JPEG - 49.6 kB

In Belgien passieren dieser Tage komische Dinge, nicht nur in der Politik. Die Geschichte, die uns interessiert, spielt im französischsprachigen Raum. Seit einer Woche zeigen uns Zeitungs- wie Fernsehmeldungen nächtliche Bilder von in Decken gehüllten Frauen und Männern, die notdürftig auf der Straße kampieren. Es sind weder Obdachlose, noch Streikende, sondern Eltern von Schulkindern! Ein vor kurzem in Kraft getretenes Dekret liberalisiert die Zulassung zu den Schulen: die Eltern können jetzt die Schule für ihre Kinder wählen, und für die Einschreibung gilt: "wer zuerst kommt, der zuerst malt", und kein weiteres Auswahlkriterium. Die Maßnahme sollte die Verteilung auf die Schulen erleichtern und die soziale wie kulturelle Mischung fördern.

JPEG - 19.1 kB

Das Ergebnis ist leider fast das Gegenteil: die eifrigsten Eltern, also meistens die sozial und intellektuell besser ausgerüsteten, stürzen sich auf die "besten" Schulen. Sie waren es, die man da, halb lachend, halb wütend, auf den Bürgersteigen der großen Städte sitzen sah. Die Thermosflasche in der Hand warteten sie auf die Öffnung der Einschreibbüros, wie jugendliche Fans vor dem Konzert ihres Idols. In der Libre Belgique äußert sich ein Soziologe sehr streng zur neuen Regellung: "Es wird einen übertriebenen Wettlauf um die sogenannten "guten" Schulen zwischen den Familien geben. Damit stärkt man das Gefühl eines Dschungel kamfs und die Vorstellung, dass es gute Schulen gäbe und andererseits schlechte, denen es um jeden Preis zu entkommen gälte." Dutzende von Einsprüchen gegen das neue System sind jetzt schon anhängig.

JPEG - 270.2 kB

Die Eltern, die da nachts der Kälte und den Unbilden des Wetters trotzten, hatten reichlich Zeit, sich den Sternenhimmel anzusehen. So wie es Chinesen und Südafrikaner in dieser Woche taten. Erstere haben den Mond bewundert, um sich in ihrem Ruhm zu "sonnen". Premierminister Wen Jibao selbst enthüllte die hochauflösenden Mondfotos, die der Chinesische Satellit Chan’e 1 liefert. Der Welt sollte gezeigt werden, dass das Reich der Mitte es besser kann als das Reich der aufgehenden Sonne. Zwei Wochen zuvor hatte nähmlich ein japanischer Satellit einen Erdauf- und Untergang aufgenommen, wie er vom Mond aus zu sehen ist. Das Bild der Chinesen zeigt ein 460 km langes und 280 km breites Stück Mond in der Nähe des Südpols unseres Satellitens in verblüffender Schärfe. Der chinesische Nationalismus entspricht natürlich nicht dem Geschmack der Japaner, die nichts besseres zu tun haben, als sich über sie lustig zu machen: "Chinesen sind mit Parolen und Lobeshymnen zufrieden, Japaner wollen mehr!"

JPEG - 26.2 kB

In Südafrika schaute man auf Venus. Die europäische Sonde Venusexpress, die erste Reise der europäischen Raumfahrtagentur zu unserem Morgen- und Abendstern, erwies sich als sehr vielsagend. Aber auch als erschreckend. Das Porträt, das die Sonde liefert, zeigt alle Zeichen eines fürchterlichen Chaos. Ein lebendiges Gestirn, von Blitzschlägen und elektromagnetischen Entladungen geschüttelt. Wissenschaftler haben daraus geschlossen, dass Venus früher, in unfassbarer, weil so weit zurückliegender Vorzeit, einmal hätte von Wasser bedeckt sein können, von Ozeanen so weit das Auge reicht, um dann durch einen enormen Treibhauseffekt auszutrocknen. Jedwede Ähnlichkeit mit einem anderen Planeten ist natürlich rein zufällig...