Kurzum, es ist heiß. Sehr heiß. Die Bestätigung liefert ein kurzer Blick in die europäische Presse (wenn die nicht gerade vom Libanon handelt, wo es in diesen Tagen nicht nur noch heißer zugeht...) oder in die lokale meiner Sommerfrische. Vor zwei Monaten war es sehr kalt und ein Eintrag in diesem Blog war Berichten von Temperaturrekorden gewidmet: Temperatur - der internationale Lieblingssport. Hier sei nur daran erinnert, daß Sommer ist.

Allerdings sind die Ansichten von der sommerlichen Wärme nicht die gleichen im Osten oder Norden, im Süden oder Westen des Alten Kontinents, daran ändert auch die Europäische Union nichts. In Österreich und in der französischen Schweiz (Kleine Zeitung und 24 Heures) ist man eher zufrieden - mal was anderes als alpiner Schnee... Anders in Prag (Dnes) oder in London (Dayly Telegraph), wo man seufzend unter dem tropischen Einbruch leidet.

Meistbietend macht sich geltend, wer Ihnen genauer sagt, wie Sie weniger leiden oder weniger blödsinnig schwitzen: Spezialisten, "Drs. rer. cal.", beraten, schreibt die katalonische Vanguardia, wie die in Zentralspanien üblichen 45 Grad Hitze auszuhalten sind, und der (stets ein wenig moralisierende) Independent fragt, ob Sie wissen, warum es so heiß ist (und falls noch immer nicht, wird Ihnen bildlich auf die Sprünge geholfen: ein Flugzeug, ein Auspuff, ein Schornstein).

Hier wie dort sind die Landwirte am ärgsten beunruhigt, vor allem hier: Der Éclaireur du Gâtinais und der Courrier du Loiret sagen voraus, daß Hitzewelle und Feldbrände die Ernte um 15% geringer ausfallen lassen (natürlich bezogen auf das allerbeste Jahr, in dem sämtliche Ernterekorde gebrochen wurden). Wetten, daß Europa zum Ausgleich eine Subvention gewähren wird. Allerdings zeigt ein Blick auf die Titelseite von Joong Ang Libo, daß zum Bedauern des südkoreanischen, gemäßigt konservativen Blattes die landwirtschaftliche Subventionspraxis überall verbreitet ist, mit Ausnahme von Neuseeland, wo der schlechten (aus der Sicht der Zeitung) Gewohnheit jetzt ein Ende gesetzt wurde.

Ein Glück, daß der schweizerische Matin sich über eine Not aufregen kann, die schwerer wiegt als Hitzewelle und Subvention der Landwirtschaft: die Welle der "Quads", diese Dinger, die nicht Motorrad und nicht Traktor, und die die bukolischen Wege in unseren Gefilden zu entzaubern drohen. Wer unterschriebe da nicht gern die Petition?


Der oder die Loiret ist ein kleiner südlicher Nebenfluss der Loire. Das nach ihm benannte Departement Nr. 45 liegt im Pariser Becken, der Präfekt residiert in Orléans, die Verwaltung verteilt sich auf Unterpräfekturen in Gien, Montargis und Pithivier. Mitten im Departement dehnt sich über weite Strecken malerischer Staatsforst. Eine ehemals bedeutende Verkehrsader, der Kanal von Orleans, verbindet die Loire in der alten Königsstadt mit dem Loing in Montargis und über diesen mit der Seine. Die Landschaft beidseits des Loing ist das Gatinais, Montargis das "Venedig des Gatinais". Seit alten Zeiten gibt besonders ein Produkt das Aushängeschild der Gegend ab: ein im Spätsommer blühender Krokus, der Safran: "Backe, backe Kuchen,/ der Bäcker hat gerufen,/ Eier und Schmalz, /Butter und Salz,/ Milch und Mehl/ Safran macht den Kuchen gel."