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Während Jelena Hochhäuser baut, beschäftigt sich Juri mit seinen Bienen. Das nenne ich ein modernes Paar: Madame strotzt vor Energie, macht Geschäfte und wird eine der reichsten Frauen der Welt, und Monsieur, weniger quirlig, kümmert sich um die Alten und die Behinderten und fabriziert Innenausstattungen. Manchmal baut auch er kleine Hochhäuser, kleine Skulpturen am Flussufer, labt sich im Übermaß an Leckereien und schimpft regelmäßig auf die Homosexuellen. Jetzt auf einmal wackelt das Paar, es gibt Interessenkonflikte und Monsieur wird vielleicht seine hohen öffentlichen Ämter verlieren. Sie denken, Sie seien in Frankreich, weil ihnen da was schwant? Und Sie sagen sich: na endlich, die Unmoral zahlt sich am Ende eben doch nicht aus. An diesem Punkt müssen wir dementieren: es ist die Rede von Moskau, Russland und nicht von Paris, Frankreich.

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Tableau: Zu meiner Linken also Juri Luschkow, Moskaus Bürgermeister, der seiner Hauptstadt wie ein Neureicher begegnet, nämlich regelmäßig mit ostentatorischem Luxus. Das passt ausgezeichnet, denn Jelena Baturina, seine Frau, ist eine Immobilienspezialistin ohne gleichen. Experten sagen, dass sie allein 10 bis 15 Prozent aller Immobilienprojekte Moskaus an sich bringen konnte. Zu meiner Rechten erhebt sich der Kreml über Moskau, die gewichtige rote Festung, in der heute Dmitri Medwedjew lebt und gestern Wladimir Putin lebte. Gegenüber am Horizont die Wahlen 2011 (auf lokaler Ebene) und 2012 (die Präsidentenwahl). Unsere "teure Jelena" (Titel eines wenig schmeichelhaften Fernsehfilms des Senders NTV) meint offenbar, das gut funktionierende kleine Familienunternehmen sei zwischen die Fronten geraten, des Krieges nämlich, den sich der Präsident und sein Premierminister liefern. Aber nein, ich sag es noch einmal: wir befinden uns an den Ufern der Moskwa und nicht der Seine!

Herr Medwedjew, der Präsident, bediene sich demgemäß der alten Freundschaft, die den Bürgermeister mit dem ehemaligen Präsidenten aber auch zukünftigen Kandidaten (ich hoffe, Sie können mir noch folgen) verbindet, um das Ansehen seines immer noch sehr beliebten Rivalen, des gegenwärtigen Premierministers zu untergraben (der nämlich gerade quer durch ganz Russland gefahren ist und zwar eigenhändig am Steuer seines Autos, ja, ja, ...). Also tritt Wladimir Putin der üblen Nachrede entgegen und weigert sich, seinen alten Kumpanen (Luschkow ist 74 Jahre alt) zu empfangen.

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Derweil erhalten "Investigations-" Journalisten aus sicheren, regierungsnahen Quellen sauber zusammengestellte Akten (noch einmal: wir befinden uns in Russland und nicht in Frankreich!) und enthüllen jeden Tag neue Immobilienmachenschaften des Stadtregentenpaares. Und plötzlich reisen Juri und Jelena (die sich seit 20 Jahren lieben, also ungefähr seit er Bürgermeister ist) in Ferien in ein Touristenzentrum in den österreichischen Bergen, dass Madame gebaut hat und feiern den 74. Geburtstag von Monsieur. Böse Zungen behaupten, diese Reise sei nicht ganz freiwillig unternommen worden und es sei nicht auszuschließen, dass der populäre Bürgermeister vor seiner Rückkehr zurücktrete... Wenn ihn nicht gar der Präsident seines Postens enthebt. Und wenn er nicht plötzlich und passenderweise das Zeitliche segnet.