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Ihre treuesten Leser nennen sie zärtlich "kleine Großmutter". Am Tag ihres fünfundneunzigsten Geburtstags, am 23. Dezember 2006, hat die Spanierin Maria Amelia Lopez ihr Blog begonnen. Es war ein Geschenk ihres fünfundreißigjährigen Enkels Daniel. In sechs Monaten wurde sie eine Virtuosin des Internets, zählt 350 000 Besucher und machte die Runde in den Schlagzeilen der Weltpresse, von Spanien bis in die Vereinigten Staaten, über Lateinamerika, Japan oder Russland. Maria Amelia wurde der Stolz ihres Vaterlandes, El Pais nannte sie die "weltumspannende Neunzigjährige".

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Ihre Chroniken berichten von der Welt wie sie sie hoch über dem Meer, von ihrem Balkon in Muxia (an der Costa da Morte) aus, wahrnimmt - nicht immer eine schöne Welt, zumal wenn der liberianische, unter der Flagge der Bahamas fahrende, Tanker Prestige die Küsten dieser Gegend mit Öl verseucht. Oder sie schreibt auf dem Bauernhof in Galizien, auf dem sie die meiste Zeit des Jahres verbringt. Sie erzählt der Reihe nach von ihrem täglichen Leben (Oh, die Geburt ihres Urenkels!); berichtet von kleinen Tricks, die ihr das Altwerden erleichtern (und natürlich vom Internet als dem besten Gegengift gegen Altersängste); Oder sie tut ihre Meinung zu den großen Weltkrisen kund (die iranische Nuklearkrise) oder zu Krisen ihres Landes (der baskische Nationalismus); sie regt sich über die Irrwege der Mode auf ("Oh, ein Minirock über schönen Beinen - das gefällt mir. Aber Sie müssen wirklich schöne Beine haben!") und entrüstet sich über die Arbeitsbedingungen der ausländischen Bauarbeiter auf, usw., usw..

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Die Rossiskaja Njedjelja schreibt respektvoll über die "Signora Lopez", dass sie aus einer Familie von Republikanern stammt, die sich gegen Franko engagierten. Sie erzählt in einem ihrer Blogeinträge, wie ein frankistischer Soldat die Familie wahrscheinlich vor der erbarmungslosen Repression nach Frankos Sieg gerettet hat. Wir erfahren aus der International Herald Tribune, dass einer ihrer Madrider Fans seinen Onkel in der Beschreibung Maria Amelias zu erkennen glaubte. Und sie wurden die allerbesten Freunde von der Welt...

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Ihr Auftritt im Web, im virtuellen Raum, hat die Blogerin in weite Fernen geführt, in ganz reelle: im Mai ist sie nach Brasilien gereist, hat zum ersten mal in ihrem Leben Europa verlassen. Regelmäßig sagt sie auch ihre Meinung zur spanischen Politik und verhehlt nicht ihre kleine Schwäche für den gegenwärtigen Premierminister, der ihr dann auch die charmantesten kleinen Antworten zukommen lässt. Ein wahrer Jungbrunnen für die, die behauptet, "die älteste Blogerin der Welt" zu sein. Wir warten jetzt nur noch auf die jüngste...