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Während das alte Jahr mit der Finanzkrise zu Ende geht, und das neue mit dem Kanonendonner im Gazastreifen begann, war ganz Holland mit einer entscheidenden Frage beschäftigt. Die Titelseiten auch der seriösesten Tageszeitungen handeln von nichts anderem: wird man dieses Jahr endlich, nach 12 Jahren der Frustration, auf den zugefrorenen Kanälen Schlittschuhlaufen können und vorallem, wird die Elfstedentocht stattfinden? Da sind ein wenig Geschichte und batavischer Nationalismus nicht zu umgehen. Holländer waren oft die ersten im Eislaufen: auch wenn die Archäologie Rippen- und Schenkelknochen unter den Stiefeln unserer Vorfahren vor 20 000 Jahren zu Tage brachte und damit eine Erfindung dokumentiert, mit der man sich auf dem Eis bewegen konnte: seit dem 16ten Jahrhundert hatten die Schlittschuhe der Niederländer Holzsohlen mit einer eisernen Schneide und erlaubten zunehmend schnelleres Gleiten... Zu Anfang des 18ten Jahrhunderts begannen Wettrennen und 1890 schlug Pim Mulier ein Rennen über fast 200 Kilometer zwischen elf Städten vor, die durch Kanäle miteinander verbunden sind. Die Elfstedentocht war geboren.

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Seit 1909, als sie zum ersten Mal stattfand, ging es - Klimawandel hin, Klimawandel her - fünfzehn Mal im Dezember, Januar oder Februar an den Start: 1912, 1917, 1929, 1933, 1940, 1941, 1942 (das heißt, trotz Krieg und Besatzung: Vergnügen muss sein), 1947, 1956, 1963, 1985, 1986 (hoppla! tatsächlich waren diese Winter sehr kalt) und 1997. 1963 war es mit minus 18 Grad so kalt, dass nur etwas mehr als 1% der Teilnehmer die mehr als 11 Stunden der Strecke durchstanden! Angesichts des Temperatursturzes sind die Aussichten für den Traditionslauf in den nächsten Tagen nicht schlecht. Aber was den Schlittschuhläufer/inne/n Vergnügen bereitet, macht die Schwimmer/innen traurig: normalerweise findet am Neurjahrstag ein populäres Winterbaden statt und dies Mal mussten viele angesichts der Eismassen auf das kühle Nass verzichten.