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Es ist ein wundervolles, fünfhundert Jahre altes Stück, das da in voller Breite die Titelseite der kanadischen National Post schmückt... Die erste Karte unserer guten alten Erde, 1507 gezeichnet, die Amerika beim heutigen Namen nennt. Ein deutscher Mönch stellte das Patchwork aus 12 Tafeln seinerzeit her, es kam jetzt für die bescheidene Summe von 10 Millionen Dollar aus den Archiven der Fürstenfamilie Waldburg-Wolfegg (Süddeutschland)in die Hände der Library of Congress, wo es von jetzt ab ausgestellt wird. Die Karte gibt den Geographen einige Rätsel auf: Warum hat der Kartograf, bevor er sichs bald darauf anders überlegte, das Wort Amerika benutzt? Wie konnte er Südamerika so genau zeichnen? Woher wußte er, dass er entlang der Westküste Amerikas einen riesigen Ozean einzutragen hatte, bevor europäische Kundschafter den Pazifik entdeckten? Wirklich ein Visionär, dieser Deutsche...

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Ganz wie Angela Merkel, ebenfalls aus Germanien, die soeben den vollkommenen Mittelpunkt entdeckt hat. Die deutsche Kanzlerin stellte beim vergangenen Parteitag ihrer Partei der Christdemokraten ihre neue Geometrie vor. Sie verwies ihren sozialdemokratischen Rivalen nach links und entschied, dass von nun an sie, die "Puddingprinzessin" wie die Tageszeitung sie nennt, der Mittelpunkt von allem sei. Die Tagespresse auf der anderen Rheinseite stürzte sich mit großem Vergnügen auf das Thema und machte Angela Merkel unsterblich als eine Art festen Kreisel, der vor lauter Gleichgewicht quasi abhebt... Auch hinsichtlich jener anderen Äußerung Merkels können sich die Journalisten kaum genug tun : "wir müssen bis zur linken Mitte reichen"
schloss sie in ihrer unwiderstehlichen Geometrie. Ein Leitartikler der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigt: Die CDU ist die Mitte und in der Mitte der CDU steht Angela Merkel.

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Auch auf der internationalen Bühne sucht die Kanzlerin ihren Schwerpunkt: am Montag stößt sie im Osten Präsident Putin vor den Kopf, indem sie lebhafte Kritik an den Parlamentswahlen äußert und sich über Hinterlist und Gemeinheiten rund um die Urnen einer "weder freien, noch demokratischen" Wahl beschwert. Am Freitag stellt sie im Westen ihrem Freund Nicolas Sarkozy ein Bein, indem sie ohne Vorbehalt Kritik an dessen Projekt einer Mittelmeerunion übt, das nach ihrer Meinung eine Gefahr für Europa darstelle, weil es Deutschland weit weg von dem umworbenen Zentrum auf Osten und Norden verweise. Und am Sonntag schließlich reitet sie ganz im Süden ihre Attacke: Bei der Vollversammlung des Gipfels von Lissabon beklagt sie sich über den Zimbawer Robert Mugabe, er "schade dem Image des neuen Afrika". Bei derartiger Schnelligkeit kann man ihr nur wünschen, dass sie das Gleichgewicht nicht verliert...


Der Kartograf Martin Waldseemüller (ca 1470-1522, wahrscheinlich aus Freiburg im Breisgau) und sein Freund, der Philologe Mathias Ringmann (1482-1511, aus Eichhoffen/Alsace) kannten sich vom gemeinsamen Studium in Freiburg. Gemeinsam zogen sie nach St. Dié-des-Vosges in der Lorraine und lehrten am dortigen Klostergymnasium, einem humanistischen Zentrum, der eine Mathematik und Geographie, der andere Latein. 1507 veröffentlichten die beiden sowohl die Weltkarte (Holzschnitt, 1000 Exemplare), wie einen kleinen Globus. Sie zeichneten Amerika als neuen Kontinent und gaben ihm den heutigen Namen zu Ehren Amerigo Vespuccis. Nach Ringmanns Tod hat Waldseemüller offenbar vom Konzept einer "Neuen Welt" Abstand genommen. Auf einer 1513 veröffenlichten Karte folgt er der Vorstellung Christoph Kolumbus’ von einem "Westindien" und bezeichnet das Land als "Terra inkognita".