Selbst jemandem mit einer Vogelphobie, wie mir, kann dies Bild im West Australian nicht entgehen: tief im Schnabel eines Pelikan (in diesem "Speiseschrank" für die Kleinen) hat sich eine Taube eingenistet. Allerdings schaut sie etwas merkwürdig aus, das Verschachtellungsspiel scheint ihr nicht ganz geheuer... Das Blatt stellt die einzig relevante Frage: Werden die beiden danach noch miteinander auskommen?

Das Foto hat mich augenblicklich auf die andere Seite der Erde befördert, wo zwei seit geraumer Zeit wie die russischen Matrioschkas mit einander verschachtelte Persönlichkeiten in den letzten Tagen die Zeitungen ihrer Länder füllten: Wladimir Wladimirowitsch Putin, Präsident der Russischen Föderation und Gerhard Schröder, letzter deutscher Kanzler vor Angela Merkel. Ich überlasse es Ihnen, zu raten, wer die Taube sein könnte...

Gerhard Schröder hat also seine Erinnerungen veröffentlicht, und kaum ist das Buch "Entscheidungen, mein Leben in der Politik") erschienen, steht es bereits an der Spitze der Verkaufslisten jenseits des Rheins. Man muss dazusagen, dass die Presse aussergewöhnlich viel Werbung für die Neuerscheinung gemacht hat: ganze Seiten in Der Spiegel, Titelseiten in mehreren Tageszeitungen (bis hin zum tschechischen Dnes (Der Tag)), darunter die provokante der tageszeitung (ikonoklastisch wie immer): ein Bild des ehemaligen Regierungschefs, wie er geniesserisch an einer Zigarre (gewiss ein Geschenk seines Freundes Wladimir) zieht. Dazu die Überschrift "Mein Dampf", womit ziemlich unfreundlich und übertrieben auf ein anderes, finster-berühmtes Werk Bezug genommen wird.

In den meisten Fällen gehen die Journalisten auf das ein, was er über andere Grössen dieser Welt geschrieben hat: "in unseren privaten Gesprächen kam die Gottesfurcht von George Busch andauernd zum Vorschein". Im Gedanken an die Fabel vom Pelikan und der Taube beschäftigt uns jedoch vorallem das Lob für seinen Freund Wladimir Wladimirowitsch, dessen Bescheidenheit ihn regelrecht betroffen machte: "Dieser Mann, ein sensibler Gastgeber, mit seiner lebhaften Klugheit, seiner guten körperlichen Verfassung, bringt es fertig, Russland wieder als eine Weltmacht aufzubauen, die von gleich zu gleich mit den Vereinigten Staaten verhandelt." Die Blätter betonen natürlich alle auch, dass der Ruheständler im Aufsichtsrat des militärisch-industriellen und Medienkonzerns Gazprom sitzt. Da sind wieder die Matrioschkas, verschachtelt, so passend wie es nur geht. Denn genau zu diesem Gazprom hat der russische Präsident sich gerade wieder einmal geäussert. Nein, er hat nur sehr intensiv zum Thema nachgedacht.

Ist das Ironie, wie die Moskauer Nachrichten vom fünften Telemarathon Vladimir Putins (den das Blatt in seiner englischen Version als "Klassenbesten" apostrophiert) berichten? Das Prinzip der Sendung ist dies: drei Stunden lang befragen Fernsehzuschauer und Websurfer life in den öffentlichen Fernseh- und Radioprogrammen ihren Präsidenten (wobei die Vorauswahl etwas dunkel bleibt, denn nur 53 kommen zum Zug). Mittendrin stellt ein zaghafter Dorfbewohner aus dem Ural die erschreckende Frage: "2008 werden Sie gehen, was wird dann aus unserem Land?" Tatsächlich kann ein russischer Präsident, im Gegensatz zum lieben Frankreich, nur einmal in Folge wiedergewählt werden.

Die Antwort ging um die Welt, auf den Titelseiten der Financial Times, der Süddeutschen Zeitung oder der Herald Tribune: Wladimir Putin bleibt nach 2008 ein Mann von grossem, ja sehr grossem Einfluss, nur nicht an der Spitze des Staates, denn die russische Verfassung will er nicht ändern (eine der besten Biographien Putins schrieb Andrew Jack, ehemaliger Moskauer Korrespondent der Financial Times: "Inside Putin’s Russia"). Wo also, wo kann
er noch einflussreicher sein, als im Kreml? Gut informierte Kreise behaupten: an der Spitze von Gazprom. Der Präsident gesteht, das er sich sehr zu den Medien hingezogen fühlt. Er scheint die Presse zum Fressen gern zu haben.

