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Falls Sie wegen der Nachfolge für Fidel Castro, "lider massimo", beunruhigt sein sollten: ein kleiner Umweg durch die kubanische und venezolanische Presse wird sie beruhigen. Alle Zweifel verflüchtigen sich über der Lektüre der letzten Ausgaben und Sie werden überzeugt sein, dass der nächste Regierende in La Havana - Hugo Chavez sein wird (vorausgesetzt, dass nicht Castro die Macht in Caracas übernimmt: bei einem solchen Mann ist alles möglich, trotz seiner Gesundheitsprobleme).

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Gehen wir zunächst nach Kuba, zur Tageszeitung Granma, dem offiziellen Organ des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Cubas, wie man ehemals sagte (gar so lang ist es noch nicht her)... Granma(Großmutter) ist der Name des legendären Schiffs, das Mitte der fünfziger Jahre die Revolutionäre von Mexiko nach Cuba brachte. Also, auf der Titelseite der Ausgabe vom 25. Januar (aber auch auf fast allen anderen Titelseiten der Woche) sieht man Hugo Chavez, den gerade wiedergewählten Präsidenten von Venezuela, von vorn und im Profil und mit breitem Lächeln sowie ein Schriftstück, mit dem er offenbar sehr zufrieden ist. Dazu folgender Titel über die ganze Breite der Seite: Die Integration von Venezuela und Cuba wird stärker. Das spanische Wort "integracion" bedeutet auch Zusammenschluss.

Tatsächlich haben die Cubaner und die Venezolaner gerade eine Reihe bilateraler Verträge unterzeichnet. Zu Transport, Telekommunikation, Finanzen,Landwirtschaft, Industrie, Bergbau, Energie und Tourismus. Kurz, zu allen wesentlichen Lebensbereichen eines Landes. Mehr noch als über diese Anschluss-"Integration" hat sich Präsident Chavez über einen Brief von Fidel Castro gefreut, in dem ihm der Kranke, quasi aus der Agonie heraus, mit fester Hand, wie Chavez betont, versichert, "wir brauchen Dich, wir mögen Dich und ich hoffe, dass wir bald eines dieser Treffen haben werden, mit denen wir uns gegenseitig unterstützen!"

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Auf Seiten Venezuelas wird die "Integration" mit sehr viel gemischteren Gefühlen aufgenommen. In den Augen von El Universal, eine dem gegenwärtigen Machthaber wenig gewogene Tageszeitung, ist die Verlegung eines unterseeischen Telefonkabels von Caracas nach La Havana der erste Schritt zu einer Kubanisierung des Landes. Dringend müsse sich eine Widerstandsfront gegen die Kubanisierungspläne bilden. Diese Front hat sich in Washington, auf Initiative einer Gruppe junger, in den Vereinigten Staaten lebender Venezolaner schon formiert. Der Verein hat auch einen Namen: Solidarische Kraft... Sie bekennen, dass sie die Verbreitung des castristischen Modells in Lateinamerika via Hugo Chavez verhindern wollen und klagen die in Caracas arbeitende "Diktaturfabrik" an.

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Dagegen titelt El Nacional sehr viel regimefreundlicher und freut sich über die bevorstehende Abreise von 100 000 Venezolanern, die in Kuba die notwendige Infrastruktur schaffen sollen für die Entwicklung eines sozialen, volksnahen Tourismus. Die Venezolaner bringen ihre Logistik, die Kubaner ihre Fachkenntnis in Sachen Tourismus, der sich in den letzten Jahren auf ihrer Insel beträchtlich entwickelt hat. Bleibt die Frage: Was wird, wenn die beiden Länder sich vereinen, aus Guantanamo? Ein Naturschutzgebiet?

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Auf der Titelseite von La Presse, der Tageszeitung aus Quebec konnte man diese Woche, überrascht von vermeintlicher Offensichtlichkeit, lesen: "Es ist verboten, Frauen zu steinigen!". Wer würde nicht annehmen, dass so etwas in der "Belle Province" (Schöne Provinz) streng verboten ist. Wer hat also und warum geglaubt, an diese Offensichtlichkeit erinnern zu müssen?

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Die Geschichte kam in Hérouxville auf, einer kleinen Stadt (1300 Seelen)in der Mauricie (eine herrliche Region der Seen und Hügel im Westen der Region von Quebec). Es fing im Herbst an, mit der Debatte über das "accomodement raisonnable" (wörtlich: vernünftige Anpassung), in Kanada die Bezeichnung die das "miteinander Auskommen" definiert. Auf Anregung der Gemeinde hatte ein Stadtrat von Hérouxville eine Umfrage bei 196 seiner Mitbürger (/innen?) gestartet, mit folgenden Fragen, die unsere Kollegin Katia Gagnon in ihrem Artikel wiedergibt:" "Glauben Sie, dass Männer und Frauen den gleichen Wert haben?" Antwort: 193 Ja, ein Unentschieden, zwei Nein. "Würden Sie es hinnehmen, dass man ihnen den Weihnachtsbaum verbietet?" Einhellige Antwort: ein klares Nein. "Würden Sie hinnehmen dass der Alkoholkonsum gesetzlich verboten wird?" Ein klares Nein. "Glauben Sie, dass ein Krankenpfleger eine Frau pflegen kann?" 194 Ja. Und schliesslich die Hunderttausenddollarfrage: "Sehen Sie sich als Rassist?" Antwort: 196 mal Nein.

Gestärkt durch seine Umfrage hat der Stadtrat seinen Text zur Abstimmung und zur Annahme gebracht, der wie folgt die Normen festlegt: "Wir betrachten Männer und Frauen als gleichwertig. Daher kann eine Frau unter anderem: ein Auto fahren, frei abstimmen, Schecks unterzeichnen, tanzen, selbst eintscheiden. Wir halten für nicht zulässig, Frauen auf öffentlichen Plätzen zu steinigen oder zu verbrennen, sie mit Säure zu übergießen, sie zu beschneiden, usw., usw."

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Seither hat die Initiative im ganzen Land von sich reden gemacht. Menschenrechtler und Juristen sind beunruhigt... Das Rathaus erhält 300 Emails pro Stunde, Proteste und Zustimmung. Oh, ich habe eins ganz vergessen, eine Information, die von Mario Girard stammt und das Ganze erklärt: in Hérouxville leben, stellvertretend für die Immigration, eine Familie dominikanischen Ursprungs, ein Franzose, ein US-Amerikaner, eine Familie aus Neu-Schottland und dieser Spitzbube Samuel, 7 Jahre, mit ebenholzschwarzer Haut, adoptiert von einem Paar der Eingeborenen!