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Schon bevor es überhaupt gebaut ist, fließt für ein Denkmal sehr viel Tinte. Das weiße Kreuz, Wahrzeichen eines Landes, wird aus Glas auf einem Sockel aus Dolomit schweben. Das Ensemble wird 28 Meter hoch gen Himmel ragen, so hoch wie ein achtstöckiges Gebäude... und es wird 90 Tonnen wiegen. Der Aufbau wird die wiedergewonnene Freiheit Estlands symbolisieren, die Freiheit der kleinen baltischen Republik, die fast fünfzig Jahre lang unter dem Joch der UdSSR gelebt hat. Nicht zum ersten Mal ist hier ein Denkmal Gegenstand einer Polemik. Man wird sich an die diplomatischen Spannungen erinnern, als der russische Bronzesoldat, das Denkmal für die sowjetischen Opfer des zweiten Weltkriegs, versetzt wurde.

Den Autoren des Entwurfs zufolge soll es ein luftiges Denkmal werden, frei von jedem Gedanken an Tod und Gräber. Tatsächlich aber lässt das nationale Kreuz vorallem an Nationalstolz denken und verdeckt den Freiheitsgedanken. Künstler und Politiker mögen sich auf gläserne Transparenz einigen, aber was durchscheint an diesem ganzen Denkmal, das zum 90ten Geburtstag der Republik Estland eingeweiht werden wird, ist der Nationalismus. Oh Freiheit, wieviel Unpassendes entsteht doch in deinem Namen!

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War er Flame oder Wallone, der kleine Junge, der, ein paar Tage alt, in die Babybox einer flandrischen Gemeinde gelegt wurde. Ganz Belgien war von dem Ereignis berührt, wenigstens einmal wieder waren französisch- wie niederländischsprachige Zeitungen auf gleicher Wellenlänge. Schon vor sieben Jahren war die Babybox unter großen Schwierigkeiten eingerichtet und seither nie in Anspruch genommen worden. Eine Frau in Not, und sicher in großer Not, kann ihren Säugling da hinein legen. Es wird telephonisch ein Alarmruf ausgelöst und für das Baby wird gesorgt bis seine Mutter wieder- oder eine Adoptivfamilie gefunden ist.

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Thomas De Kleine (das ist sein vorläufiger Name) ist wohlauf und in Belgien denken viele, dass man die Einrichtung ausbauen sollte wie in Italien oder Deutschland , wo schon 300 Säuglinge aufgenommen wurden. Können Sie sich vorstellen, was die Folge war? Ein Streit zwischen zwei Lagern in Belgien: diesmal nicht zwischen Wallonen und Flamen, sondern zwischen Befürwortern und Gegnern der Babybox: die einen sehen in ihr den Ausweg für bestimmte junge Frauen, die sich nicht zu helfen wissen, bevor sie sich und ihrem Säugling schlimmeres antun, die anderen nur die Aufforderung, Kinder auszusetzen.