Weit, weit weg von den höchsten Kreisen der Macht ist eine arme und teilweise verlassene Gegend plötzlich in den Medien wieder aufgetaucht, zuerst im eigenen Land, dann weltweit. Seit ein paar Monaten streiken die Lehrer im Staat Oaxaca, im Süden Mexikos, für höhere Gehälter und bessere Bildungschancen der Kinder, in grosser Zahl indianischer Herkunft, und vorallem für den Rücktritt des Gouverneurs Ulisses Ruiz von der Partei der Institutionellen Revolution (institutionell und Revolution - gibt das nicht zu denken?), eines korrupten Mannes mit verschwenderischem Lebensstil. Fünf Monate Streik, politischer Aufstand nach dem Muster des Kommandanten Marcos, Besatzungsregime und Unterdrückung, und am Ende ein Politischer Engpass, der mehrere Tote fordert, die Macht gespalten zwischen dem bisherigen Präsidenten und einem anderen, für den gewählt wurde, der aber angefochten ist, weil unterlegen, und noch einem abgeschlagenen, der sich mit seinem Schickal nicht abfinden will...

Noch weiter südlich gibt es, diesmal zum Glück, Lebewesen, niedliche Neugeborene auf unserem durcheinandergeratenen Planeten, die in Venezuela, Brasilien und selbst in Neuseeland - also nicht weit von unseren anfänglichen Flügeltieren entfernt - Schlagzeilen machen: Das eine braun, wie ein frischgebackenes Brötchen, das andere weiss und blond, wie ein zuckersüsser Baiser. Und diese beiden, die noch nicht ahnen, wo sie angekommen, sind Zwillinge - einmal in einer Million gibt es die wunderbare Mischung - : "das eine liebt Papa, das andere ist süchtig nach seiner Mutter", schreibt der New Zealand Herald etwas dümmlich. Das Zwillingsphänomen hat oft die Literaten fasziniert. Diesmal geriet es den Rassentheorien zum Hohn und brachte sie Lichtjahre weit auf Abstand.

PS: Hier noch einmal (wie schon vor einer Woche) der Hinweis: Sollte Ihnen das Blog gefallen, können sie ihm Ihre Stimme geben. Und danke für Ihre Kommentare...


"Die aller erste Puppe wurde 1895 vom Maler Maljutin gemacht, der ihr den unter den Bauern verbreiteten Mädchennamen Matrjona gab, die Verkleinerungsform - „Martioschka“. 1900 wurde sie in der Weltausstellung in Paris gezeigt und ist seit dieser Zeit berühmt geworden. Man erzählt, dass ein Prototyp dieser Puppe ein chinesisches Spielzeug war, das eine russische Gräfin aus China mitgebracht hatte. Das war eine bemalte Kugel, in der noch eine Kugel war." (Aus einer Website) Andernorts auch: "Die aus Lindenholz geschnitzten Puppen, die sich als Spielzeug wie als Souvenir großer Beliebtheit erfreuen, gehen auf die japanische Fukuruma (benannt nach Fukurokuju (Gott der Weisheit, des Glücks und des langen Lebens d.Ü.)) zurück, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Russland eingeführt wurden. Da sich zerlegbares Spielzeug in Russland bereits einiger Beliebtheit erfreute, fertigten 1890 dann Wasilij Swjösdotschkin und Sergej Maljutin die erste Matroschka, die im roten Sarafan ein typisch bäuerliches Weib darstellen sollte."

Sergej Maljutin (1859-1937) begann seine Malerei in der Gruppe der "Peredwischniki" ("Wanderer", erste moderne Freiluftmaler (ca 1870) in Russland). Die Museen zeigen Portraits, Landschaften, Illustrationen, bekannt auch sein Bildnis des Dichters Walerij Brjussow von 1913.

Im New Zealand Herald vom 27.10.:
"They are the one-in-a-million babies. Kaydon Richardson is black. His twin brother Layton is white. The boys were born in Middlesbrough, England, on July 23 - four weeks prematurely - with Layton weighing 2.83kg (6lb 4oz) and Laydon, who arrived 20 minutes later, 2.97kg (6lb 9oz)."