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Alle drei Jahre, sei es in China oder in Österreich, in den Vereinigten Staaten oder in Belgien, Finnland, Mexiko, ringt man die Hände in Verzweiflung beziehungsweise kräht wie die Hähne, je nach dem, wie man in der neuesten Pisastudie plaziert ist. Pisa ist hier nicht eine alte italienische Stadt mit einem ewig schiefen Turm, sondern die Abkürzung des Titels einer statistischen OECD-Studie (Programme for International Student Assessment). Egal ob über den grünen Klee gelobt oder kritisiert (wie es scheint zu Recht wegen ihrer produktivistischen Ausgangsbasis), jedesmal provoziert sie Selbstgeissellung oder Anfälle von Nationalstolz.

Es scheint, als käme keine österreichische Tageszeitung über den Schock hinweg, dass das Land zum Beispiel, was das Lesen angeht, vom 22ten auf den 39ten Platz zurückfiel. oder auch vom 18ten auf den 24ten in Mathematik. Gleichermaßen seufzen die französischsprachigen Belgier, weil sie immer noch unter "ferner liefen" rangieren... Dagegen geben die Finnen und die Koreaner die Bescheidenen, obwohl sie wiederum die Spitze der Spirale bilden von 34 Migliedstaaten der OECD und 41 Partnerwirtschaften, die sich der Studie angeschlossen haben.

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Die finnische Tageszeitung AAmulehti schreibt: "eine/r von 10 Jugendlichen in Finnland ist so schwach im Lesen, dass sie/er es später schwer haben wird, eine Arbeitsstelle zu finden. Obwohl Finnland überdurchschnittlich plaziert ist. " Überdurchschnittlich plaziert? Allerdings! Nämlich mit 536 Punkten und dem 3ten Platz in Mathematik, in den Naturwissenschaften, in der Textanalyse. Gleich hinter den jungen Koreanern (Südkoreanern) und den Chinesen in Shanghai, wo das Erfolgsrezept in der Forderung "die besten Lehrer gehören in die schwierigsten Schulen" zu liegen scheint.

Niemand kommt aber auf eine doch sehr wesentliche Schlussfolgerung aus dem Abklopfen von 15 jährigen Schülern zu sprechen, auf ein Ergebnis, das eindeutig und weltweit zurtrifft: "Im Verständnis von Texten sind die Mädchen in allen teilnehmenden Ländern den Jungen voraus". Die Autoren der Studie insistieren sogar in diesem Punkt: "Über weite Strecken des 20ten Jahrhunderts haben sich die Entscheidungsträger in Sachen Bildung besonders über mäßige Ergebnisse bei den Mädchen im Geschlechtervergleich Sorgen gemacht. Jetzt dagegen beunruhigt die mäßige Vorstellung der Jungen in Sachen Textverständnis. (.../...) Die Mädchen übertreffen die Jungen in allen Teilnehmerländern um mehr als ein halbes Kompetenznivequ d.h. um ein Jahr Schulbesuch.

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Und darüberhinaus haben die jungen Herren, da wo sie bisher glänzten, in Mathematik, nur noch einen winzigen Vorsprung vor den Mädchen.

Im übrigen bestätigen die Pisa-Verfasser, dass das Niveau nicht mehr vom Reichtum eines Landes abhängt. Zwei Länder mit gleichem Wirtschaftprofil können in der Klassifizierung zu Antipoden werden, während ein armes oder Entwicklungs- Land brilliante Ergebnisse zeigen kann.

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Denn Pisa untersucht nicht nur Anhäufung von Wissen, sondern "die Fähigkeiten der Jugend im Hinblick auf die Herausforderungen der realen Welt". Viele haben bemerkt, dass das Vereinigte Königreich oder Frankreich weit hinter zum Beispiel Estland liegen. Und schließlich können die Länder des fernen Ostens jetzt nicht nur auf ihre unerhörten zweistelligen Wachstumsraten stolz sein, sondern auch auf ihre Bildungserfolge. Japan, Singapur, Hongkong, Südkorea, China mit Shanghai teilen sich die vorderen Plätze in allen Fächern. Chester E. Finn, der in der Administration Ronald Reagan im Erziehungsministerium tätig war, warnt uns: "Ich habe gesehen, wie die Chinesen zu ihren Ergebnissen kommen. Was sie in Shanghai bis 2009 für ihre Schüler tun konnten, werden sie in 10 Großstädten 2019 erreicht haben und 2029 in 50 weiteren !" Wir werden sehen, was sein wird! Jedenfalls werden nicht die Formen von Sparpolitik die Tendenz umkehren, die in Europa zur Zeit die Mode sind.