra-Orthodoxen führen seit 40 Jahren einen Kampf gegen die forensische Autopsie. Sie mißachte die Menschenwürde. Seit ein paar Jahren verwendet nun die Polizei in der Schweiz und in England Utraschall und Scanner, Techniken, die die Leiche unversehrt lassen. Also wurde ein prominenter Wissenschaftler für ein Jahr aus Jerusalem nach London und Bern beordert. Doch die Religiösen wollen seine Rückkehr nicht abwarten, sie wollen die neuen Techniken sofort einsetzen. Vielversprechend seien die ja, hält die Verwaltung gegen, doch den Nachweis von Gift würden sie wohl schwerlich erbringen können.

Mancheiner mochte denken, der Körper, für diesmal der kranke, sei, was die Rinderseuche angeht, in Vergessenheit geraten. Aber nein, das englische Ärzteblatt The Lancet läßt in seiner neuesten Ausgabe einen der besten Prionenspezialisten wieder zu Wort kommen. Die Ergebnisse einer Studie zur Inkubationszeit bei Kuru sind alles andere als beruhigend. Kuru hat ähnliche Wirkung wie Creutzfeldt-Jakob. Eine Stammesgesellschaft in Neuguinea praktizierte seinerzeit einen rituellen Kannibalismus (sie aßen das Gehirn der Toten). Erste Symptome der Krankheit traten unter Umständen erst 50 Jahre später in Erscheinung. Die Rinderseuche könnte bei Menschen ähnlich lange Inkubationszeiten haben.

Zum Glück werden diesbezügliche Ängste zur Zeit durch H5N1 überdeckt, mit anderen Worten durch die Vogelgrippe. Allerdings kaum noch, denn die Hongkonger Tageszeitung South China Morning Post meldet, daß offenbar alles mit allem zusammenhängt: SRAS und H5N1 seien eng verwandt, der Medizin sei es gelungen, die Verbindung vom einen zum anderen nachzuweisen. Jetzt warten wir nur noch auf den Nachweis unserer Verwandtschaft mit den Rindern...

Wiederum andere Körper, diesmal die aufgedunsenen: in Australien und in Irland regt man sich über die zerstörerische Wirkung von Medikamenten bei Kindern und von Alkohol bei Frauen auf. Der Dayly Telegraph in Sidney fragt sich, was aus den Kinderleibern werde soll, die die von der Werbung bestochenen Eltern mit allen möglichen Vitaminen und magischen Pillen vollgestopft haben. Und der Dubliner Sunday Independent stellt fest, daß die Midlife-Krise mehr und mehr Frauen veranlaßt, vom täglichen Glas Wein auf die tägliche Flasche, oder gar derer zwei, überzugehen.

Fragt sich einer umsomehr, welchen Wein trinken wir überhaupt... Der Rebensaft versetzt ganz Europa in Aufruhr. Das portugiesische Blatt Publico ist in Alarmzustand, weil die Europäische Kommission 12 Prozent der Stöcke im Alten Europa vernichten will. Sie sollen den Importen aus der Neuen Welt Platz machen. Die Berliner Tageszeitung beschwört "Die große Panscherei", die da auf uns zukommt:
unser Bordeaux versetzt mit kalifornischem und chilenischem Roten?

Ja der Wein. Auch Prinz Viktor Emmanuel von Savoyen hat ihn wohl nicht verschmäht, ebenso wenig wie andere Freuden des Lebens und des Leibes. Schon seit einer Woche figuriert der Erbe der italienischen Monarchie auf allen Titelseiten der transalpinen Presse in der Schweiz und in Italien. Alle weiden sich am Feuilleton der Streiche seiner vermeintlichen Majestät: "Sex, Lügen und Video" in Anlehnung an den Titel von Söderbergs preisgekröntem Film. Der Prinz beichtet, die Italiener und die königliche Familie scheinen bereit ihm zu vergeben. Zumal er in seiner kargen Zelle in Potenza, der Hauptstadt der Basilicata, da im tiefen Süden, am Absatz des Stiefels, aus seinem Hochbett gefallen ist.

"Ich fiel parterre,/
schuld ist Voltaire;/
die Nas im Bach oh, oh,/
schuld ist Rousseau"


"Schuld ist Voltaire..." Populärer, dreistrophiger Nonsense-Reim, zu literarischer Berühmtheit gelangt durch Victor Hugo (1802-1885). In "Les Misérables" singt der Dieb Gavroche im revolutionären Pariser Studentenaufstand von 1832 verwundet noch die Strophen bis zum letzten Vers: ".. die Nas im Bach oh,oh, schuld ist..." (und sie verließen ihn...)

SARS: Severe Acute Respiratory Syndrom (Akutes, Schweres Atemwege-Syndrom), virale Erkrankung der Atemwege, übertragbar durch Tröpfcheninfektion. Beim ersten Ausbruch 2003 erkrankten laut WHO 8000 Menschen und 774 starben.