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Selten, dass Zeitungen auf der Titelseite von anderen als den eigenen Ländern schreiben oder sich für die internationalen Beziehungen interessieren. Damit es dazu kommt, braucht es schon einen elften September oder es muss sich um China handeln. Der riesige Nachbar gleicht einem ebenso anziehenden wie abstoßenden Magneten. Und siehe da, die Asahi Shimbun, die, obwohl ein äußerst serieuses Blatt, auch nicht von der Regel der herrschenden Mediennationalismen abweicht, interessiert sich für den Kossowo, für eine Landschaft, kleiner als die Schweiz, die vorläufig noch nicht einmal ein Staat ist. Fünf Kolummnen auf der Titelseite widmet die japanische Zeitung dem Besuch des albanischen Premierministers bei seinem japanischen Amtskollegen. Sali Berisha ist der eifrigste Unterstützer der Unabhängigkeit; wenn es ihm nach geht, gibt es die für das albanischsprachige Territorium noch vor Ende des Monats und er erhielt von Yasuho Fukuda eine Garantie für Frieden und Souveränität aller Balkangesamtheiten. Schon sehen wir die Bataillone Nippons bereit zum Einsatz für die Kossowaren... Man ist perplex: hatten nicht schon die Europäer mit ihrer stürmische Einmischung in dieser Frage die Tendenz, Öl aufs Feuer zu gießen? Wenn jetzt auch noch die Japaner sich einmischen...

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Gleichfalls in Asien, aber weiter westlich, regte sich die DNA (Daily News and Analysis) diese Woche über die Kältewelle in Bombay auf: 8,5°, die niedrigste, jemals im Februar aufgezeichnete Temperatur in dieser Megalopolis, 7° unter dem Mittelwert. Die Zeitung unterstreicht die Nachricht mit Fotografien einer Anzahl von Kopfbedeckungen mit denen der Kälte zu begegnen wäre. Wie das? Die lamentieren da, weil es 8,5° hat? Man möchte sie zu uns einladen, in unsere Breiten des doch gemäßigt genannten Klimas, wo das Thermometer noch vorige Woche auf 0° sank... In Wirklichkeit und mit größerem Ernst mach sich das Blatt Sorgen über die sehr starken Temperaturschwankungen von einem Tag zum anderen, über Amplituden von 20° über einen Zeitraum von 48 Stunden. Die Inder sind absolut nicht auf dies launische Wetter vorbereitet. Achtung Globale Erwärmung, sagt man dann, aber die kommt hier als Abkühlung an...