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Zwei Geschichten von diesem Wochenende, die eine in Spanien, die andere in Australien. Beide berichten auf jeweils ihre Weise aus einer Kraft- oder Machtwelt übermäßig schwellender Bizepse, aus einer Männerwelt. Aus Madrid berichtet El Pais, scheint’s die beste Tageszeitung der Welt, jedenfalls aber eine der reichsten an Gegenständen und Beiträgen, von den letzten Augenblicken eines Gerichtsverfahrens. Illustriert mit verwaschenen Bildern. Der Angeklagte ist ein Militär, ein merkwürdiger Soldat, sorgfältig kahlgeschorener Schädel, angeklagt des Mordes an einem 16-jährigen Jungendlichen, vor aller Augen in einem Wagon der Untergrundbahn von Madrid. Der Staatsanwalt forderte 17 Jahre Gefängnis. Aber El Pais, der die Strafe etwas zu gnädig vorkam, brachte eine wesentliche Neuigkeit zu Tage: verwackelte, auseinander gerissene Aufnahmen des Mordes aus den Überwachungskameras der spanischen Stadbahnen. Auf ihrer Webseite kann man sogar das vollständige Video sehen. Obwohl El Pais alles andere ist als ein Sensationsblatt. Ganz im Gegenteil: in ihren Spalten herrschen Nüchternheit und Strenge. Warum also diese Skandalfotos auf der Titelseite? Der Redaktion scheint offenbar Dringlichkeit geboten in diesem Land, in dem der Faschismus keine Remineszenz aus fernen Zeiten: in der verhandelten Affäre tritt eine extreme Rechte zu Tage, die sich sehr selbstsicher und ultra - gewalttätig gibt.

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Am 11. November 2007 sind rassistische und faschistische Demonstranten in der Metro auf dem Weg ins Herz der Hauptstadt. Ganz legal. Unter ihnen Josué, ein muskulöser Rekrut im emblematischen T-shirt der Nationalisten. Beim Betreten der U-Bahn spielt er mit einem Rasiermesser und einem Dolch. Gleichzeitig haben jugendliche Gegner beschlossen, gegen eine Gewaltdemonstration zu protestieren, für die sich die übrige Halbinsel nicht zu interessieren scheint. Unter ihnen Carlos, kaum der Kindheit entwachsen, in roten und scharzen Klamotten - in den den Anarchisten teuren Farben. Auch er nimmt die Metro. Er steigt in den gleichen wagen ein wie Josué und seine Kumpane, die schon ziemlich angetörnt sind. Carlps glaubt sich stark und zieht an Josués Jacke. Da stößt der ohne Vorwarnung seinen Dolch dem Carlos ins Herz, 7 cm tief in die linke Ventrikel und wirft ihn aus dem Wagon. Der ganze Vorgang hat nicht einmal 10 Sekunden gedauert. Es ist 12h 56’ 21" auf den Überwachunskassetten. Niemand bewegt sich. Das scheint auch das zu sein, was El Pais anprangert: eine lokale oder landesweite Indifferenz den Neofaschisten gegenüber, die, wenn sie nicht Jagd auf Immigranten machen, sich an anderen auslassen. Jetzt skandieren die Demonstrationszüge der Alternativen, die sich gegen die Allgegenwart von Kommandos der extremen Rechten wenden, ohne Unterlass den Namen von Carlos.

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Auch The Age, eine der ältesten Zeitungen (1854 in Melbourne gegründet) zieht für gewöhnlich ihre Leser nicht mit spektakulären Titelseiten an. Aber, siehe da, hier erscheint in Schlagzeilen ein Sujet, das eigentlich den Boulevardmagazinen vorbehalten ist: man sieht das Foto von einem eher kräftigen Schönling, dessen erfreuter Blick sich in einem Blumenteppich verliert. Titel: Menschen männlichen Geschlechts riskieren ihre Gesundheit, um jung zu bleiben. Der, der da so lässig und arrogant posiert, ist ein 77 jähriger Arzt, der Dr. John Levin, der vorgibt, wie 50 auszusehen, während der Eindruck eher der einer welken Schönheit ist, und der bekennt, dass er sich regelmäßig HGH injiziert, das menschliche Wachstumshormon, das normalerweise nur Kindern gegeben wird, die an Zwergwuchs leiden. Diese, in Australien - und übrigens überall auf der Welt - untersagte (jedoch im Internet erhältliche) Medikation, wird in zunehmendem Maß von Praktikern verschrieben, die bei Klienten auf der Suche nach dem Jungbrunnen keine Skrupel kennen. Im Land der Kängurus belaufen sich die Kosten angeblich auf 15 000 Dollar pro Patient und Jahr in der Klinik und auf bis zu 50 000 Dollar auf dem Schwarzmarkt. 70% der Kunden, die sich verführen lassen, sind Männer ab 35 auf der Suche nach olympischer Form und erhöhten sexuellen Fähigkeiten.

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Ein von dem Hormon abhängiger Bodybuilder, die Rede ist allerdings von der tierischen Variante aus Pferden oder Schweinen (der Kerl hat offenbar keine Angst vor dem alten Creutzfeldt-Jakob...), freut sich über eine mit Amphetaminen vergleichbare Wirkung, die ihm ermöglicht, seine sexuelle "Höchstleistung" auf bis zu ...dreimal pro Tag zu steigern.